Kanulager in Buochs: Wenn ein Kentern zu Lachern führt

Zehn Menschen mit Beeinträchtigung verbringen erlebnisreiche Tage im Buochser Seefeld.

Ruedi Wechsler
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Die Leiter und Teilnehmer beim «Fangis», bevor sie auf den See hinaus paddeln.

Die Leiter und Teilnehmer beim «Fangis», bevor sie auf den See hinaus paddeln.

Bilder: Ruedi Wechsler
(Buochs, 28. August 2020)

Die tolle Sportinfrastruktur am Buochser Seebecken bietet alles, was das Sportlerherz begehrt. Letzte Woche beherbergte der Campingplatz in den Bungalows zehn Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Be­einträchtigung. Für das von Plu­Sport erstmals ausgetragene Kanulager bot das Wassersportzentrum erstklassige Bedingungen. Geschäftsführer von Kanuwelt Buochs GmbH, Reto Wyss, und Christopher Fergg aus Ennetbürgen bildeten mit vier weiteren Personen das sechsköpfige Leiterteam. Die meisten Camp­teilnehmer seien langjährige Mitglieder in den verschiedensten Sportarten von PluSport Schweiz, sagt Fergg. Der Maschineningenieur lässt sich aktuell zum Bootsbauer ausbilden und ist schon viele Jahre im Kanuklub. Er arbeitete in den Semesterferien öfters beim Inhaber der Kanuwelt Buochs. Nach dem PluSport-Schnuppertag im letzten Jahr reifte bei Wyss der Entschluss, eine Kanuwoche für beeinträchtigte Menschen in Buochs durchzuführen. Für die beiden steht der Plausch der Teilnehmer an erster Stelle, und dazu meint Fergg: «Die eher ruhigeren Teilnehmer wollen wir einbinden, und es ist ein grosses Miteinander. Diese Woche lief alles wie am Schnürchen, ohne Zwischenfälle.»

Betreuer Reto Wyss (hinten) mit Teilnehmern und letzten Instruktionen.

Betreuer Reto Wyss (hinten) mit Teilnehmern und letzten Instruktionen.

PluSport verfolgt die gleichen Ziele wie Swiss Olympic. Der Ethikchart fördert den Spass am Sport und stärkt das Selbstwertgefühl. Zum Rahmenprogramm gehörten im Ka­nu­lager auch ein Filmabend, Baden, diverse Spiele, Rodeln auf dem Wirzweli, Ausruhen oder Postkartenschreiben. PluSport vertritt ein Mandat vom Bundesamt für Sport und übernimmt einen Teil der Kosten. Den Rest des Camp-Beitrags bezahlen die Teilnehmer. Christopher Fergg lobt die Infra­struktur und die kurzen Wege. Beeindruckt ergänzt er: «Ich nehme viel Energie mit auf den Heimweg. Bewegend, mit wie viel Freude und Begeisterung diese Menschen den Sport ausüben. Wir können uns alle eine grosse Scheibe davon abschneiden.»

«In Begleitung paddelte ich rund um den Bürgenstock»

Paralympics-Medaillengewinner Walter Widmer paddelte mit rund um den Bürgenstock.

Paralympics-Medaillengewinner Walter Widmer paddelte mit rund um den Bürgenstock.

Teilnehmer Walter Wid­mer aus Brittnau AG ist wegen der Kinderlähmung (Poliomyelitis) im Rollstuhl. Er ist im Winter vornehmlich im Langlaufsport un­ter­wegs und hat sich spontan angemeldet. Den mehrfachen Paralympic-Medaillengewinner im Langlauf und Biathlon (Albertville, Lillehammer und Nagano) ist vom Zusammenhalt in der Gruppe und von der schönen Gegend beeindruckt und schwärmt von der Kanutour: «In Begleitung von Reto Wyss paddelte ich von Stansstad rund um den Bürgenstock. Bei der Nas machten wir einen kurzen Zwischenstopp.» Für Daniela Greub aus Murgenthal ist das Wasser ein wichtiges Element. Den Kanusport betreibt sie schon einige Jahre und erzielte dabei grosse Fortschritte. Die Geschwindigkeit, die dabei aufgebaut werden kann, fasziniert die vielseitige Sportlerin (Klettern, Schwimmen und Tennis). Sie arbeitet beim OZL (Ort zum Leben in der Reinigungsfachstelle) in Lenzburg. Seit 24 Jahren ist Daniela Greub Mitglied im PluSport, und ihr gefällt die gegenseitige Unterstützung in der Gruppe. Mit einem herzhaftem Lachen und nicht ganz ohne Schadenfreude erzählt sie vom Queren der Strömung bei der Einmündung der Engelbergeraa:

«Gekenterten Kanufahrern konnten wir zusammen mit den Leitern sofort helfen, alles wieder zurechtzubiegen
und ein­zusammeln.»