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Viele haben eine Kerze für den Stanser Pfarrer angezündet

David Blunschi erhielt die Diagnose Krebs und erlitt einen Hirnschlag. Dennoch sei 2018 für ihn nicht nur ein Leidensjahr gewesen, sagt der Stanser Pfarrer. Für die Zukunft wünscht er sich ganz bescheiden «etwas Zeit, schöne Momente zu erleben.»
Oliver Mattmann
Ungewisse Zukunft: David Blunschi in der Pfarrkirche. (Bild: Oliver Mattmann (Stans, 14. Dezember 2018))

Ungewisse Zukunft: David Blunschi in der Pfarrkirche. (Bild: Oliver Mattmann (Stans, 14. Dezember 2018))

Für David Blunschi hatte das zu Ende gehende Jahr vor allem eines parat: Hiobsbotschaften. Im Januar erhielt der Stanser Pfarrer die Diagnose Lungenkrebs. Wegen chirurgischer Eingriffe musste er sich über längere Zeit in Spitalpflege begeben. Im Oktober der nächste gravierende Einschnitt: Der 52-Jährige erleidet einen Hirnschlag, bei der Behandlung wird festgestellt, dass er einen Herzfehler hat. Eine Operation ist aufgrund seines schwachen Gesundheitszustands zu gefährlich, sagen die Ärzte. Es folgen mehrere Therapien, dass er seine koordinativen Fähigkeiten zurückerlangt, aber auch zur Bekämpfung von Müdigkeit und Schmerzen. Medikamente nimmt er schon länger zu sich. Er muss seine Ernährung umstellen. Der Gewichtsverlust ist augenfällig. Von seiner angestammten Arbeit als Pfarrer muss er sich die meiste Zeit weitgehend zurückziehen.

«Im Moment ist mein Zustand soweit stabil. Die Zeit, die ich noch habe, empfinde ich als geschenkte Zeit. Niemand kann mir sagen, wie viel ich davon noch erhalte.» Es ist Mitte Dezember, wir sitzen David Blunschi gegenüber. Er ist bis Ende Jahr zu 100 Prozent krankgeschrieben, sein Körper wirkt geschwächt. Angesichts der letzten Monate sind seine Worte umso erstaunlicher: «2018 war für mich nicht nur ein Leidensjahr. Ich habe auch viel Schönes erlebt. So durfte ich mit den Firmlingen nach Assisi reisen, im Sommer auf der Alp Ferien verbringen und mein 25-Jahr-Jubiläum als Priester feiern.» Es ist symptomatisch für den Pfarrer: Er hadert nicht mit dem Schicksal, sondern sieht darin seinen Weg und schaut positiv nach vorne. «Jeder muss seinen Beitrag leisten, damit es wieder aufwärts geht. Ich habe mit dem Leben noch nicht abgeschlossen.»

Er würde gerne wieder einige Tage in die Berge

David Blunschi kann sogar seinem Spitalaufenthalt etwas Positives abgewinnen. «Ich war in einem Viererzimmer und durfte viele gute Gespräche führen. Wir haben einander motiviert und Mut zugesprochen.» Er wolle nicht missverstanden werden, aber der Kontakt mit anderen Betroffenen habe die eigene Situation etwas erträglicher gemacht. Auch habe er von seinem familiären Umfeld, von Freunden, dem Pfarreiteam und dem Kirchenrat grosse Unterstützung erfahren dürfen. Das habe ihm sehr geholfen, betont er. «Viele Bekannte sagten mir, dass sie für mich eine Kerze angezündet haben. Ein schönes Zeichen.» Das sei nicht selbstverständlich – eine Betrachtungsweise, die sich bei ihm inzwischen auch bei anderen Dingen im Alltag verstärkt hat. Einen Alltag, in dem er sehr eingeschränkt ist, den er aber soweit alleine bewältigen kann. «Ich muss einfach für alles viel mehr Zeit einplanen.»

«Zeit» ist ein Begriff, den David Blunschi während des Gesprächs öfters verwendet. So wünscht er sich für 2019 ganz bescheiden – aber nachvollziehbar – «etwas Zeit, schöne Momente zu erleben.» Vor allem würde er gerne wieder ein paar Tage in die Berge. «Die Abgeschiedenheit in der Natur gibt mir Kraft, innere Ruhe und Gelassenheit.» Auch würde er gerne wieder mehr seiner eigentlichen Berufung, der Seelsorge, nachgehen. Blunschi macht sich aber nichts vor. Er weiss, dass es ganz anders kommen kann. «Wenn der Moment da ist zu gehen, dann ist es gut so für mich.»

«Regt euch nicht über jede Kleinigkeit auf»

Was gibt er als Seelsorger Leuten mit auf den Weg, die ein ähnliches Schicksal ereilt hat: «Trotz schwerer Momente sollte man die Augen offen halten für das Positive im Leben. Manchmal ist es versteckt und nur im Kleinen, aber es ist da.» Und zur Weihnachtszeit, auf die er sich sehr gefreut hat, formuliert er noch einen ganz besonderen Wunsch an seine Mitmenschen: «Seid nicht sparsam mit Zeichen von Freundschaft und Liebe. Teilt eure Freude.» Blunschi überlegt einen Augenblick, um dann anzufügen: «Und regt euch nicht über jede Kleinigkeit auf.» Etwas, das er sich selber mehr denn je zu Herzen nimmt.

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