Kolumne

Vorsicht vor Reiseblogs

Redaktor Philipp Unterschütz ärgert sich in seinem «Blitzlicht »über unzuverlässige Online-Empfehlungen.

Philipp Unterschütz
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Philipp Unterschütz.

Philipp Unterschütz.

Voll reingelaufen! Ist mir in all den Jahren auf meinen vielen Reisen noch nie passiert. Auf der letzten wars so weit. Nach zwei Tagen bin ich aus dem für sechs Tage gebuchten und bezahlten Hotel ausgezogen. Weil nichts war, wie versprochen. Geld natürlich flöten.

Die Unterkunft selber hatte eine Website. Dass sie von den da beworbenen schönen Zimmern nur gerade zwei hatten (die waren natürlich besetzt, als ich da war), störte offenbar kaum jemals andere Gäste.

Laut den Bewertungen auf der Hotelwebsite, auf Reiseblogs und anderen Portalen hatte ich nämlich eine der besten Unterkünfte auf der ganzen Insel Koh Payam in Thailand gebucht. Einer der Kommentarschreiber, dem Namen nach wohl ein Finne, betonte, er sei in fast allen Hotels auf der Insel gewesen und kenne sich bestens aus. Als ich ihn im Web zu fragen wagte, mit welchen Unterkünften er denn verglichen habe, wurde ich mit einer Tirade übelster Schimpfwörter eingedeckt. Getroffene Hunde bellen wohl. Der hatte für seine Lobhudelei wohl freie Unterkunft bekommen.

In einem anderen Blog lobte ein vielleicht «Reisebüro-Finanzierter» die Anreise auf die Insel ab dem romantischen Pier durch wunderschöne Mangrovenwälder. Ich dagegen habe noch kaum je eine so verdreckte Umgebung und einen derart zugemüllten Mangrovenwald gesehen. Das Wasser hat noch gestunken, als wir schon zwei Minuten auf offenem Meer waren. Bewertungen im Web sind noch weniger glaubhaft, seit es Influencer gibt, die sich dafür bezahlen lassen.