WAHLEN: Drei Männer wollen zweite Chance packen

Ein Trio buhlt um die zwei restlichen Sitze in der Regierung. FDP und CVP sind klare Favoriten. Die Grünen geben sich aber nicht kampflos geschlagen. Am 1. Mai findet dazu ein öffentliches Wahlpodium unserer Zeitung statt.

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Sie treten zum zweiten Wahlgang im Kanton Nidwalden an (von links): Alfred Bossard (57, FDP), Othmar Filliger (49, CVP) und Conrad Wagner (54, Grüne). (Bilder Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Sie treten zum zweiten Wahlgang im Kanton Nidwalden an (von links): Alfred Bossard (57, FDP), Othmar Filliger (49, CVP) und Conrad Wagner (54, Grüne). (Bilder Corinne Glanzmann / Neue NZ)

Auf dem Papier scheint der zweite Wahlgang für den Regierungsrat Nidwalden bloss Formsache zu sein. Für die noch zu vergebenden zwei Sitze kandidieren am 18. Mai mit Alfred Bossard (FDP) und Othmar Filliger (CVP) zwei Politiker, die das absolute Mehr im ersten Wahlgang nur knapp verfehlten. Auch dank ihrer Parteiherkunft besitzen sie beste Chancen, den Sprung im zweiten Anlauf zu schaffen. Auf der anderen Seite will der Grüne Conrad Wagner das Unmögliche doch noch möglich machen, obwohl er im ersten Urnengang am 23. März deutlich das Nachsehen und auf seine beiden Kontrahenten über 2000 Stimmen verloren hatte.

CVP und SVP: Angriff misslingt

Sollte indes alles den erwarteten Verlauf nehmen, so wird es der FDP gelingen, neben Yvonne von Deschwanden und Hans Wicki auch ihren letzten Trumpf ins Trockene zu bringen. Die Liberalen würden damit die stärkste Kraft im siebenköpfigen Regierungsrat bleiben, obschon sie im Vergleich der Wähleranteile faktisch hinter der SVP und der CVP liegen. Diese beiden Parteien sind es auch gewesen, die im ersten Wahlgang am Stuhl des dritten FDP-Sitzes gesägt hatten. Allerdings mit bescheidenem Erfolg. Martin Zimmermann als dritter SVP-Kandidat konnte die Erwartungen nicht erfüllen und landete abgeschlagen auf dem zweitletzten Platz. Der SVP-Fraktionschef sagte hinterher: «Der Hauptgrund meiner Kandidatur war, den Wahlkampf für den Landrat anzukurbeln.» Dies sei seiner Partei mit dem guten Ergebnis gelungen.

Entscheid sorgt für Zwist

Ihr Ziel, einen dritten Sitz zu holen, verfehlte auch die CVP. Mehr noch: Sie muss um die Verteidigung ihres zweiten Sitzes bangen. Dass Othmar Filliger (7293 Stimmen im ersten Wahlgang) und nicht der Bisherige Alois Bissig (7102) am 18. Mai die Kohlen aus dem Feuer holen soll, sorgte parteiintern für Zündstoff. Bissig kritisierte jüngst an der CVP-Delegiertenversammlung (Ausgabe vom Samstag) das Vorgehen des Vorstandes. Er fühle sich im Stich gelassen. Man hätte dem Volk die Wahl überlassen und beide nochmals ins Rennen schicken sollen. Für den Vorstand wäre bei dieser Konstellation indes das Risiko zu hoch gewesen, den zweiten Sitz zu verlieren.

Mit solchen Personalproblemen mussten sich die Grünen nicht herumschlagen. Bei der Linkspartei stellte sich schon eher die Frage, ob sie grundsätzlich nochmals antreten soll, nachdem Conrad Wagner im ersten Wahlgang die rote Laterne gefasst hatte. Schliesslich aber wurde der Aspekt, den Stimmberechtigten eine Auswahl zu bieten und stille Wahlen zu verhindern, höher gewichtet. Zudem halten die Grünen nicht zuletzt aufgrund ihres gesteigerten Wähleranteils an der Forderung fest, dass in der Regierung alle politischen Richtungen vertreten sein sollten.

Sie können sich zurücklehnen

Im ersten Wahlgang hatten Ueli Amstad, Res Schmid (beide SVP), Yvonne von Deschwanden, Hans Wicki (beide FDP) sowie die neu angetretene Karin Kayser (CVP) das absolute Mehr erreicht.

Öffentliches Wahlpodium zur Nidwaldner Regierungsratswahl

Unsere Zeitung organisiert am Donnerstag, 1. Mai, um 19.30 Uhr ein öffentliches Wahlpodium mit allen drei Kandidaten. Türöffnung im Pestalozzisaal in Stans ist um 19 Uhr. Unter der Gesprächsleitung von Markus von Rotz, Redaktionsleiter der Neuen Nidwaldner / Obwaldner Zeitung diskutieren Alfred Bossard (FDP), Othmar Filliger (CVP) und Conrad Wagner (Grüne).

Es stehen keine Parkplätze beim Schulzentrum Pestalozzi zur Verfügung (Stanser Musiktage). Auch die weiteren öffentlichen Parkplätze und das Bahnhofparking sind stark belegt. Anreise mit ÖV oder Benutzung der Parkplätze auf dem Gemeindeplatz.

Ein Bankfachmann durch und durch

Der 57-jährige Alfred Bossard (FDP) führt seit vielen Jahren als Bankleiter die Raiffeisenbank Vierwaldstättersee-Süd. Der Vater von drei erwachsenen Kindern ist in Ennetbürgen geboren und lebt in Buochs. Politisch bringt er viel Erfahrung mit, sass er doch von 2002 bis 2010 im Landrat, im Amtsjahr 2008/09 präsidierte er das Kantonsparlament. Zudem wirkte Bossard ebenfalls während acht Jahren im Gemeinderat der Gemeinde Buochs mit.

1. Wahlgang: Alfred Bossard erzielte mit 7347 Stimmen den sechsten Platz unter zehn Kandidaten. Er verpasste das absolute Mehr und damit die Wahl nur um 138 Stimmen.

Rechte Hand der Regierungskonferenz

Othmar Filliger führt seit 2012 die CVP Nidwalden als Parteipräsident. Er ist in Ennetmoos aufgewachsen und lebt heute mit seiner Familie in Stans. Er hat in Freiburg das Wirtschaftsstudium mit dem Doktorat abgeschlossen. Der 49-Jährige ist seit elf Jahren als Sekretär der Zentralschweizer Regierungskonferenz tätig, was ihm beruflich einen grossen Bezug zur Politik gebracht habe, schrieb seine Partei vor dem ersten Wahlgang in einer Medienmitteilung. Zu seinen Hobbys gehören Fussball, Biken, Tennis, Skifahren, Lesen und Jassen.

1. Wahlgang: Othmar Filliger erreichte mit 7293 Stimmen den siebten Platz unter zehn Kandidaten.

Ein Kenner der Mobilitätsszene

Der Grüne-Landrat Conrad Wagner sitzt seit 2006 im Kantonsparlament. Der 54-jährige Stanser ist verheiratet und hat einen Sohn. Wagner hat ein Studium in Pädagogik und
Psychologie absolviert und sich als Mobilitätsfachmann einen Namen gemacht. So war er Gründer der Autoteilet-Genossenschaft, die 1997 in die Mobility überging. Zudem half er mit, die Unterwaldner Sektionen des WWF und des VCS aufzubauen. Er ist an der ZHAW in Winterthur Fachreferent für den Studiengang Verkehrssysteme.

1. Wahlgang: Conrad Wagner
belegte mit 5203 Stimmen den letzten Platz unter zehn Kandidaten.