Wärmeverbund heizt im Niederdorf ein

Ölheizungen sollen im Stanser Niederdorf bald ausgedient haben. Die Korporation will ihren Heizverbund ausdehnen.

Matthias Piazza
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Auch die Untere Spichermatt in Stans soll an den Wärmeverbund angeschlossen werden.

Auch die Untere Spichermatt in Stans soll an den Wärmeverbund angeschlossen werden.

(Bild: Matthias Piazza) 

Heizöl beherrscht das Stanser Niederdorf. Die meisten der 90 Häuser im Gebiet Untere/Obere Spichermatt, Eichli und Kohlgraben heizen noch mit dem fossilen Brennstoff. Doch das ist nur eine Lösung auf Zeit. Das kantonale Energiegesetz, das nun in der Vernehmlassung ist und auf der Energiestrategie 2050 des Bundes fusst, verbietet ab 2050 Ölheizungen. Diese Entwicklung hat der Stanser Gemeinderat vorausgesehen und darum einen Wärmeverbund im Niederdorf initiiert. «Wer jetzt noch eine Ölheizung anschaffen will, sollte sich das gut überlegen», sagte Gemeinderat Lukas Arnold am Dienstag an der Infoveranstaltung vor rund 100 interessierten Hausbesitzern des Niederdorfs.

Nach guten Erfahrungen im Gebiet Untere Kniri und Tellenmatt soll auch das Niederdorf baldmöglichst in den Genuss dieser ökologischen Heizung kommen. Die Resonanz einer ersten Befragung zum Thema stimmt ihn positiv. Demnach stehen gegen 80 Prozent der angefragten Liegenschaftsbesitzer positiv dem Wärmeverbund gegenüber. Bleiben sie dabei, wären künftig 70 der 85 Häuser am Verbund angeschlossen. «Das würde jährlich gegen 250000 Liter Heizöl einsparen», erklärte Lukas Arnold. Die Idee einer Holzschnitzelheizung im Quartier wurde verworfen.

Genossenkorporation als erfahrener Partner

Stattdessen entschied sich die Gemeinde, das Projekt in die Hände der Genossenkorporation Stans zu geben, einem Partner, der auf dem Gebiet schon über zehn Jahre Erfahrung hat. Seit 2007 liefert die Heizzentrale in Oberdorf Wärme für zahlreiche Gebäude in der Region. So werden auch die Pilatus-Flugzeugwerke, der Waffenplatz Wil und die Ruag in Stans durch den Wärmeverbund beheizt. Auch die Korporation Ennetbürgen schliesst sich an den Verbund an. Bis 2021 soll so ein Viertel der Ennetbürger Haushalte beheizt werden. «Um das Niederdorf mit Wärme zu versorgen, ist auch eine Kapazitätserhöhung in der Zentrale in Oberdorf nötig», erklärte Genossenrat Urs Gut, der von der Genossenkorporation für das Projekt zuständig ist. Beheizt werden die Waldholzöfen mit Holz aus der Region, welches durch die korporationseigene Forstgruppe geliefert wird. Bisher werden im Kanton Nidwalden rund zwei Drittel des nachwachsenden Nutz- und Energieholzes geschlagen, sodass noch genügend Ressourcen vorhanden seien.

Markus Dittli von der Urner Oeko Energie AG, welche mit der Projektierung des Wärmeverbundes beauftragt ist, strich die verschiedenen Vorteile dieses Verbundes, der mit einem geschlossenen Wasserkreislauf funktioniert, hervor. «Das System ist ökologisch und platzsparend. Ausser der Zuleitung ins Gebäude und dem Einbau einer Unterstation sind keine Installationen nötig.»

Keine grossen Preisschwankungen

Auch finanziell rechne sich Heizen über den Wärmeverbund längerfristig. «Bei einem zwanzigjährigen Vertrag werden Ihnen während dieser Zeit keine zusätzlichen Kosten abgewälzt, die für Reparaturen oder Erneuerungen beim Leitungsnetz oder Heizkraftwerk anfallen.» Als Plus hob Dittli zudem die Preisstabilität hervor. So seien die Kosten für den Fernwärmebezug seit über zehn Jahren ziemlich konstant, während jene für Heizöl starken Schwankungen unterworfen seien.

Sollte es der Genossenkorporation gelingen, bis im Februar die interessierten Hausbesitzer auch tatsächlich ins Boot zu holen, will sie im Frühling die Kosten ermitteln und den Planungskredit vor die Genossengemeinde bringen. Gibt die Versammlung ein Jahr später dem Baukredit grünes Licht, soll ab Herbst 2022 aufgeheiztes Wasser im Niederdorf für warme Wohnungen sorgen.

Auch in Engelberg ist ein Wärmeverbund geplant: