Wenn die Zeit reif ist fürs Beckenrieder Älplerfest

An der Beckenrieder Älplerchilbi sind Älplermädchen fein herausgeputzt und die Butzi so wild wie kaum anderswo.

Romano Cuonz
Drucken
Teilen
Fein herausgeputzt ziehen die jungen Frauen zur Kirche, begleitet von der Feldmusik und Fahnenschwingern. (Bilder: Romano Cuonz, Beckenried, 10. November 2019)
12 Bilder
Auch der Trachtennachwuchs ist beim Einzug dabei.
Dann trifft man sich in der festlich geschmückten Kirche.
Die grobschlächtig wilden Butzi mussten derweil vor der Kirche warten.
Der Alpkäse 2919 für die Geistlichen ist  bereit.
Und die Pfarrkirche wundervoll geschmückt.
Draussen geht es weiter mit den Butzi.
Sie amüsieren Gross und Klein mit so viel Unsinn in so kurzer Zeit, dass man es schier nicht glauben mag.
Dabei treiben sie Schabernack, als hätten sie den Anlass mit der Fasnacht verwechselt.
«Es bitzli stinke muess es...»
Nicht fehlen dürfen bei der Dorfchlag natürlich der «Griänäwoud Sepp» (Sepp Ambauen) und Beat Ryser.
Schliesslich zieht auch das prächtig geschmückte «Säntä Veh» über den Dorfplatz.

Fein herausgeputzt ziehen die jungen Frauen zur Kirche, begleitet von der Feldmusik und Fahnenschwingern. (Bilder: Romano Cuonz, Beckenried, 10. November 2019)

Die Beckenrieder Kirche ist am vergangenen Sonntag mit Äpfeln, Birnen Nüssen, Kürbissen und Herbstblumen wunderschön geschmückt. Alle Glocken läuten, und die stolzen Älpler ziehen mit ihren fein herausgeputzten Mädchen und Frauen – begleitet von der Feldmusik und Fahnenschwingern – zum Erntedank Festgottesdienst in die Kirche ein. Einzig die wilden Butzis in ihren mit struppigen Flechten übersäten «Hudlä» haben hier gar nichts verloren. Selbst ihre Knallfrösche müssen sie noch eine ganze Weile verstecken.

Das Wort haben erst einmal Pfarrer Daniel Guillet und Festprediger Hans Imboden. Imboden mahnt denn die festlich gelaunten Frauen und Männer zu Geduld: «Es gibt für alles eine Zeit, zuerst für die Älplerchilbi-Predigt und den Erntedank ... und später durchaus auch fürs Fest und die deftige ‹Dorfchlag›.» So wolle es auch die Natur, meint Imboden: «Wenn Älpler-Hauptmann Guido May etwas anpflanzen will, muss er darauf achten, dass die Zeit dafür auch reif ist.» Alles zuerst reifen zu lassen, sei doch ein gutes Mittel fürs Leben.

Wilde Butzi und ein «Säntä Veh»

Und wie dann sogar der Prediger verkündet, dass jetzt genug gebetet und Zeit fürs «Fäscht» sei, lassen die Butzi die Petarden knallen. Was die beiden Wilden nun – zum grossen Spass von Gross und Klein – anstellen, geht auf keine Kuhhaut: Alte Schränke und Stühle schlagen sie kurz und klein. Mit «Töffli» und Schlitten «rabauzen» sie durch die Menge und manch übermütiger Knabe bekommt ihren Tannenwedel zu spüren. Nur im schönsten Moment der ganzen Beckenrieder Älpler-Chilbi – wenn ein in Nidwaldner und Schweizer Farben blumig und wunderschön geschmücktes «Säntä Veh» über den Dorfplatz zieht, bleibt sogar diesen wilden Gesellen die Spucke weg.

Und später, wenn die Kuhglocken verstummt sind, haben der «Griänäwoud Sepp» und sein «Chläger» Beat Ryser das Wort. Vor ihren spitzen Zungen ist nichts und niemand sicher: Sogar über alle Meere schauen sie: «S Amerika ... der Blond am Ruäder, g’findt s Ängland etz --- dr ähnlich Bruäder. Beed ... diä gliche Schtiärä-Grindä, wettid s Vouch ... a d’ Leine bindä.» Aber auch über Nahes wird geklagt. So meldet sich der letzte alte «Chleewä-Mungg» zu Wort. Erklärt seinem Jungen: «Diä liäbä Bähndler ... wettid gäärä diä einzige sey ... das muäsch begreyffä, wo usem letschtä Loch chend pfeiffä!»

Das Schicksal der Klewenalp-Murmeli in der Dorfchlag

Der Verwaltungsrat habe am Gehege stehend auf das Heim der Murmeli runtergeschaut und dann gesagt, sie müssten weg.

Dr eint vo dä Jungä fragd ganz baff:
«Säg Grossdädi, hesch än Aff?
So eppis hed doch niemer gseid,
diä meischtä Leyt hend anis Freid.»

Darauf sagt der alte Mungg:

«Uberleggid gnai und dend chley hirnä,.
Diä vo der Bahn sind äbä gscheyd.,
was diä doch blaaged isch dr Neyd.
s’Ganzi eifach zum erkläärä
diä liäbä Bähndler wettid gärä
die äinzigä sey, das muesch begreifä
wo usem letschtä Loch chend pfeyffä!»