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Wie Nidwaldner alt werden wollen

Menschen über 65 sollen ihre Zukunft mitbestimmen können. Eine konkrete Möglichkeit dazu bot eine Werkstatt zum neuen Altersleitbild. Die Teilnehmer entdeckten noch zahlreiche Defizite.
Romano Cuonz
Regierungsrätin Michèle Blöchliger im Gespräch über das künftige Altersleitbild des Kantons. (Bild: Romano Cuonz (Stans, 9. Februar 2019))

Regierungsrätin Michèle Blöchliger im Gespräch über das künftige Altersleitbild des Kantons. (Bild: Romano Cuonz (Stans, 9. Februar 2019))

«Heute bestimmen aktuelle und angehende Senioren selber, wie ihr Leben aussieht oder aussehen soll», eröffnete die Nidwaldner Gesundheits- und Sozialdirektorin Michèle Blöchliger die Zukunftswerkstatt zum neuen Altersleitbild. Ihr Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten Stanser Turmatthalle bestand zumeist aus Leuten über 55 Jahren. Das sei gut so, meinte Blöchliger. «Denn genau Sie, die heute hier sind, fühlen sich selbstbewusst und dies zu Recht, denn Sie sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft.»

Die Politikerin wagte einen Blick in die Zukunft. «Heute leben in Nidwalden noch 8276 über 65-Jährige, 2040 aber werden es 14 000 sein!» prophezeite sie. Angesichts solcher Veränderungen müsse die Gesellschaft umdenken, so Blöchliger. Die Nidwaldner Regierung habe deshalb die Erarbeitung eines Altersleitbildes für 2019 beschlossen. Als Grundlage dazu liess sie von einer Fachstelle zunächst eine Studie ausarbeiten. Diese analysierte die Situation 2017 und formulierte zahlreiche Leitsätze zu Bedürfnissen von Menschen im Alter. «Doch dies allein genügt nicht», erklärte die Regierungsrätin. «Wir brauchen Ihr Wissen, Ihre Lebenserfahrung, damit wir die grosse Herausforderung generationenübergreifend bewältigen können.»

Acht Themen und hundert Ideen

Vorgängig hatte das «Netzwerk Alter» mit Vertretern des Kantons, der Gemeinden und aller Fachgremien die Ergebnisse der Studie gesichtet und vertieft. So konnte Denise Bürkler als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Gesundheitsamts Nidwalden die Leitsatzentwürfe auf acht zentrale Bereiche beschränken. Zuoberst steht eine gute Lebensqualität und Prävention für ältere Leute sowie eine altersgerechte und qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung. Betreuende Angehörige sollen mehr Unterstützung und Wertschätzung erhalten.

Ganz wichtig, so hält ein Leitsatz fest, sei bezahlbarer und altersgerechter Wohnraum. Damit ältere Leute selbstbestimmt leben könnten, brauche es auch einen altersfreundlich gestalteten öffentlichen Raum und optimalen Zugang zu Mobilität. Der Zugriff zu Informationen, so der Wortlaut, müsse auch für ältere Menschen gewährleistet sein. Schliesslich steht da auch noch: «Die Nidwaldner Bevölkerung schätzt und nutzt Erfahrungen von Senioren und trägt mit ihrem Engagement in der Freiwilligenarbeit zur Gemeinschaft bei.»

So weit, so gut! Doch die Werkstatt zeigte: Die wirklich Betroffenen erkennen in praktisch allen Bereichen noch zahlreiche Mängel und Defizite. Lebhafte Diskussionen wogten hin und her. Auf Plakaten und Zetteln wurden Hunderte zusätzliche Ideen notiert. Nur ein Beispiel von vielen, das bei Politikern Kopfzerbrechen auslösen könnte: «Betreuende und pflegende Angehörige sollen ihren Arbeitseinsatz wirksam von den Steuern absetzen können!»

Das Altersleitbild soll 2020 vorliegen

Nach fast drei Stunden Arbeit gaben viele Anwesende ihren Hoffnungen Ausdruck. Lisbeth Grendelmeier vom Verein «Wohnland Nidwalden» etwa meinte: «Man könnte in den bestehenden Siedlungen schon heute vieles machen, damit die Nachbarhilfe besser zum Zuge käme.» Hanna Baumann aus Hergiswil forderte: «Es braucht eine Anlaufstelle, wo sich ältere Leute, die nicht mehr am PC sind, über das Hilfsangebot direkt informieren können.» Urs Blättler aus Hergiswil findet die Wertschätzung der älteren Generation überaus wichtig und meinte deshalb: «Bei Visionen zur Zukunft sollte nicht irgendjemand an einem Schreibtisch irgendetwas entwerfen. Die Betroffenen von heute und morgen müssten mitreden können.»

Alice Zimmermann aus Emmetten brachte es auf den Punkt: «Für mich ist am wichtigsten, dass dann auch nach diesem Leitbild gelebt wird.» Diese Meinung vertrat auch Michèle Blöchliger. Sie versprach: «Die Anregungen gehen nun in eine interne Vernehmlassung. Später werden sie, wo immer möglich ins Altersleitbild einfliessen.» Dieses solle spätestens 2020 als Broschüre vorliegen. Ob es auch Wirkung entfaltet, bleibt künftigen Generationen überlassen. Dazu zitierte Moderator Markus Tschopp zum Schluss Goethe: «Erfolg hat drei Buchstaben: TUN!»

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