«Wirzweli-Sepp»
Die Seele des Klubs ist verstummt: Der Gründer der Wiesenberger Jodler ist Anfang Februar verstorben

Sepp Niederberger initiierte 1988 die märchenhafte Erfolgsgeschichte der Wiesenberger Jodler und machte den Jodlerklub über die Grenzen hinaus bekannt. Nun ist «Wirzweli-Sepp» für immer verstummt.

Romano Cuonz
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Der Bergler und Initiant der Wiesenberger Jodler: Sepp Niederberger «Wirzweli-Sepp».

Der Bergler und Initiant der Wiesenberger Jodler: Sepp Niederberger «Wirzweli-Sepp».

Bild: PD

«En Kamerad nimmt dich wie du bisch … verstaht dini Art und all’s isch guet, als Läbesglück macht är nume Muet!» Dieses von Lisbeth Arnold und Ueli Mohr voll Dankbarkeit gedichtete und komponierte Jodellied wurde vor wenigen Wochen in der Wirzweli-Kapelle uraufgeführt. Und noch konnte man es dem schwerkranken Josef Niederberger-Christen (unter Kameraden der «Wirzweli-Sepp») persönlich widmen. Zum Dank für all das, was er während gut 20 Jahren für seinen Verein, für seine Jodler-Kameraden und ihre Familien getan hatte. Nun ist die schöne Stimme des bärtigen Naturjodlers, Bergbauern und leidenschaftlichen Pferdehalters für immer verstummt. Am 5. Februar ist er – knapp 69-jährig – nach schwerer Krankheit, so wie er sich gewünscht hatte, zu Hause friedlich eingeschlafen. Der weit über Grenzen und Kontinente hinaus bekannte Jodlerklub Wiesenberg aber trauert um einen Mann, ohne den seine unglaubliche Erfolgsgeschichte wohl nie zu Stande gekommen wäre.

«Sonä Jodlerklub wär scho eppis Scheens!»

Die Erfolgsgeschichte begann am 2. Dezember 1987 am Kernser Markt. Der «Wirzweli-Sepp» kramte dort das eine oder andere und nahm dann zum Abschluss des Tages noch einen «Kaffee» bei der Familie Windlin. Die damals noch junge Lehrerin und Jodeldirigentin Silvia Windlin erinnert sich, was er ihr da, zwischen Tür und Angel, zum Abschied noch gesagt hatte: «Sonä Jodlerklub wär scho eppis Scheens!» Die Kernserin machte dem Wiesenberger Mut. Ja, sogar ein Versprechen gab sie ab: «Wenn dui de zwelf zäme bringsch, de ubernim ich dr Dirigänt.» Bloss eine Woche verging. Da meldete sich Sepp Niederberger mit der frohen Botschaft: «Ich ha diä zwelf Sänger binänand.» In der guten Stube von Sepp und seiner Frau Anni wurde bei einem Fondue Chinoise die Jodelidee initiiert. Zum 1988 gegründeten Bergklub, der später mit einer eigenen Version des Evergreens «Ewigi Liäbi» den Sprung auf Platz vier der offiziellen Schweizer Hitparade schaffte. Sich mehr und mehr in die Herzen zahlloser Schweizerinnen und Schweizer sang. Doch vorerst galt es, hart zu arbeiten.

Der Jodlerklub Wiesenberg anlässlich seines 30-Jahr-Jubiläums.

Der Jodlerklub Wiesenberg anlässlich seines 30-Jahr-Jubiläums.

Bild: Nidwaldner Zeitung (Stans, 8. Dezember 2018)

Sepp Niederberger war es, der die Wirzweli-Kapelle als ideales Probelokal organisierte. In zahllosen Proben wurden Klänge aufgebaut, Töne zusammengefügt. Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Bereits bei der Teilnahme am ersten Jodlerfest in Littau, erreichte der Klub mit dem älplerischen «Bätruefjuiz» von Marie-Theres Marti die Bestnote. Zahlreiche Tonträger folgten, und 2008 erreichten die Bergler um den Wirzweli-Sepp zusammen mit Francine Jordi und dem Lied «Das Feyr vo dr Sehnsucht» Platz eins in der Hitparade. Der sonst so bescheidene Bergbauer machte oft urchig ehrliche und gerade darum wichtige Aussagen. Sein Geist war es letztlich, der auch im 90-minütigen Dokumentarfilm «Die Wiesenberger – No Business Like Show Business» von Bernhard Weber und Martin Schilt zum Ausdruck kam. Der Film lockte immerhin 56'000 Besucher in die Kinos.

Ein Kulturschaffender auf dem Wiesenberg

«Sepp Niederberger war die Seele des Klubs, vernetzt, kundig, engagiert sorgte er für alles, was es brauchte, damit die tagtäglich hart arbeitenden Wiesenberger in ihrer Freizeit zu erfolgreichen Jodlern werden konnten», hält Silvia Windlin als Dirigentin fest. Er brachte als erster Präsident dieses noch heute einzigen Vereins auf Wiesenberg-Wirzweli das nötige Geschick mit. Dass man ihn später zum Ehrenpräsidenten ernannte, war fast selbstverständlich.

Sepp Niderberger gemeinsam mit Dirigentin Silvia Windlin.

Sepp Niderberger gemeinsam mit Dirigentin Silvia Windlin.

Bild: PD

Sepp Niederberger kam am 26. Juli 1952 als viertes von zehn Kindern auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb Wirzweli zur Welt. Zur Schule ging er in Dallenwil mit der von seinem Vater 1936 erstellten einfachen Vierer-Luftseilbahn. Später absolvierte er die landwirtschaftliche Schule in Pfäffikon. Seine geheime Liebe aber galt schon früh dem Jodellied und dem Naturjodel. Wenn er etwa «Ds Bärgbächli» sang, bewunderte man seine glockenreine Stimme. Im April 1976 versprach der «Wirzweli-Sepp» Anna Christen in der Wiesenberger Kapelle «Ewigi Liebi». Zwar gab es da noch keine Jodler, doch auf den Matten blühten die ersten Blumen. Der jungen Familie wurden drei Söhne und eine Tochter geschenkt.

Unvergesslich bleibt Sepp Niederbergers Achtung und Respekt für die Jodlerfrauen. Seine Idee war es, bei der Geburt von Jodler-Kindern im Spital ein Ständchen zu bringen, das jährliche Nachtessen mit den Frauen und Picknicks mit den Familien. Eine grosse Liebe hegte er auch zu Pferden. Mit den Pferdekutschen und Schlittenfahrten bereitete er vielen Menschen grosse Freude. Mit dem Einzug des Wintersports im neuen Skigebiet Wirzweli, in den 1960er-Jahren, übernahm Sepp Niederberger eine neue Aufgabe: Er machte Pistenmaschinenkurse und wurde zum Patrouilleur. Betätigte sich auch immer wieder als Samariter auf der Skipiste.

Nun ist der «Wirzweli-Sepp» nicht mehr. Der Jodlerklub Wiesenberg wird den guten Kameraden, ohne den das geradezu unglaublich schöne Wiesenberger Jodelmärchen nie wahr geworden wäre, nie vergessen.

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