Wahlkarussell dreht sich ohne Bossard

Alfred Bossard will nicht für den Nationalrat kandidieren. Die FDP Nidwalden treibt die Suche nach Kandidaten weiter voran. Mitte Juli soll der Kandidat feststehen.

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Die Information war kurz und knapp gestern Morgen: FDP-Kantonalpräsident Ruedi Waser teilte mit, dass sich Alfred Bossard aus privaten und beruflichen Gründen entschieden habe, nicht für den Nationalrat zu kandidieren. Der Buochser war in den letzten Wochen als Favorit für die FDP-Nationalratskandidatur gehandelt worden. «Da wurde extern mehr daraus gemacht als bei uns intern in der Geschäftsleitung», sagt Ruedi Waser im Gespräch mit unserer Zeitung. «Wir konnten nie bestätigen, dass er tatsächlich als Kandidat zur Verfügung steht.» Natürlich wäre er ein guter Kandidat gewesen, so Waser, doch sei es legitim, dass er sich anders entschieden habe.

Wahlausschuss an der Arbeit

Waser: «Wir werden sicher einen guten Kandidaten haben. Mitte Juli möchten wir ihn präsentieren.» Nach wie vor plant die FDP-Geschäftsleitung, dem Nominationsparteitag von Mitte August eine Einerkandidatur vorzulegen. Laut Waser sei man im Moment dabei, mögliche Kandidaten anzusprechen. Der fünfköpfige Wahlausschuss sei an der Arbeit, die Frist läuft bis Mitte Juni. «Wir haben schon noch Kandidierende», meint Ruedi Waser. Fünf seien es bis jetzt, er habe noch von einem sechsten gehört.

Einer von ihnen ist der Beckenrieder Rechtsanwalt German Grüniger. «Ich habe mich grundsätzlich dafür entschieden, vor dem Wahlausschuss anzutreten.» Dies allerdings unter dem Vorbehalt, dass er noch im privaten und im beruflichen Umfeld Abklärungen treffen müsse. «Und ich will zuerst auch noch mit meiner Ortspartei sprechen», sagt der Vizepräsident der FDP Nidwalden. Grüniger hatte ursprünglich auf eine Kandidatur verzichtet. Aufgrund der neuen Ausgangslage und zahlreicher Gespräche innerhalb und ausserhalb der Partei sei er nun auf diesen Entscheid noch einmal zurückgekommen. Der Rückzug Bossards sei unerwartet gekommen, sagt Grüniger. Man sei davon ausgegangen, dass er die Zusage gegeben habe. «Es würde nicht der Tatsache entsprechen, wenn ich behaupte, dass wir nicht überrascht sind.»
Tschopp kommt auf Verzicht zurück

«Mit Bossard hätten wir einen sehr guten Kandidaten gehabt», sagt der Ennetbürger Landrat Heinz Risi. Auf die Frage nach einer eigenen Kandidatur sagt Risi, vor vier Jahren habe das mehr Priorität gehabt als heute. Damals war Risi in der parteiinternen Ausmarchung Edi Engelberger unterlegen.

«Das ist jetzt auch für mich eine neue Ausgangslage», meint Risi. Er wird sich ebenfalls dem Wahlausschuss stellen. «Das braucht aber noch einige Vorabklärungen.» Insbesondere beruflich wäre das Nationalratsamt eine völlige Neuorientierung, und es bräuchte unter anderem Gespräche mit dem Arbeitgeber. «Wenn ich nominiert werde, dann will ich zu 100 Prozent bereit sein», hält Risi fest.

Auch Landratspräsident Karl Tschopp ist wieder im Gespräch. Er hatte zunächst zu Gunsten von Bossard verzichtet. «Die Parteileitung hat sich bei allen gemeldet, die zur Diskussion standen, jedoch verzichtet hatten. Ich werde mich dem Wahlausschuss stellen.» Zu Bossards Verzicht meint Tschopp, man müsse immer mit so etwas rechnen. Doch nach der Zusage im Januar «ging es doch relativ lange, bis das Nein gekommen ist».

Dem internen Wahlverfahren der FDP will sich auch der Buochser Landrat, Baumeister und Unternehmer Bruno Duss stellen. «Die neue Lage hat wieder einige Gespräche und Gedanken ausgelöst», so Duss.

An der gestrigen Parteiversammlung beschäftigte sich die FDP-Ortspartei Buochs mit der neuen Situation. Die Mitglieder nominierten denn auch den 53-jährigen Buochser Landrat. Bruno Duss ist Geschäftsführer der Duss Baumanagement AG.

«Nehme es auf meine Kappe»

Alfred Bossard bestätigt gegenüber unserer Zeitung, dass ihn in erster Linie private Gründe zu seinem Rückzug aus dem Wahlrennen bewogen hätten. «Im Januar habe ich der Partei intern signalisiert, dass ich mir eine Kandidatur vorstellen könnte. Das ist eine Tatsache.» Er habe aber auch gesagt, dass er sich erst im Mai nach seiner dreimonatigen Auszeit damit auseinandersetzen könne. «Dies war eventuell ein Fehler, und dies nehme ich auf meine Kappe.» Er habe vor der Belastung grossen Respekt und möchte seine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen.

Ebenfalls nicht für den Nationalrat kandidiert der Ennetbürger Rechtsanwalt Marc Blöchlinger. Trotz einer neuen Ausgangslage habe er sich nach reiflicher Überlegung dagegen entschieden, schreibt er in einer Medienmitteilung.

Martin Uebelhart