Weisch nu?
Vor zehn Jahren nahm der Verkehr auf der Seestrasse zwischen Hergiswil und Stansstad wieder Fahrt auf

Eineinhalb Jahre nach dem Felssturz kehrte am Lopper langsam wieder Normalität ein. Zuvor kamen eine Fähre und eine Pontonbrücke zum Einsatz.

Matthias Piazza
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Die Kantonsstrasse zwischen Hergiswil und Stansstad am Tag der Wiedereröffnung.

Die Kantonsstrasse zwischen Hergiswil und Stansstad am Tag der Wiedereröffnung.

Bild: Nidwaldner Zeitung (Stansstad, 13. Mai 2011)

Der 13. Mai 2011 geht wohl in die jüngere Verkehrsgeschichte Nidwaldens ein. Um 16 Uhr verlässt das letzte Fahrzeug die Pontonbrücke in Richtung Stansstad. Die Ampel in Richtung Hergiswil schaltet auf Grün. Die Bauabschrankung wird entfernt, und dann ist es so weit. Autos rollen wieder über die Kantonsstrasse, vorerst einspurig. Es ist das erste Mal seit eineinhalb Jahren.

Mit der Teileröffnung der Kantonsstrasse endete auch das Kapitel der Pontonbrücke. Während rund 13 Monaten stellte sie sicher, dass nebst dem Autoverkehr auch der Langsamverkehr von Hergiswil nach Stansstad gelangen konnte und umgekehrt, diente als Lebensader – und wurde vom lokalen Gewerbe geschätzt. Rund 5500 Autos passierten die 500 Meter lange und 2500 Tonnen schwere Notbrücke täglich. Der Einsatz einer Pontonbrücke für den Strassenverkehr war in der Schweiz eine Premiere. Diese 4,8 Millionen Franken teure Lösung war gemäss dem Bundesamt für Strassen (Astra) geglückt. Es hätte gemäss Astra auch keine Alternative gegeben, diese beiden Dörfer mit dem Langsamverkehr miteinander zu verbinden.

«Lopper-Stei-Brugg» wurde zu einem Publikumsmagnet

Eigentlich als Notlösung für den Lokalverkehr gedacht, entwickelte sich die «Lopper-Stei-Brugg» mit der Zeit gar zu einem Publikumsmagnet. Dazu trug auch das Schatzsuchespiel via GPS bei. Es ging darum, nur mit Kenntnis der geografischen Koordinaten eines Verstecks (und eines GPS-Gerätes) einen Schatz zu finden. Sogar aus Deutschland reisten Schnitzeljäger an.

Der Anlass für diese innovative Verkehrsumleitung auf dem Vierwaldstättersee war allerdings ein dramatischer. Am 12. Oktober 2009 lösten sich 40 Kubikmeter Steine – dies entspricht rund 100 Tonnen – am Lopper und donnerten auf die Kantonsstrasse herunter. Sie krachten auf die Motorhaube eines Autos. Der Autofahrer kam mit dem Schrecken davon. Ein Revierförster, der im Steinschlaggebiet arbeitete, wurde schwer verletzt. Die Seestrasse wurde gesperrt.

Das Lastschiff Lopper transportierte Fussgänger, Velos und Töfflis zwischen Hergiswil und Stansstad.

Das Lastschiff Lopper transportierte Fussgänger, Velos und Töfflis zwischen Hergiswil und Stansstad.

Bild: Nidwaldner Zeitung (14. Oktober 2011)

Sperrung war für Stansstad einschneidend

Beat Plüss war auch damals schon Gemeindepräsident von Stansstad. Seine erste Sorge galt dem schwerverletzten Forstarbeiter. «Ich kenne ihn gut. Glücklicherweise ist er wieder genesen.» Die Sperrung der Kantonsstrasse sei für die Gemeinde Stansstad einschneidend gewesen. «Eine wichtige Verbindung war auf einen Schlag unterbrochen. Vor allem jene Stansstader, die sonst mit dem Velo in Hergiswil zur Arbeit gingen, hatten ein Problem. Aber auch das Stansstader Gewerbe litt unter Umsatzeinbussen.» Erschwerend sei dazu gekommen, dass niemand gewusst habe, wie langer dieser Zustand andauere.

Zwei Tage später richtete das Astra für Fussgänger, Velos und Töfflis einen kostenlosen Fährdienst zwischen Stansstad und Hergiswil ein. Dieser wurde im März 2010 durch die Pontonbrücke abgelöst. Sie bestand aus 115 grünen Pontons, grossen schwimmenden Kastenelementen aus Stahl.

Viel Betrieb herrschte am Karfeitag 2010 auf der Pontonbrücke zwischen Stansstad und Hergiswil.

Viel Betrieb herrschte am Karfeitag 2010 auf der Pontonbrücke zwischen Stansstad und Hergiswil.

Bild: Nidwaldner Zeitung (3. April 2010)

Bis am Lopper verkehrstechnisch wieder der Alltag einkehrte, dauerte es gesamthaft zwei Jahre. Denn der Steinschlag im Herbst 2009 war der Auslöser für umfangreiche Felsräumungsarbeiten, die erst zu Tage brachten, wie gross die Gefahr am Lopper war. «Als man in die Reigeldossenwand ging, erschrak man», blickte Astra-Mediensprecher Andreas Rüegger damals zurück. Eigentlich habe man lediglich mit kleineren Sicherungsmassnahmen gerechnet. «Man hat aber immer neue Spalten und absturzgefährdetes Material entdeckt.» Einige Gesteinsplatten seien bloss noch handflächengross auf dem Fels aufgelegen. Es sei ein Glück, dass man die heikle Lage rechtzeitig entdeckt habe.

Im Oktober 2011 schliesslich wurde auch die Autobahnausfahrt Hergiswil wieder freigegeben. Man konnte wieder direkt von Süden her durch den Achereggtunnel und weiter auf dem Lopperviadukt nach Hergiswil fahren. Autofahrer ab Stansstad gelangen seither über die Auffahrt Reigeldossen direkt auf die A2. Ein paar Tage später war dann auch die Seestrasse wieder normal in beide Richtungen befahrbar.

Auch das machte im Mai 2011 Schlagzeilen

Sarner Konvikt wird saniert

Im Mai 2011 ist das Konvikt gegenüber dem alten Gymnasium in Sarnen rundum eingerüstet. Das Gebäude wird von der Stiftung Benediktiner-Kollegium umfassend saniert und gleichzeitig für die Bedürfnisse der Schule Sarnen ausgebaut. Diese hat sich für die Einführung der Integrierten Orientierungsschule entschieden. Künftig werden zwei Jahrgänge der Orientierungsschule mit rund 150 Jugendlichen geführt. 

Faszination Mirage wirkt ansteckend

Fast 40 Jahre gehörten die Mirages der Schweizer Armee zum Flugplatz Buochs. Der Mirage-Verein will die Erinnerung daran aufrechterhalten. Im Mai 2011 lädt er erstmals zu einem Tag der offenen Türe. Höhepunkt ist die Präsentation einer Mirage mit laufendem Triebwerk. 

Kartenglück für Nidwalden

Im Staatsarchiv Nidwalden macht eine Restauration einen fantastischen Fund: In einem Gerichtsprotokoll entdeckt sie 90 Jasskarten aus dem 16. Jahrhundert. 

Stansstader verhindern Feuerwehrfusion

Die Idee einer gemeinsamen Feuerwehr kommt in Stansstad überhaupt nicht an. 59 Prozent beträgt der Nein-Stimmen-Anteil. In Stans stimmen hingegen vier von fünf Stimmberechtigten der Fusion zu. Damit kommt sie nicht zu Stande. 

Neue Kanti als Zeichen des Aufbruchs

Nach 620 Tagen Bauzeit wird die renovierte und ausgebaute Kanti Obwalden eingeweiht. Damit endet die Zeit der Provisorien. Jene Schüler, welche die Matura 2011 ablegen, mussten seit dem fatalen Unwetter im August 2005 viermal zügeln. (map)

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