Vier Nidwaldner Künstler schaffen Kunst mit Kindern

«Kinder schaffen Kunst» heisst das Projekt des Kiwanis Club Nidwladen. Wir schauten ins Atelier des Stanser Bildhauers Rochus Lussi.

Marion Wannemacher
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Oliver Truttmann (vorne Mitte) schnitzt sein eigenes Kunstwerk. Von links: Rochus Lussi, Erich Keiser (Präsident Kiwanis Club Nidwalden) und Walter Scheuber.

Oliver Truttmann (vorne Mitte) schnitzt sein eigenes Kunstwerk. Von links: Rochus Lussi, Erich Keiser (Präsident Kiwanis Club Nidwalden) und Walter Scheuber.

Bild: Silvan Bucher (Stans, 26. Februar 2020)

Im Eichli 27 wird konzentriert geschafft. Fünf Mädchen und Buben bearbeiten mit Schnitzmesser und Hammer jeweils ein Stück Lindenholz. Bereits ist bei jedem Objekt die Kopfform erkennbar, auch Nase und Ohren sind zu sehen. Bildhauer Rochus Lussi gibt Tipps, zeichnet hier eine Linie an, legt da kurz Hand an. Tag zwei des Projekts «Kinder schaffen Kunst». In den vier Ateliers bei Rochus Lussi, Elionara Amstutz, Adrian Gander und Rainer Otto Hummel dürfen sich 21 elf- bis dreizehnjährige Kinder aus Nidwalden drei Tage lang kreativ betätigen.

Finanziert und organisiert hat es der Kiwanis Club Nidwalden. «Wir wollten den Kindern den Zugang zu Künstlern und zum kreativen Schaffen ermöglichen», sagt Werner Scheuber. Als Kontaktmann für neun Clubs der Zentralschweiz wird er diesen das Projekt zum Selberorganisieren empfehlen. «Vor neun Jahren haben wir es in Nidwalden zum ersten Mal veranstaltet. Damals kam es sehr gut an.»

Wie sieht denn eigentlich ein Ohr aus?

Rochus Lussi erklärt der Gruppe gerade Grundsätzliches zur Anatomie. «Wir haben die Ohren jetzt angelegt. Nur sitzen sie ja nicht wie Kopfhörer am Kopf. Da hinten ist der höchste Punkt, da bleiben wir aussen, gegen das Ohrläppchen geht es gegen null. Ihr merkt, das Ohr hat die ‹Richtung› von einem Dreieck.» Er setzt das Schnitzmesser an und trägt einen Teil des Holzes ab. Die Späne fliegen, und tatsächlich sieht die Kopfhörermuschel nun wie ein Ohr aus. Nicht jeder Kopf muss Ohren haben. Die Künstler entscheiden selber über ihr Werk.

Der 54-Jährige ist gewohnt, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten und umzugehen. Er hat neun Jahre lang Technisches Gestalten und Bildnerisches Gestalten in Ennetbürgen und Stans unterrichtet. Das Projekt mit den Kindern schätzt er: «Als Künstler arbeite ich sonst wie ein Eremit in meinem Atelier. Eigentlich bin ich ein kommunikativer Künstler. Das tut mir gut.» Die fünf Teilnehmer hätten ein Formempfinden, lobt er. «Sie sind konzentriert dran und motiviert. Beim Essen haben wir total angeregte Diskussionen.» Der gestandene Bildhauer achtet darauf, dass jedes Kind selber über sein Werk bestimmt. «Die Sprache ihres Kunstwerks soll von ihnen sein.»

Zuerst wählten die Teilnehmer Karten mit Skulpturen berühmter Bildhauer. Nach dem Modellieren ihres Kopfmodells zeichneten sie dessen Formen auf dem Holzklotz an, der Bildhauer bereitete ihnen mit der Bandsäge den Rohling vor, sie begaben sich ans Schnitzen. «Das Modellieren bedeutet plastisches Aufbauen, beim skulpturalen Schaffen braucht es ultimative Entscheidungen. Was weg ist, ist weg», erklärt Lussi.

Vernissage mit Reden und Apéro

Maia Jodar aus Oberdorf hat sich gar an ein Selbstporträt gewagt. Ihr Kopf soll Zöpfe bekommen wie sie selber. «Es macht mir mega Freude, es ist so cool», lobt die Elfjährige das Atelier. «Alle verstehen sich so gut.» Mit dem Schnitzen wolle sie sicher später weitermachen. Angst vor Verletzungen habe sie keine. Die Skulpturen sind im Schraubstock eingespannt, beide Hände an den Werkzeugen. Lediglich auf den Finger habe sie sich mal geschlagen. Auf die Vernissage freuen sich alle schon sehr. Die Künstler werden Reden auf die Werke der Kinder halten, und es gibt einen Apéro. Wie bei richtigen Künstlern.

Die Vernissage von Kinder schaffen Kunst des Kiwanis Clubs Nidwalden ist öffentlich. Freitag, 28. Februar, um 19 Uhr in der Sust Stansstad.