Warum tue ich mir das an?

Adrian Venetz in seinem Blitzlicht zu seiner Rückkehr zur «Obwaldner Zeitung».

Adrian Venetz
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Adrian Venetz.

Adrian Venetz.

Zweieinhalb Jahre nach meiner Kündigung bei der Obwaldner Zeitung lasse ich einen Job in der Privatwirtschaft sausen und kehre zurück. Zurück an jenen Ort, wo mehr Freizeit und Lohn wieder flöten gehen. Wo keine Stempeluhr steht, die jede Arbeitsminute zählt und mich munter und sorglos in den Feierabend entlässt, während auch im Winter draussen noch die Sonne scheint. Was bin ich bloss für ein Idiot!

Ich geb’s offen zu: Diese Gedanken gingen mir in den vergangenen Monaten mehrmals durch den Kopf. Nicht hilfreich waren einige Reaktionen aus dem Umfeld: «Was? Wieder zur Zeitung? Bist du nicht ganz bei Trost?» Als ob ich selbst nicht wüsste, wie stürmisch der Wind dort weht. Als ob ich selbst nicht sähe, wie Journalisten links und rechts entnervt den Bettel hinschmeissen und sich einen anderen Job suchen. Oder suchen müssen, weil die Erträge schlicht nicht mehr reichen, um sie zu bezahlen.

Und ich Idiot habe wieder einen Arbeitsvertrag mit der Zeitung unterschrieben. Nun kommen sie wieder, die unregelmässigen Arbeitszeiten. Die ständigen Fragen, wie der Journalismus der Zukunft wohl aussehen mag und wie er rentieren kann. Die ungesunden Arbeitstage voller Koffein und Nikotin. Nun kommen sie wieder, die Abende, an denen man kaum ein Wort mehr lesen, geschweige denn schreiben mag, sich müde daheim aufs Sofa legt, der Kopf aber trotzdem nicht zur Ruhe kommt, weil sich zu viele Gedanken aus dem Tageswerk darin verfangen haben. Was bin ich bloss für ein Idiot! Warum tue ich mir das an? Warum liebe ich diesen Job so sehr?