Leserbrief

Wer keine Lösungen anbietet, soll Platz machen

Zum Artikel «Das Klima macht hässig», Ausgabe vom 19. Dezember

Thomas Beck, Büren
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Eine Nidwaldner Geschichte: Sitzen ein paar Nidwaldner Landräte und ein Jugendlicher in einem hochmotorisieren SUV und fahren auf einer Strasse mit 100 Stundenkilometer auf eine Kurve zu. Im Radio meldet der Wetterdienst, dass hinter der Kurve mit 98-prozentiger Sicherheit Glatteis herrscht. Der SVP Mann sagt: «Der Wetterdienst ist sich also zu 2 Prozent nicht sicher, dass da hinten Glatteis ist; wir fahren im gleichen Tempo weiter!» Einer aus der FDP macht sich über Bedenkenträger lustig und meint, dass er jetzt dann genug habe von diesem Glatteisgefasel. Die Vertreter der Grünen und der SP wollen jeden Abbremsschritt auf Basis der Möglichkeit von Glatteisbildung auf der Strasse abwägen. Ein Bauer auf dem Rücksitz meint: «Ich kenne mich bestens mit der Natur von Glatteis aus. Kein Problem das Ganze!» Der Jugendliche möchte verzweifelt aussteigen und rüttelt an der Türe. Er wird von den anderen angeblafft, er solle mal zuerst sein Handy aus dem Fenster werfen, bevor man Anstalten mache, zu halten.

Ich wünschte, unsere Landräte würden sich den Spruch «Machen ist wie wollen, nur krasser» zu Herzen nehmen. Dass die SVP Vertreter endlich die von ihnen immer geforderte Selbstverantwortung auch selbst wahrnehmen und dass sie einen Kurs in Statistik und Risikomanagement besuchen. Dass die FDP Leute sich in Teamwork, Kompromissfindung und Gesprächsführung weiterbilden, die Grünen und die SP Vertreter in Finanzplanung und wie man eine Machbarkeitsstudie durchführt. Vor allem wünschte ich mir, dass man sich zusammenrauft und Nägel mit Köpfen macht. Die Nidwaldner haben die Landräte ja gewählt um Probleme zu lösen und nicht, damit diese selbst zu einem werden. Hier ein paar Tipps.

Werdet zu Vorbildern und nehmt Selbstverantwortung wahr. Geht ab dem nächsten Mal zu Fuss an Eure Sitzung oder dann halt mit dem Velo. Macht in der Schweiz anstatt in der Karibik Ferien. Hört auf die Macher unter Euch und was Sie vorschlagen. Ladet Wissenschafter oder Experten an Eure Sitzungen ein und lasst Euch komplexe Zusammenhänge so lange erklären, bis ihr Sie begreift, dann entscheidet über das weitere Vorgehen. Siedelt in Nidwalden Firmen an, die Ideen haben, wie man CO2 versenkt anstatt verschleudert. Setzt Euch mit den Jugendlichen auseinander und zusammen und hört auf ihre Sorgen. Steht Ihnen als Erwachsene mit Rat und Tat zur Seite, denn der Kindergarten, in dem wir uns die Bauklötze um die Ohren gehauen haben, ist bei den meisten schon lange vorbei. Wir brauchen Lösungen, nicht gehässige Streitereien und Sitzungsabbrüche. Wenn Ihr nicht in der Lage seid oder Eure Partei nicht will, dass man Lösungen erarbeitet, dann macht den Platz frei für Leute, die das können oder wollen. Besten Dank für Eure Arbeit, liebe Landräte, aber ich bin froh, wenn ich mich nicht mehr fremdschämen muss, wenn ich solche Meldungen wie die über die letzte Klimadiskussion in der Zeitung lesen muss.