Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

WEGGIS: «S Ganders» aus Amerika geben den Takt vor

Der Nidwaldner Herbert Gander (54) zog vor 26 Jahren in die USA und blieb hängen. Grund war die Liebe – und seine spezielle Verbindung zur Ländlermusik.
Monika Van De Giessen
Vereint durch die Ländlermusik: Mitchell Gander, Ronnie Scheiber, Herbie Gander, Bobby Gander (von links). (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Vereint durch die Ländlermusik: Mitchell Gander, Ronnie Scheiber, Herbie Gander, Bobby Gander (von links). (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Am 12. Heirassa-Festival, das heute zu Ende geht, gabs Besuch aus den USA. Von der Ländlerkapelle Scheiber-Gander. Kenner der Szene wissen: Wenn die Ganders aus Amerika auftreten, ist nicht Country-, Western- oder Honky-Tonky-Musik angesagt. Vielmehr wird traditionelle Ländlermusik im typischen Innerschweizer Stil mit Akkordeon, Klarinette, Klavier und Kontrabass interpretiert. Das kommt nicht von ungefähr. Herbert Gander – er nennt sich, ganz America- like, Herbie – ist der Sohn des legendären Volksmusikers Chaschbi Gander aus Beckenried. Dass Herbie Gander nun für das Festival nur auf Besuch in der Schweiz ist, hat einen Grund: die Liebe.

Herbie Gander lernte seine Frau, Cindy Scheiber, anlässlich einer Amerika-Tournee mit Alois Schilliger kennen. 1990 hat der Beckenrieder in Sacramento (Kalifornien) seine Cindy geheiratet. Alois Schilliger sei sehr gut mit Ronnie Scheiber befreundet gewesen. Das erklärt auch, dass Schilliger immer wieder mit verschiedenen Formationen auf Amerika-Tournee ging. Alois Schilliger (1924–2004) ist der Komponist der legendären Heirassa-Polka. Das Heirassa-Festival erinnert nun an den Weggiser Musiker, Komponisten, Künstler und Lebenskünstler Schilliger.

Eine Amerika-Tournee mit Folgen

Schilliger war der Auslöser, dass Herbie Gander in Amerika hängen blieb. «Es war immer ein Erlebnis, mit Schilliger aufzutreten», erinnert sich Gander. Langeweile sei nie aufgekommen – schon gar nicht an den Abenden. «Was Schilliger hässig machte, war langsames Servierpersonal», sagt der gebürtige Nidwaldner. Als Komponist sei Schilliger ein Genie gewesen. «Musikalisch habe ich viel von ihm gelernt.» Auf der Amerika-Tournee wurde vor allem an Schwingfesten und bei Schweizer Klubs aufgespielt. Herbie Ganders Schwiegervater, Ronnie Scheiber-Kastlunger (78), stammt aus dem Kanton Uri. Der Grossvater ist im Jahr 1892 aus Schattdorf mit 17 Geschwistern in die USA ausgewandert. Ronnie Scheiber ist mit Vreni Kastlunger verheiratet. Ihre Eltern stammen aus Sarnen und Immensee.

Herbie Gander, der Amerikaner mit Schweizer Wurzeln, fühlt sich wohl im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. «Es gibt meiner Meinung nach kein anderes Land der Welt, wo man sich als Ausländer voll als Staatsbürger fühlt», sagt er. Dies habe wohl etwas mit dem Ursprung und den Eigenheiten dieses Landes zu tun. Gander hat zwei Söhne, Mitchell (18) und Bobby (16). Beide haben sich der Ländlermusik verschrieben. Mitchell, der ein College besucht, ist aber nicht nur ein erfolgreicher Klarinettist und Akkordeonist. Mit grossem Erfolg züchtet er auf seiner eigenen Plantage Kürbisse. «Im letzten Jahr gewann er mit seinem Kürbisunternehmen den ersten Platz in der Kategorie Gemüseproduktion des gesamten Staates Kalifornien», sagt der stolze Vater. Der 16-jährige Oberstufenschüler Bobby wiederum spielt in der Kapelle Gander-Scheiber Klavier. Nebenbei macht er sich als Schafzüchter einen Namen.

Am Heirassa-Festival war die Familienkapelle Gander-Scheiber zusammen mit Vater und Grossvater ­Chaschbi Gander auf der Bühne. «Zum Glück ist unser Dädi noch so gut zwäg, sodass wir miteinander spielen dürfen», sagt Herbie Gander. Dass drei Generationen gemeinsam auftreten, sei schon sehr speziell.

Was er vermisst – Cervelat mit Brot

Herbie Gander ist in den USA Regionalvertreter einer Schweizer Firma. Heimweh im eigentlichen Sinn habe er nicht. Man sei heute durch das Internet und das Fliegen viel näher und schneller zusammengerückt. Doch was vermisst der Doppelbürger in den USA am meisten? «Cervelat mit Brot», sagt Gander kurz und bündig und lässt es sich nicht nehmen, dem OK des Heirassa-Festivals ein Kränzchen zu winden. Es sei unglaublich, dass das Festival bereits zum 12. Mal durchgeführt werde und an Qualität nichts eingebüsst habe, so Gander. «Wir schätzen es sehr, dass wir am Heirassa-Festival dabei sein dürfen.»

Noch bis am 19. Juni weilt Gander in der Schweiz. Er erzählt, dass er gerne «z Bärg» gehe. «Dieses Mal sind die Mythen an der Reihe, und eine Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee verpassen wir auch nicht.»

Monika van de Giessen

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.