Von Freundschaften

Ich meinti

Karl Tschopp
Merken
Drucken
Teilen
Karl Tschopp. (Bild: PD)

Karl Tschopp. (Bild: PD)

Haben Sie diesen Sommer auch geplant, mindestens an einem Abend am Wochenende «Freunde» einzuladen, um zu grillieren und es gemütlich zu haben, im Garten, auf der Terrasse oder auswärts am See oder in den Bergen? Oder ist sogar eine Hochzeit geplant und nun steht man vor der wichtigen Frage, wen man neben den Familienmitgliedern noch einladen soll? So oder anders ist die Frage zu klären, wer zum Freundeskreis gehört und wer «nur» zu den Kollegen.

Wikipedia-mässig betrachtet ist die Freundschaft «ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet». Freundschaften haben eine herausragende Bedeutung für Menschen und Gesellschaften. Natürlich gilt das nur für echte Freundschaften. Der nette Bürokollege gehört also nicht zwingend dazu, obwohl Arbeit durchaus einander verbinden kann. Denn in aller Regel ist die Freundschaft das engste ­geistige Verhältnis zwischen Menschen, das wir klar abgrenzen von loseren Beziehungen wie Kamerad- und Bekanntschaften.

In der Primarschulzeit wollte man von der Angebeteten wissen: «Willst du mit mir gehen? Ja/Nein (bitte ankreuzen) und kriegte als Antwort: «Weiss nicht.» Sympathie oder gar Zuneigung einer anderen Person zu zeigen, und dann eines auf den Deckel zu kriegen, ist peinlich oder sogar verletzend. Der Mensch hatte aber schon immer Schwierigkeiten in der Einschätzung, wer seine tatsächlichen Freunde sind. Forscher fanden nämlich heraus, dass etwa die Hälfte unserer Beziehungen nicht auf Gegenseitigkeit beruhen. Sprich, knapp die Hälfte der Menschen, die wir zu unseren Freunden zählen, sehen das nicht so. Die Lösung auf den ersten Blick ist: Man muss Freundschaften pflegen.

Es ist aber nicht immer leicht, enge Bindungen zu pflegen. Oft treiben die grossen Umbrüche im Leben alte Freundschaften auseinander: Wer für das Studium oder den Beruf an einen anderen Ort zieht, Kinder bekommt oder sich scheiden lässt, kann selten alle seine Verbindungen aufrechterhalten. Alle sieben Jahre verlieren wir im Schnitt die Hälfte unserer Freunde und ersetzen sie durch neue, sagt eine Studie. Trotz einer Vielzahl von «Freundschaftsanfragen» bei Facebook ist die Bedeutung dort eine andere. Viele haben ein Profil bei Facebook, um einfach unkompliziert mit Leuten in Verbindung zu bleiben.

Ich meinti, Facebook ist ja nicht unser Leben. Alle Experten sind sich zum Glück einig, dass kein Onlinekontakt ein persönliches Gespräch ersetzen kann. Es gibt aber Langzeitstudien, die ergeben haben sollen, dass die Qualität von Freundschaften bei Jugendlichen zunimmt, wenn sie sich ihren Freunden über das Internet mitteilen. Dann müsste aber in unserer Sprachregion die neu vorgesehene Regel, dies «in deutscher Sprache auf Niveau B 1» zu tun, nicht nur für Einbürgerungswillige gelten ...

Karl Tschopp, Rechtsanwalt und Landrat (FDP), Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.