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Doppellesung in Stans als Experiment

Das Literaturhaus Zentralschweiz in Stans hat zu einer Doppellesung eingeladen. Die Besucher lauschten zwei Autoren, deren Eltern in den 60er-Jahren Gastarbeiter in der Zentralschweiz waren.
Patricia Helfenstein-Burch
Die beiden Autoren: Vincenzo Todisco (links) und Pino Masullo. (Bild: Patricia Helfenstein)

Die beiden Autoren: Vincenzo Todisco (links) und Pino Masullo. (Bild: Patricia Helfenstein)

Ein Hauch von Italianità erfüllte am Mittwochabend die wunderschönen Räume im obersten Stock im Höfli Stans. Eingeladen hat das Literaturhaus Zentralschweiz (Lit.z). Sabine Graf, Intendantin des Lit.z, begrüsst die beiden Schriftsteller Pino Masullo und Vincenzo Todisco sowie Franco Supino, der durch den Abend führt. Sabine Graf schickt voraus: «Die heutige Doppellesung ist auch ein Experiment. Doch es ist augenfällig. Beide Autoren haben italienische Wurzeln und sind in unterschiedlicher Weise mit Stans liiert.»

Auch der 1965 in Solothurn geborene Franco Supino, der Regisseur des Abends, ist ein Kind italienischer Eltern und wuchs zweisprachig auf. Heute lebt er als Schriftsteller mit seiner Familie in Solothurn, wo er als Dozent an der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz tätig ist. Franco Supino ist selber mehrfach ausgezeichneter Autor. Mit einem sehr aktuellen und passenden Credo von Franco Supino, eröffnet Sabine Graf die Lesung: «Heimat kann man nicht kaufen und nicht schaffen, Heimat bekommt man geschenkt.»

Pino Masullo ist Süditaliener und 1963 in Luzern geboren, wo er als Sohn eines Schreiners und einer Schneiderin mit seinen zwei Schwestern aufwuchs. Heute lebt er in Stans. Er machte zuerst eine Lehre als Dekorationsgestalter und entschied sich erst spät dafür, auf seine Leidenschaft Musik zu setzen. «Das prägt seine Biografie. Er ist einer, der sich getraut», sagt Franco Supino. «Pino Masullo ging ans Konservatorium und konnte zu dem Zeitpunkt kein Instrument spielen.»

«Ich musste Klavier spielen lernen, das war der absolute Horror», ergänzte Masullo. «Meine Lehrerin riet mir damals, ich solle das Studium aufgeben, weil ich das niemals schaffen würde.» Dann habe er gedacht, eigentlich hat die Lehrerin Recht. Er überlegte, ob er das Studium aufgeben, oder nicht mehr zu ihr in den Unterricht gehen soll. «Ich habe mich für die zweite Variante entschieden und das Diplom dann trotzdem geschafft.»

In Italien ist die Idee entstanden

Masullo arbeitet heute als Gitarrenlehrer und Musiker und gibt Konzerte. 2012 hat er sich wieder was vorgenommen und es ganz einfach gemacht. In seinem Feriendomizil in Italien entstand eine erste Skizze zu seiner Erzählung «Rosa und Vituccio», dem Buch, aus dem er vorliest. Für dieses Buch hat er den Förderpreis der Zentralschweizer Literaturförderung 2017/18 erhalten. «Rosa und Vituccio» spielt in einem abgelegenen Dorf im Süden, wo das Fest der Berggeister gefeiert wird und wo sich die Dorfbewohner mit Onkel und Tante ansprechen, auch wenn sie nicht miteinander verwandt sind. «Ein Nachbar, der vor einem Jahr leider verstorben ist, hat mir immer eine absurde Geschichte erzählt. Diese Geschichte bildet den Schluss des Buches.» Die Geschichte sei so absurd, dass er dachte, das muss man aufschreiben. Alles was vorher ist, sei erfunden oder aus Erinnerungen zusammengetragen, meint Masullo. Leute, die das Buch schon gelesen haben, sagen ihm: «Die Geschichte ist gut, aber der Schluss ist sehr unwahrscheinlich.» Dabei ist genau der Schluss das Einzige, was wirklich wahr ist», sagt Masullo über sein Erstlingswerk.

«Das Eidechsenkind» ist das erste deutsche Buch

Vincenco Todisco ist 1964 in Stans geboren, hat aber nie in Stans gelebt. Er hat in Zürich Romanistik studiert und doktoriert. Heute lebt er mit seiner Familie in Rhäzüns, wo er als Dozent an der Pädagogischen Hochschule Graubünden tätig ist. «Ich habe sieben Kinder», verrät Todisco. «Tatsächlich bin ich heute zum ersten Mal seit meiner Geburt wieder in Stans. Es ist schon speziell. Man geht weg als Gastarbeiterkind und kommt zurück als Schriftsteller», sagt Todisco in seiner bescheidenen Art. Todisco hat schon mehrere Bücher geschrieben. Der Roman «Das Eidechsenkind» ist das erste Buch, das er in deutscher Sprache geschrieben hat.

Das Eidechsenkind ist in Italien daheim und im Gastland zu Hause. Hier muss es sich verstecken. Aus der Sicht eines Kindes erzählt Todisco in diesem erschütternden Roman von einem klandestinen Schicksal in einem belebten Wohnhaus, von kindlichem Einfallsreichtum und heimlicher Freundschaft. Todisco liest so emotionell, dass man sich selber fast als das Kind fühlt, das sich immer wieder verstecken muss und seine Schritte in der eigenen Wohnung zählt.

Masullo und Todisco, zwei Schriftsteller, die auf den ersten Blick verschieden scheinen, die aber viel mehr als nur ihre italienischen Wurzeln verbindet. Sie beide sind Autoren, die die Macht der Fiktionalität und den Reiz der literarischen Erzählperspektiven beherrschen.

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