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Coiffeur-Express in Stans: «Wir sind der Take-away der Coiffeurbranche»

Ein Herrenschnitt für 25 Franken? Mit dem Coiffeur-Express beim Bahnhof hat im Nidwaldner Hauptort ein neues Geschäftsmodell Einzug gehalten. Die Nachfrage sei da, der Branchenverband beobachtet die Entwicklung mit Sorge.
Matthias Piazza
Giuseppe Ciaramello (links) lässt sich im Coiffeur-Express in Stans von Hicami Redal die Haare schneiden. Bild: Matthias Piazza (Stans, 23. November 2018)

Giuseppe Ciaramello (links) lässt sich im Coiffeur-Express in Stans von Hicami Redal die Haare schneiden. Bild: Matthias Piazza (Stans, 23. November 2018)

«Ich bin mehr als zufrieden, fühle mich hier wie zu Hause», sagt Giuseppe Ciaramello begeistert, nachdem ihm Hicami Redal innerhalb einer halben Stunde die Haare geschnitten hat – für gerade einmal 25 Franken. Schnell, ohne Voranmeldung und günstig: Das ist das Konzept von Coiffeur-Express, der seit zwei Wochen die Kunden im kleinen Lokal mit zwei Coiffeurstühlen und Sitzecke beim Bahnhof Stans empfängt. Das Konzept kommt laut Geschäftsführerin Semra Coban an. Sie spricht von täglich bis zu 40 Kunden unter der Woche, am Samstag seien es noch mehr. «Wir sind der Take-away der Coiffeurbranche. Wir richten uns an Männer und Kinder, die nicht viel Zeit für den Coiffeur haben. Bei uns können sie sich spontan die Haare schneiden lassen, während sie auf den Zug warten.» Auf Frauen sei man allerdings nicht ausgerichtet.

Die schnelle Bedienung entspreche einem Bedürfnis. «Die Leute haben immer weniger Zeit und keine Lust, sich im Voraus auf einen Coiffeurtermin festlegen zu müssen, das höre ich immer wieder von meinen Gästen», erzählt Semra Coban, die mit ihrer Firma Varius co GmbH auch das Restaurant Rössli und die Rösslibar in Hergiswil führt.

Wie sind so günstige Preise möglich? Schliesslich verlangen konventionelle Geschäfte rund das Doppelte. «Wir sind schnell, damit können wir mehr Kunden pro Tag bedienen», führt sie als Hauptgrund auf. Die zwei festangestellten Mitarbeiter seien flink beim Ausüben ihres Handwerks. Das hätten sie in ihrem Heimatland Syrien gelernt, auch wenn sie keinen Fähigkeitsausweis besässen. Von Ausnutzen könne keine Rede sein: «Ich halte mich an die Empfehlungen im Gesamtarbeitsvertrag.»

Jürg Steiner, Präsident der Zentralschweizer Sektion von Coiffure Suisse, sieht das kritischer. «Coiffeurgeschäfte, die nur 25 Franken für einen Herrenschnitt verlangen, können ihre Kosten nie und nimmer decken.» Laut Verband seien 51 Prozent der neu gegründeten Coiffeurgeschäfte nach drei Jahren wieder geschlossen. Und Mitarbeiter würden oft nicht den im Gesamtarbeitsvertrag festgelegten Mindestlohn verdienen. Dieser sieht mindestens 3350 Franken brutto für ungelernte und 3800 Franken für gelernte Berufsleute vor. «Leider gibt es Schlupflöcher, um dem GAV zu entgehen, so gilt dieser etwa nicht für Familienangehörige. Auch ist eine Kontrolle sehr aufwendig.» Häufig seien bei solchen Discountern auch nichtgelernte Berufsleute angestellt. Dass bei Coiffeur-Express keine Frauen bedient werden, erstaune ihn nicht. «Die können das nicht.»

«Handwerk verkommt zur Fliessbandarbeit»

Der anhaltende Trend hin zu solchen Billigcoiffeuren habe zu einer Übersättigung des Marktes und einem erhöhten Preisdruck geführt, worunter auch die etablierten Coiffeurgeschäfte litten, welche faire Löhne zahlen und auch Lehrlinge ausbilden würden. Steiner appelliert, nicht der Verlockung zu erliegen. «Ein Herrenhaarschnitt kostet sicher 45 Franken, wenn alles mit rechten Dingen zu und her geht.» Der Verband sei nun dran, die Bestimmungen zu verschärfen, weiss der Inhaber eines Horwer Coiffeuregeschäfts.

«Mit solchen Dumpingpreisen verkauft sich unsere Branche unter dem Wert. Unser Handwerk wird so nicht mehr gebührend anerkannt, es verkommt zur Fliessbandarbeit mit Abstrichen an der Qualität», sagt Sarah Arnold, Geschäftsführerin von Coiffeur Etter in Stans dazu.

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