«Weisch nu?» Ennetmoos spielte Vorreiterrolle

Vor zehn Jahren schaffte Ennetmoos die Schulgemeinde ab – als erste Gemeinde. Das Modell machte Schule.

Matthias Piazza
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Am 7. März 2010 haben die Ennetmooser an der Urne die Schulgemeinde beerdigt. Mit 65 Prozent stimmten sie der neuen Gemeindeordnung zu. Schulrat und Schulgemeinde wurden im Juni selben Jahres aufgelöst, das Schulwesen in die politische Gemeinde integriert und dem Gemeinderat politisch unterstellt. Der fürs Schulwesen zuständige Gemeinderat präsidiert gleichzeitig die dreiköpfige Schulkommission, welche etwa die Lehrer anstellt. Ennetmoos spielte in Nidwalden eine Vorreiterrolle. Sie war kantonsweit die erste Gemeinde, welche den Schritt zur Einheitsgemeinde vollzog – gegen den Willen des Schulrates. Er hatte unter anderem Bedenken, dass das Schulwesen an Bedeutung verliert. Der Gemeinderat hatte sich für den Zusammenschluss ausgesprochen.

Aus Sicht von Gemeindepräsident Stefan von Holzen war der Entscheid richtig, die Befürchtungen des Schulrates seien nicht eingetroffen, im Gegenteil. «Die Schulkommission kann sich nun ganz um die pädagogischen Belange kümmern und ist von anderen Dingen wie zum Beispiel dem Erstellen von Vernehmlassungen, welche nicht die Schule betreffen oder finanzielle Aspekte wie Buchhaltung Schulrechnung oder mit Aufgaben und Projekten im Bauwesen, welche die Schulliegenschaften betreffen, entlastet.» Man habe Abläufe verbessern und Doppelspurigkeiten beseitigen können. Die anfängliche Skepsis sei rasch verflogen, erinnert sich Stefan von Holzen, der die Zusammenführung mit den vorangehenden Kontroversen als aktiver Gemeinderat mitgestaltete und erlebte.

Das Schulhaus Morgenstern in Ennetmoos.

Das Schulhaus Morgenstern in Ennetmoos.

Bild: Matthias Piazza (5. März 2020)

So sah es in den anderen Gemeinden aus

Das Ennetmooser Modell machte Schule. Im September 2010 beschlossen die Stanser an der Urne mit 58 Prozent ebenfalls, das Schulwesen in die politische Gemeinde zu integrieren. Am 1. August 2012 war die Schulgemeinde 135 Jahre nach ihrer Gründung Geschichte. Im selben Jahr wechselte auch Hergiswil auf die Einheitsgemeinde. Ein Jahr später folgten Ennetbürgen, Beckenried und Hergiswil, im Jahr 2014 Dallenwil und Buochs. Mit der Einheitsgemeinde liebäugelten auch die Emmetter. Mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 53 Prozent gaben sie dem Gemeinde- und Schulrat im November 2013 den Auftrag, einen Entwurf für eine neue Gemeindeordnung zu erarbeiten. Es blieb beim Entwurf. Von einer Zusammenlegung der beiden Körperschaften wollten sie schliesslich doch nichts wissen. 2015 verwarfen sie eine entsprechende Vorlage mit 239 Nein- zu 228 Ja-Stimmen.

Auch die Stansstader machten einen Rückzieher. Nachdem sie dem Gemeinde- und Schulrat den Auftrag zur Ausarbeitung einer gemeinsamen Gemeindeordnung erteilt hatten, lehnten sie die Fusion im September 2013 schliesslich ab. Die Wolfenschiesser sagten im selben Jahr bereits zum ersten Schritt in Richtung Einheitsgemeinde Nein. Und die Oberdorfer verwarfen im Juni 2016 mit einer denkbar knappen Mehrheit von 50,42 Prozent den Antrag der FDP Oberdorf, den Entwurf für eine neue Gemeindeordnung zu erarbeiten. Es war der zweite Anlauf. Im November 2013 lehnten die Oberdorfer an der Gemeindeversammlung ein entsprechendes Begehren der CVP ab.

Nun ist wieder Bewegung in die Sache gekommen. In Wolfenschiessen steht die Abschaffung der Schulgemeinde wieder zur Debatte. Der Gemeinde- und Schulrat sollen innerhalb eines Jahres eine neue Gemeindeordnung ausarbeiten, um die Schulgemeinde und die politische Gemeinde zusammenführen. Diesen Antrag haben im Februar zwei Bürger eingereicht. Stimmen die Wolfenschiesser am 17. Mai diesem Antrag zu, werden sie voraussichtlich ein Jahr später über die Fusion befinden. Schafft die Vorlage auch diese Hürde, ist die Schulgemeinde auch in Wolfenschiessen ab Sommer 2022 Geschichte. Auch Emmetten nimmt wieder einen Anlauf. Gemeinde- und Schulrat sprechen sich für die Zusammenführung der beiden Körperschaften aus, um die knappen personellen und finanziellen Ressourcen zu bündeln, wie sie Mitte Februar mitteilten. Eine Arbeitsgruppe macht nun eine erste Auslegeordnung. Sie soll als Grundlage für das weitere Vorgehen dienen.

Das machte im März 2010 auch noch Schlagzeilen

  •  Schwimmende Strasse auf dem Vierwaldstättersee Die Notbrücke zwischen Hergiswil und Stansstad nimmt Gestalt an. Ein erstes, 120 Meter langes Segment der Brücke wird mit einem Schiff aus dem Alpnachersee unter der Achereggbrücke hindurch der Achereggbrücke hindurch in den Vierwaldstättersee geschoben und beim Brückenkopf an der Kantonsstrasse platziert. Der Bau der Brücke wurde notwendig, weil nach den Steinschlägen vom Oktober 2009 im Gebiet Reigeldossen weitere instabile Felspartien im Umfang von mehreren hundert Kubikmetern festgestellt worden waren.
  • Länderpark erhält Konturen Der Umbau des Länderparks ist im März 2010 zwar noch in vollem Gange. Nun erhalten die Kunden aber einen Vorgeschmack auf den neuen Länderpark. Neun Läden öffnen an ihrem neuen Standort im fertiggestellten Teil ihre Tore, zudem wird ein Teil des Parkhauses eröffnet. Am 30. September 2010 ist der 150 Millionen Franken teure Umbau abgeschlossen.
  • SVP ist Wahlsiegerin Mit Res Schmid stellt die SVP neu zwei Nidwaldner Regierungsräte: Auch Ueli Amstad schafft das absolute Mehr im ersten Wahlgang. Die Grünen fliegen aus der Regierung. Claudia Dillier kann den Sitz des zurückgetretenen Leo Odermatt nicht beerben. Gewählt sind hingegen Gerhard Odermatt (FDP) und Hans Wicki (FDP). Yvonne von Deschwanden (FDP) und Alois Bissig (CVP) werden im zweiten Anlauf gewählt.
  • Rymann erhält ein Denkmal Ein grosser Trachtenmann steht beim Giswiler Bahnhof auf einem Sockel. Am 19. März 2010 wird diese Schacherseppli-Statue enthüllt. Sie erinnert an den am 10. September 2008 verstorbenen Ruedi Rymann, der mit dem Lied «Schacherseppli» Berühmtheit erlangte.