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Was, wenn die Schweiz 1000-jährig wird? Nid- und Obwaldner wirken bei Buch mit

Wie sehen Sie die Schweiz am 1000. Geburtstag? Ein Buch mit Beiträgen auch aus Ob- und Nidwalden soll zum Nachdenken, Schmunzeln und Diskutieren einladen. In Vorfreude auf ein rauschendes Geburtstagsfest in 273 Jahren.
Markus von Rotz
Ein Wandgemälde im Bundesbriefmuseum Schwyz zeigt den Rütlischwur 1291. Es war die Geburtsstunde der Schweiz. (Bild: Boris Bürgisser)

Ein Wandgemälde im Bundesbriefmuseum Schwyz zeigt den Rütlischwur 1291. Es war die Geburtsstunde der Schweiz. (Bild: Boris Bürgisser)

«Weil Berner bekanntlich etwas langsam sind, beginnen wir mit der Vorbereitung bereits heute», schreiben die Macher des Buchs Schweiz2291 (siehe Kasten). Sie wollen damit den Boden schaffen für ein fröhliches Fest zum 1000. Geburtstag unseres Landes. Auch Landrat Conrad Wagner und Publizist Hans Peter Graf wagten sich an einen Beitrag. Die Zusammenarbeit entstand spontan: Die beiden Nidwaldner machen im Buch den E-Mail-Verkehr, den sie zum Thema führten, öffentlich. Die Schweiz solle die nächsten 273 Jahre nutzen, um die technische Entwicklung zu akzeptieren und gleichzeitig immer den Dialog über die Entwicklung unseres Verhaltens zu führen, sagt Mobilitätsplaner Wagner. Verhinderung und Protektionismus nützten nichts. Sein Beitrag steht unter dem Titel «mehr Mobilität, weniger Verkehr». Dass der Verkehr abnehme, lasse sich nicht realisieren, meint Wagner, allein schon wegen der gesteigerten Zahl an Fahrten und der verlängerten Distanzen. «Wir investieren laufend in die Verkehrsinfrastruktur, die Motoren werden effizienter, allerdings wird der Effekt durch grössere und schwerere Autos wieder zunichtegemacht. Die Fahrfähigkeit steigt, die Autos reden vermehrt via Internet miteinander, später tun sie das auch mit den Velos, die Technik wird uns die ideale Nutzung des Strassenraums erleichtern, sodass nicht mehr jedes Verkehrsmittel seine eigenen Strassen braucht. Unser Verkehrsverhalten wird vielfältiger, flexibler und spontaner.»

Mobilitätsplaner Conrad Wagner. (Bild Roger Zbinden (Stans, 28.Februar 2016))

Mobilitätsplaner Conrad Wagner. (Bild Roger Zbinden (Stans, 28.Februar 2016))

Wir bringen hier einen stark gekürzten Auszug der Zeilen von Wagner und Graf:

«Lieber Conrad, schauen wir einfach mal kurz zurück. Vor 273 Jahren war 1745, die Elektrizität noch nicht erfunden. Pferd und Wagen waren die Mittel individueller Mobilität. Kommuniziert wurde mit Höhenfeuern, auf Marktplätzen wurde verkündet, was König, Kaiser und Grafen von ihren Untertanen erwarteten. Die Entwicklungsgeschichte hat sich in der Zwischenzeit keinen Deut gemässigt oder verlangsamt. Sie hat sich vielmehr in atemberaubendem Tempo ‹akzeleriert›. Wer will da wagen, sich geistig ins Jahr 2291 zu begeben. Und sich ausspinnen, wie dannzumal die Menschen leben, den Tag verbringen, sich fortbewegen. Wird es um die Erde noch eine schützende Schicht namens Atmosphäre geben? Oder werden wir ausserhalb von luftdichten Wohneinheiten nur noch mit einem Raumanzug reisen?»

Publizist Hans Peter Graf. (Bild: PD)

Publizist Hans Peter Graf. (Bild: PD)

«Lieber Hans Peter, schauen wir einfach mal kurz nach vorne. Wir wechseln vom Heissluftballon in Paris zum ausgebauten zivilen Flugnetzwerk weltweit, zum alldurchdringenden globalen Strassennetz mit Autos, bald schon automatisierten ohne Menschen am Steuerrad. Mit bald fünf Millionen Autos auf Schweizer Strassen, bei einem durchschnittlichen Preis von 20000 Franken, sind das hundert Milliarden vorinvestiertes Kapital. Der Auto-Konsument kann nicht sofort zum Beispiel ein Elektroauto erwerben. Es gilt bestehende fünf Millionen Autos über 10 bis 15 Jahre zu nutzen. Viele versuchen, das Verkehrsverhalten zu beeinflussen: Schule, Unternehmen, Immobilienentwickler, Städte. Doch keiner kann uns zu einem bestimmten Verhalten zwingen. Neues Verkehrsverhalten mündet in einem Lebensstil der Bescheidenheit, wo sich die Verkehrsnachfrage verringert. Doch unsere Marktwirtschaft ist dafür nicht geschaffen. Daher wird auch das Velo für den schnellen Sportler und die alternden Alten noch mit Motor ausgerüstet. Wir werden noch mehr Mobilität erringen. Diese so hoffentlich weiterhin positive Errungenschaft Mobilität wird sicher aber noch mehr Verkehr generieren. Das wette ich mit dir.»

«Hallo Conrad, 2291 werden wir mehr oder weniger ein trauriges 300-Jahr-Jubiläum begehen. Denn 1991 (genau 1990 bis 1992) publizierte man beim Weltklimarat in Genf sehr alarmierende Feststellungen über die Erderwärmung unter dem Einfluss von CO2 und den Folgen für Klima, Menschen und Umwelt. Zurzeit beschäftigt die Frage der transkontinentalen Migration vor allem Europa. De facto realisiert man bei einer Lektüre der IPCC-Reports (Bericht des zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen, Red.), dass die Folgen des Klimawandels und der Erderwärmung die sozial untersten Schichten auf allen Kontinenten überdurchschnittlich treffen werden und die Flucht aus Afrika wahrscheinlich erst ein schwacher Vorbote dessen ist, was uns noch blühen wird.

Sollte es bei den Gesetzgebern nicht tagen, werden die Einwirkungen einer weiterhin vorwiegend auf Verbrennung fossiler Treibstoffe basierenden Mobilität – mit allen weiteren menschlichen Aktivitäten, welche eine Zunahme der Treibhausgase nach sich ziehen – weitaus dramatischer sein, als wir uns das heute vorstellen können. Unter der Annahme, dass es ‹tagt›, vermute ich rückblickend von 2291, dass wir dann hoffentlich auf das radikale und weltweite Verbot der Energienutzung durch die Verbrennung fossiler Energieträger zurückblicken können.»

Zwei Obwaldner und drei Nidwaldner schrieben mit

70 Persönlichkeiten beschreiben im Buch Schweiz2291, das am Donnerstag in Bern vorgestellt wurde, ihr Land an dessen 1000. Geburtstag. Es geht um Fragen, wie wir dannzumal leben, was uns antreibt, welchen Fortschritt wir (nicht) wollen. Sie tun das in Prosa, als Gespräch, Briefwechsel oder Jodellied.
Aus Ob- und Nidwalden haben fünf Personen mitgearbeitet: Conrad Wagner, Grüne-Landrat und Mobilitätsplaner, Stans, Hans Peter Graf, Publizist, Soziologe und Psychologe, Stansstad (siehe Hauptbeitrag), ferner der Lungerer Bildhauer, Musiker und Filmemacher Luke Gasser, der aus Sarnen stammende Zukunftsforscher Georges Roos und die Extrembergsteigerin Evelyne Binsack, früher Hergiswil. Mit Crowd­founding wollen die Initianten zudem schweizweite Generationendialog-Anlässe sowie Kurzfilme finanzieren lassen. (mvr)

Das 336 Seiten starke Buch ist für 57 Franken im Buchhandel erhältlich. Weitere Infos zum Projekt auf www.schweiz2291.ch.

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