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Swissint: Von Oberdorf aus wird die Welt ein wenig sicherer

7500 Besucher strömten am Wochenende nach Oberdorf, um sich auf dem Kasernenareal Wil die Aufgaben der Swissint und der Nidwaldner Blaulichtorganisationen zeigen zu lassen. Grossen Eindruck machten realitätsnahe Szenen aus Konfliktgebieten.
Franziska Herger
Simulierter Ernstfall: Die Swissint lieferte eindrückliche Einblicke in ihre Arbeit. Bilder: Nadia Schärli (Oberdorf, 20. Oktober 2018)

Simulierter Ernstfall: Die Swissint lieferte eindrückliche Einblicke in ihre Arbeit. Bilder: Nadia Schärli (Oberdorf, 20. Oktober 2018)

Auf einem trostlosen, halb zerstörten Markt spielen zwei junge Männer Fussball. Der Ball rollt auf einen Haufen Trümmer zu, einer der beiden rennt ihm nach. Ein Knall, Geschrei – eine Mine ist explodiert. UNO-Geländewagen rollen an, Blauhelme beruhigen die aufgebrachte Menge und versorgen den Verletzten, bis ein gepanzertes Ambulanzfahrzeug eintrifft und den Mann abtransportiert. Was sich in zahlreichen Konfliktgebieten der Welt so hätte zutragen können, war gestern in Oberdorf nur gespielt.

An den Tagen der offenen Tür gab die Swissint, das in Oberdorf stationierte Kompetenzzentrum für Auslandeinsätze der Schweizer Armee, am Freitag und Samstag zusammen mit kantonalen Notfallorganisationen und weiteren Partnern Einblick in ihre Tätigkeiten. So etwa die Friedensförderung, wie eben im fiktiven Konfliktgebiet «Sandland». Ganze 7500 Besucher strömten an den beiden Tagen auf das Kasernenareal Wil. Neben den realitätsnahen Friedensförderungs-Szenarien erwiesen sich auch die Armee- und der Rega-Helikopter, die über das Gelände donnerten, als Publikumsmagnet.

Besonders Mutige fuhren im Armee-Geländewagen mit

Wie gefährlich friedensfördernde Einsätze sein können, zeigte sich im «Minengarten», wo 20 Gegenstände verborgen waren. Die meisten Besucher fanden auf ihrem Weg durch den Parcours nur gut die Hälfte – ob die Objekte «vermint» waren, erfuhren sie erst am Ende. Leo Saurenmann kennt die Gefahr am eigenen Leib. «Minen waren bei meinem Einsatz im Kosovo eines der Hauptprobleme», erzählt der Winterthurer. «Jetzt habe ich im Minengarten gemerkt, dass man in über zehn Jahren doch das eine oder andere verlernt.» Saurenmann wurde in Oberdorf ausgebildet. «Der Besuch ist für mich wie ein Heimkommen.»

Jenseits des Minengartens ragte ein UNO-Beobachtungsturm in die Höhe, von dem aus Besucher das Gelände überblicken konnten. Noch höher hinauf ging es mit der Drehleiter des Feuerwehrautos, von der kleine Buben begeistert ihren Eltern am Boden zuwinkten. Zahlreiche Kinder wollten auch den Polizeiwagen von innen erkunden. Mutige Besucher ab 12 Jahren konnten in einem Geländewagen der Schweizer Armee mitfahren, wie sie etwa im Kosovo oder in Bosnien-Herzegowina eingesetzt werden. Der eine oder die andere stieg dabei etwas bleicher wieder aus, nachdem sie die Trainingsfahrt über steile Rampen hinter sich gebracht hatten.

Für Andrang sorgte auch die Militärpolizei, welche die Arbeit mit den Diensthunden vorstellte. Barbara Schneider aus Oberdorf schaute gespannt zu, wie ein Schäferhund ein verdächtiges Fahrzeug beschnüffelte. Der Besuch war für sie sozusagen Familiensache. «Mein Sohn ist bei der Rettungssanität, mein Mann arbeitet im Armeemotorfahrzeugpark in Rothenburg», erzählte sie. Die Diensthunde interessierten sie, da sie selber einen Hund habe. «Und auch die Helikopter haben mich fasziniert.»

Auch die Rekrutierung ist Ziel des Anlasses

Aktuell leisten rund 270 Schweizer Männer und Frauen friedensfördernde Einsätze in 19 Ländern auf vier Kontinenten. Sprachkenntnisse und Offenheit gegenüber anderen Sichtweisen seien für einen solchen Einsatz unerlässlich, sagt Swissint-Kommandant Fredy Keller. Neben der Information der breiten Bevölkerung sei auch die Rekrutierung ein Ziel der Tage der offenen Tür. «Viele Leute wissen gar nicht, dass ein friedensfördernder Einsatz eine Möglichkeit für sie wäre, gerade Frauen. Sie können Kontakt mit der weiblichen Bevölkerung aufnehmen, wo das einem Mann je nach Kultur und Religion im Einsatzgebiet nicht so leicht möglich ist.»

Um die Sicherheit zu gewährleisten, brauche es auch die Blaulichtorganisationen, sagte Justiz- und Sicherheitsdirektorin Karin Kayser. «Sie sind im Alltag nicht immer sichtbar. Daher ist es wichtig, dass die Bevölkerung wahrnimmt, was Sicherheit eigentlich bedeutet.» Kayser freute sich über die vielen Besucher aus der ganzen Schweiz. «Dass Oberdorf als kleine Gemeinde international Sicherheit ausstrahlt, ist ein sehr schönes Zeichen.»

Besucher beobachten gebannt den Helikopterüberflug. (Bild: Nadia Schärli (Stans, 20. Oktober 2018))
Die Helikopter können auch aus der Nähe betrachtet werden. (Bild: Nadia Schärli (Stans, 20. Oktober 2018))
Auch für die Kleinsten gab es viel zu sehen..... (Bild: Nadia Schärli (Stans, 20. Oktober 2018))
.... und auszuprobieren. (Bild: Nadia Schärli (Stans, 20. Oktober 2018))
Wie in der Realität: Ein Militärbeobachter wird im fiktiven Konfliktgebiet Sandland durch eine Explosion verletzt. (Bild: Nadia Schärli (Stans, 20. Oktober 2018))
Im gestellten Einsatzszenario kommen UNO-Blauhelme zu Hilfe, nachdem eine Mine explodiert ist. (Bild: Nadia Schärli (Stans, 20. Oktober 2018))
Eine Notsituation, die schnelle Hilfe erfordert. (Bild: Nadia Schärli (Stans, 20. Oktober 2018))
Vom UNO-Beobachtungsturm aus lässt sich das Gelände überblicken. (Bild: Nadia Schärli (Stans, 20. Oktober 2018))
Auch die Fahrzeuge der Armee und der Blaulichtorganisationen stiessen auf reges Interesse - so etwa Einsatzfahrzeuge... (Bild: Nadia Schärli (Stans, 20. Oktober 2018))
und Motorräder. (Bild: Nadia Schärli (Stans, 20. Oktober 2018))
Der Hindernis-Parcours, wo Besucher bei einem Geländewagen-Fahrtraining dabei sein konnten. (Bild: Nadia Schärli (Stans, 20. Oktober 2018))
Von der Autodrehleiter der Feuerwehr hat man die Übersicht über das Ausstellungsgelände. (Bild: Edi Ettlin (Oberdorf, 19. Oktober 2018))
Erste Unterweisungen in erster Hilfe. (Bild: Edi Ettlin (Oberdorf, 19. Oktober 2018))
Von der Tribüne aus lassen sich die Einsatzszenarien der Friedensmissionen verfolgen. (Bild: Edi Ettlin (Oberdorf, 19. Oktober 2018))
Aufgebrachte Bürger des fiktiven Staates Sandland haben eine Strassensperre errichtet.(Bild: Edi Ettlin (Oberdorf, 19. Oktober 2018))
Wer die Vorführungen sehen will, betritt von Rebellen kontrolliertes Gebiet. (Bild: Edi Ettlin (Oberdorf, 19. Oktober 2018))
UNO-Beobachter sehen sich auf einem Markt im fiktiven Staat Sandland um. (Bild: Edi Ettlin (Oberdorf, 19. Oktober 2018))
In einer Liveschaltung meldet sich Oberst Albert Ulrich aus einem Ausbildungszentrum in Ghana. (Bild: Edi Ettlin (Oberdorf, 19. Oktober 2018))
Besucher lassen sich über die Beseitigung von Kampfmitteln informieren. (Bild: Edi Ettlin (Oberdorf, 19. Oktober 2018))
Das gepanzerte Sanitätsfahrzeug wiegt 14 Tonnen. (Bild: Edi Ettlin (Oberdorf, 19. Oktober 2018))
20 Bilder

Besucher tauchen in den Alltag von Friedensförderern ein

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