Vorfall in Nidwalden: Unbekannter Mann belästigt mehrere Kinder

In Ennetbürgen sind Eltern beunruhigt. Ihre Kinder seien wiederholt von einem Fremden angesprochen worden. Die Polizei ermittelt. Und hat Tipps, was präventiv zu tun ist – und wovon man die Finger lassen sollte.

Matthias Piazza
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Gerade zum Schulbeginn sind Eltern besonders sensibilisiert auf mögliche Entführungen. Die Polizei warnt aber vor Hysterie. (Symbolbild: Keystone/Dominic Favre)

Gerade zum Schulbeginn sind Eltern besonders sensibilisiert auf mögliche Entführungen. Die Polizei warnt aber vor Hysterie. (Symbolbild: Keystone/Dominic Favre)

Die Mitteilungen in sozialen Medien klingen dramatisch: «Vorsicht! Achtung! Ein 10-jähriges Kind wurde von einem jungen Mann in Ennetbürgen angehalten und gefragt, wo es wohne und wie es nach Hause komme. Der Mann wollte es nicht gehen lassen. Das Kind konnte mit dem Trottinett wegfahren. Bitte informiert eure Kinder!» Solche und ähnliche Warnschreiben machen derzeit in Ennetbürgen die Runde. Beim vermeintlichen Übeltäter ist von einem rund 25-jährigen Mann, schmale Statur, kurze, aufgestellte Haare und glänzendes Gesicht, die Rede. Auch Gesamtschulleiter Marc Zängerle informierte die Eltern in einem Mail.

«Wir haben Kenntnis von einigen Vorfällen», bestätigt auf Anfrage Marco Fux, stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei Nidwalden. «Wir sind sehr froh, dass die Mutter die Aussagen des Kindes ernst genommen und die Polizei informiert hat, wir gehen solchen wertvollen Hinweisen immer nach.» Die Ermittlungen seien im Gange. Eine mögliche Täterschaft habe noch nicht gefasst werden können. Man sei froh um weitere Hinweise aus der Bevölkerung. Zum Signalement wollte er sich nicht äussern.

Angst sei ein schlechter Ratgeber

Auch die Luzerner Polizei bekomme immer wieder Meldungen über solche Vorfälle, besonders zu Beginn eines Schuljahres, wenn Eltern und Kinder für das Thema sensibilisiert seien, sagt Erwin Gräni, Chef Prävention bei der Luzerner Polizei, auf Anfrage. Seine Abteilung klärt in regelmässigen Besuchen Kindergärtler und Schüler nicht nur über das korrekte Verhalten im Strassenverkehr, sondern auch über Gefahren auf dem Schulweg auf.

Eltern sollten ihre Kinder zu einem selbstsicheren Verhalten erziehen, rät Gräni. «Denn erfahrungsgemäss sprechen Täter unsicher und unselbstständig wirkende Kinder bevorzugt an.» In der Gruppe unterwegs zu sein, sei darum auch ein Vorteil. Angst sei hingegen auf jeden Fall ein schlechter Ratgeber. «Kinder sollten den Mut haben, klar Nein zu sagen und sich von der Person zu entfernen.»

Auch wichtig sei, die Kinder auf Pünktlichkeit zu trimmen, damit man als Eltern rechtzeitig merke, wenn auf dem Schulweg etwas vorgefallen sein könnte. Weiter solle das Kind lernen, dass es gute und schlechte Geheimnisse gebe, damit es ohne Hemmungen über Vorkommnisse auf dem Schulweg sprechen könne. Zusätzliche Sicherheit auf dem Schulweg würden sogenannte Rettungsinseln geben. «Das kann ein Geschäft oder die Wohnung eines Verwandten am Schulweg sein, welche das Kind bei einem Notfall aufsuchen kann.»

Sollte es doch zu einem Vorfall kommen, solle unverzüglich die Polizei benachrichtigt werden. «Wir nehmen solche Meldungen sehr ernst, auch wenn aus den Äusserungen der Kinder nicht immer klar ersichtlich ist, ob die Person es wirklich in böser Absicht ansprach oder einfach nur nach dem Weg fragen wollte», sagt Erwin Gräni.

Zudem habe man nicht selten unterschiedlichste Aussagen, und die Personenbeschreibungen der Kinder gingen oft sehr weit auseinander. Er warnt auch vor Hysterie. Panikmache sei kontraproduktiv, das verängstige Eltern und Kinder gleichermassen. Insbesondere vor Aufrufen über Facebook und andere soziale Medien rät er deswegen ab.

Hinweis: Die Broschüre der Schweizerischen Kriminalprävention «Ihr Kind, alleine unterwegs – so schützen Sie es trotzdem!» ist abrufbar unter www.skppsc.ch.