Verschiebung dämpft die Vorfreude von Stanser Fussball-Fans auf die EM

Freunde der Fussball-Nationalmannschaft aus Stans sind gleich doppelt von der Coronakrise betroffen.

Ruedi Wechsler
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Peter Würsch, Sandro von Moos und Roger Fuchs (von links) hoffen auf die Fussball-EM 2021.

Peter Würsch, Sandro von Moos und Roger Fuchs (von links) hoffen auf die Fussball-EM 2021.

Bild: Ruedi Wechsler (Stans, 1. April 2020)

Draussen herrscht traumhaftes Frühlingswetter und beim Fussballtalk mit den «3 Musketieren» ein mulmiges und beklemmendes Gefühl der Machtlosigkeit. Ihre Arbeitgeber setzen die leidenschaftlichen Fussballfans momentan auf Kurzarbeit. Noch keine zwei Jahre sind vergangen, da kehrten die drei Stanser, Roger Fuchs, Peter Würsch und Sandro von Moos mit vielen Eindrücken von der Weltmeisterschaft in Russland zurück. Da galt es einmal, die grosse Enttäuschung nach dem Ausscheiden im Achtelfinal gegen Schweden zu verdauen. Zudem verlor Peter Würsch im Innenbereich vor dem Stadion nach der ersten Kontrolle sein Ticket. Der Zutritt zum Stadion wurde ihm deshalb verwehrt. Nach langem Hin und Her kam er dank der «Swiss Fan’s Embassy», wenn auch verspätet, doch noch an das Spiel.

Das Trio hob die perfekte Organisation des Turniers und die Gastfreundlichkeit der Russen hervor. Obwohl ihnen Fans dringend vom Konsum des speziellen Wodkas Samogon (selbstgebrannter, unreiner Wodka) abrieten, folgten sie der Einladung von zwei Einheimischen. Nach einer halbstündigen Autofahrt wurden die drei Stanser mit einem Nachtessen und eben diesem Wodka überrascht. «Alles halb so schlimm», lacht Roger Fuchs. Emotional ging ihnen das «Doppeladlerspiel» Schweiz–Serbien (2:1) unter die Haut.

Enttäuschung schon vor der offiziellen Absage

Seit 2004 sind Roger Fuchs und Sandro von Moos regelmässig an den Grossanlässen mit der Nationalmannschaft unterwegs. Zum ersten Mal zu sechst mit dem Wohnmobil an der EM in Portugal. Peter Würsch stiess 2016 an der EM in Frankreich dazu.

«Als die ersten Superleague-Spiele abgesagt wurden, machten wir uns zum ersten Mal Gedanken, dass die EM abgesagt werden könnte», sagt Peter Würsch, der schon viele Jahre beim Aawassercup mitspielt. Er wollte noch den Euroleague-Kracher Eintracht Frankfurt–FC Basel (0:3) besuchen. Als auch dieser ohne Publikum stattfand, befürchteten die drei Freunde eine Absage. So ein grosses Turnier in ganz Europa benötige eine gewisse Vorlaufzeit. Grosse Enttäuschung bereits vor der offiziellen Absage machte sich breit.

«Und als diese erfolgte, fiel das Kartenhaus in sich zusammen», meint Peter Würsch nachdenklich. Die Emotionen würden dann bei der geplanten Eröffnung im Juni spürbar, ergänzt Roger Fuchs. Zunächst planten die drei Kumpels die Reise mit dem Zug nach Rom zum Spiel Italien–Schweiz. Peter Würsch wäre schon beim Eröffnungsspiel Italien-Türkei dabei gewesen. Anschliessend hätte er die Partie Schweiz–Türkei in Baku und ein Spiel der Deutschen in München mit verfolgt. Für allfällige Spiele der «Rotjacken» in der KO-Runde inklusive Halbfinal und Final hatten die Stanser ebenfalls Tickets hinterlegt, erwähnt Messi-Fan Sandro von Moos.

Für Rückerstattungen seien sie auf die Kulanz der Fluggesellschaften und der Hotels angewiesen, erläutert Peter Würsch. Die Tickets behalten jedoch ihre Gültigkeit für 2021. Sandro von Moos freute sich ganz besonders auf die Stadt Rom. Bei Roger und Peter war die Vorfreude auf die Spiele der Schweizer riesengross und ebenso auf die Treffen mit alten und neuen Fussballfreunden.

«Die sportlichen Erwartungen waren an den letzten Turnieren immer sehr gross, aber der entscheidende Schritt (Viertel- oder Halbfinal) wollte nicht gelingen», stellt Roger ernüchtert fest. Sandro spricht von einer schwierigen Gruppe: «Sollten die Petkovic-Jungs die Gruppe überstehen, ist vieles möglich.» Nicht so positiv äussert sich Peter Würsch: «Die Auftritte im letzten Herbst, die ich vor Ort in Dänemark und in St.Gallen gegen Georgien miterlebte, überzeugten nicht. Die ältere und mittlere Generation wird kontinuierlich durch junge Spieler wie Itten und Vargas verdrängt, was Hoffnung für die Zukunft gibt.» Der Spirit und der Kampfwille gingen der Mannschaft noch etwas ab. Roger Fuchs – der diese Saison das Comeback bei der Ü40 Stans geben wollte – spricht von einem Teufelskreis: «Überzeugen die Spieler in der heimischen Liga und in der Nati, werden sie zu früh zu Topklubs transferiert und sitzen dort vorwiegend auf der Bank. Das bekommt die Auswahl dann zu spüren.»

Zurück auf den Boden der Realität?

Die momentane Krise könnte den total überladenen Spielplan und die wahnwitzigen Lohn- und Transfersummen wieder auf den Boden der Realität bringen, ist Fuchs überzeugt. Würsch fügt an, das eine Pause zwischen den Meisterschaften und Turnieren Platz haben müsste. Das fördere die Vorfreude enorm. Leider gehe es nur noch ums Geld. Er ergänzt, dass eine Supercopa mit vier Mannschaften in Saudi Arabien absolut überflüssig sei. «Für mich sind die hohen Gehälter realitätsfremd und nicht greifbar. Wir sind alle mit viel weniger zufrieden und können auch so ein glückliches Leben führen.»

Die Fussballfreaks verfolgen auch sehr gerne ausländische Ligen mit Schweizer Spielern. Für das Pay-TV wünschten sie sich ein einheitliches Abo. Sie befürchten, dass Fussball im Stadion erst wieder im September verfolgt werden kann. Zu ihren Lieblingsspielern zählen Denis Zakaria und Breel Embolo.

Sie zweifeln an einer geläuterten Nachhaltigkeit. Für Peter Würsch ist die Zeit der Ungewissheit in der momentanen Situation eine der grössten Sorgen. Roger Fuchs hofft auf ein Wachrütteln der Gesellschaft, und dass danach die lokalen Betriebe und Geschäfte vermehrt berücksichtigt werden.