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Art Performance: Von Tauben, Rosen und Fichtenlatten – Künstler treten in Stans auf

Rochus Lussi, Claudia Bucher und Judith Huber haben am vergangenen Freitag rund ums Nidwaldner Museum in Stans Darbietungen gezeigt. Dabei wurden auch Tauben freigelassen.
Romano Cuonz
Rochus Lussi liess Tauben fliegen. (Bilder: Romano Cuonz, Stans, 30. August 2019)Rochus Lussi liess Tauben fliegen. (Bilder: Romano Cuonz, Stans, 30. August 2019)
Judith Huber gewann mit ihrer Arbeit «2 x Fichte» den Performancepreis der Schweiz.Judith Huber gewann mit ihrer Arbeit «2 x Fichte» den Performancepreis der Schweiz.
Claudia Bucher bespielte nachdenklich den Rosengarten des Nidwaldner Museums.Claudia Bucher bespielte nachdenklich den Rosengarten des Nidwaldner Museums.
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Drei Künstler zeigen Darbietungen in Stans

«Verschiedenste Art Performer und Performerinnen sollen an möglichen und unmöglichen Orten auftreten und dabei auf gegebene Situationen reagieren», postulierte der neue Innerschweizer Kulturpreisträger Rochus Lussi vor zwei Jahren. Und liess seinen Worten als Tat mit «happen 1» eine neue Performance-Reihe folgen. Dieses Jahr nun bot Stefan Zollinger, Leiter Amt für Kultur Nidwalden, dem Künstler die Chance, im «Museumssommer» «happen 2» zu lancieren: im Garten rund um Winkelriedhaus und Pavillon. Lussi sagte zu, lud zwei bekannte Innerschweizerinnen ein: Claudia Bucher und Judith Huber.

Das Szenenbild für «happen 2», das Nidwaldner Museum, zeigt sich am vergangenen Freitagabend im allerschönsten Licht. «Tomorrow» titelt der Stanser Rochus Lussi seine Darbietung. Stellt sich vorerst ganz in Schwarz gekleidet vor dem Pavillon auf. Malt dann mit roter Farbe Streifen aufs Gesicht. Nun setzt er seine Botschaft, dass Performer auch an unmöglichen Orten auftreten mögen, in die Tat um. Er nimmt eine Leiter, stellt sie an und steigt aufs Flachdach. Wie er dann auf der äussersten Kante wieder in Erscheinung tritt, ist er angeseilt. Was nun geschieht, ist fürs Publikum überraschend. Und schön. Fragmentarisch, fast murmelnd gibt er eine Art Betruf von sich. Ein Gebet um Frieden in einer unfriedlichen Welt? Und dann zaubert Lussi zuerst eine, dann eine zweite und schliesslich gleich mehrere Brieftauben aus einer Kiste. Wohl mit einer Friedensbotschaft fliegen sie in den Abendhimmel. Ein starkes Bild, mit der ganzen Qualität einer klugen Performance: Lussi lässt das Publikum erfreut, erstaunt, aber auch mit vielen Fragen auf den Lippen zurück. Nachdenklich.

Claudia Bucher: Rosenspuren

Die in Horw lebende und arbeitende Künstlerin Claudia Bucher geht bei Performance-Arbeiten immer sehr intensiv und intuitiv auf den Ort ein. Diesmal fokussiert sich ihr Blick auf die wunderschöne Hecke mit roten Rosen rund ums Nidwaldner Museum. Im blütenweissen Kleid, das Gesicht hinter zwei riesigen Rosenbouquets versteckt – tritt sie vors Publikum. Jetzt bietet sie eine Schau, die betroffen macht: Rupft die Rosen. Eine nach der andern. Nimmt Abschied von Blust und jugendlicher Frische, zeigt Vergänglichkeit von Schönheit. Wie sie sich darauf selber mit verjüngender Milchcreme einbalsamiert, Rosenblüten aufs Haupt tropfen lässt und gar ihr weisses Kleid mit der Farbkraft der Blütenblätter einfärbt, ist wohl eine doppelte Metapher: Fürs Älterwerden einerseits und dafür, wie schwer es fällt, die Jugend loszulassen andererseits. Ein berührendes Spiel mit Übergängen, die zwischen Schönem und Hässlichem hin und her schwanken.

Judith Huber: der Balanceakt

Auf den ersten Blick fast banal wirkt der Titel der in Schottland geborenen und in Emmenbrücke lebenden Performerin Judith Huber: «2 x Fichte». Doch wenn sie durchs grosse Tor den Hof betritt, zwei vier Meter lange Latten aus Fichtenholz auf den Schultern balanciert, dabei kaum ein Minenspiel aufkommen lässt, beginnt man zu ahnen, warum sie 2018 den Performancepreis Schweiz gewonnen hat.

Vorerst staunt der Zuschauer. Bewundert ihr beinahe akrobatisches Spiel. Doch mit der Zeit – je weiter die Frau geht – vom Hof in den Pavillon zu Kunstwerken und wieder raus, spürt man es: Judith Huber kommuniziert mit den Latten. Dabei werden sie zu ihren Fühlern. Über diese nimmt sie Kontakt mit den Leuten auf. Tastet einen Raum nach dem anderen ab, lotet aus, wo ein Durchgang für sie ist. Gleichzeitig zeichnet sie mit leise wippenden, sich hin und her bewegenden Latten Bilder in die Luft. Je ruhiger die Künstlerin dabei bleibt, desto kribbeliger wird man als Zuschauer. Ein faszinierendes Spiel mit Gefühlen, stoisch beinahe.

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