«Wir wollen Verantwortung für unsere Zukunft übernehmen» – wie sich ein Nidwaldner Verein für den nachhaltigen Wandel einsetzt

Das «Projekt Zukunft» will den nachhaltigen Wandel in Nidwalden vernetzen und fördern. Mit der Vereinsgründung am vergangenen Wochenende wurden die Grundlagen dafür geschaffen.

Carina Odermatt
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«Unser Antrieb ist eine selbstbestimmte und lebenswerte Zukunft. Früher haben wir uns bei Diskussionen über die Welt und ihre Probleme stärker auf das Negative konzentriert, darauf, was alles schiefläuft», erinnert sich Fredy Scheuber aus Beckenried. «Mit zunehmender Reife ist ein Perspektivenwechsel passiert und wir haben uns gefragt: Was können wir tun? Wie können wir mit unseren Ressourcen und Voraussetzungen etwas Positives für diese Welt bewirken?»

Gründungsversammlung des Vereins Projekt Zukunft. Dieser will den nachhaltigen Wandel in Nidwalden fördern.

Gründungsversammlung des Vereins Projekt Zukunft. Dieser will den nachhaltigen Wandel in Nidwalden fördern.

Bild: Carina Odermatt (Ennetmoos, 11. Oktober 2020)

Mit der Gewissheit, dass wahre Veränderung bei sich selbst beginnt, seien ihm und Philipp Weiersmüller klar geworden, dass es an der Zeit sei, aktiv zu werden. Nicht irgendwo, an einem anderen Zipfel der Welt, sondern hier in Nidwalden. Im Sommer 2019 trafen sich dann rund 30 Gleichgesinnte für ein Wochenende, um sich über diese Gedanken auszutauschen und sie in die Praxis umzusetzen. Das «Projekt Zukunft» war geboren.

Treffen ist schon Teil der Vernetzung

Ein gutes Jahr später tritt das Projekt nun in eine neue Phase ein. Am vergangenen Wochenende fand auf dem Erlebnishof Vorsäss in Ennetmoos erneut eine Gruppe von 20 aktiven Mitgliedern zusammen. Zusammen gründeten sie den Verein «Projekt Zukunft» und planten die nächsten Schritte des Projekts. «Mich interessiert die Vision des Vereins und ich teile dieses Gedankengut», erzählte Beatrice Bucher aus Buochs. Das Gründungswochenende war ihr erster vertiefter Kontakt mit der Bewegung. «Dieses Treffen ist für mich schon Teil der Vernetzung. Man lernt neue Leute kennen und tauscht sich über die verschiedenen Themen aus. Es ist inspirierend.»

Das Ziel des «Projekt Zukunft» ist die Förderung der ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit in Nidwalden. Durch Umweltbildung, die Unterstützung einer nachhaltigen Landwirtschaft, Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts sowie die Ausrichtung an neuen Wirtschaftsmodellen wie der Gemeinwohlökonomie soll dieses Ziel erreicht werden. Dabei versteht sich der frisch gegründete Verein vor allem als Vernetzungsplattform. «Überall in Nidwalden gibt es kleine Lichter. Menschen, die sich in Gruppen oder privat für eine lebenswerte Zukunft einsetzen. Diese Menschen wollen wir zusammenbringen, um so gemeinsam mit ihnen einen grossen Stein ins Rollen zu bringen», erklärt Gründungsmitglied Philipp Weiersmüller die Vision des Projekts.

Natur erleben in der Jurte

Konkret soll dies in naher Zukunft anhand von zwei Plattformen geschehen: Zum einen durch eine interaktive Internetplattform, wo die verschiedenen Projekte sichtbar werden und neue Kundschaft oder Ressourcen gewinnen können. Zum anderen will der Verein in Form einer Jurte einen physischen Raum schaffen, in dem der Wandel gelebt werden kann. Ab nächstem Frühling soll die Jurte jeden Sommer auf einem anderen Bauernhof in Nidwalden aufgestellt werden.

Tagsüber bietet sie Platz für Schulen, Waldkindergärten und Erlebnispädagogen, die den Kindern dem Umgang mit der Natur und den Tieren auf dem Bauernhof vermitteln wollen. Abends und an den Wochenenden kann die Jurte für Vorträge, Diskussionsrunden und Workshops genutzt werden. Doch auch die Bauernhöfe sollen von der Jurte profitieren, da sie im Gegenzug bei anstehenden Arbeiten unterstützt werden. So kann ein aktiver Austausch zwischen der Bevölkerung und den Landwirtschaftsbetrieben gefördert werden. Finanziert werden soll die Jurte durch eine Crowdfunding-Kampagne, die im November starten wird.

Die Region wird gestärkt

Das «Projekt Zukunft» orientiert sich an der internationalen Transition-Town-Bewegung, die seit 2006 Nachhaltigkeits-Initiativen in Städten und Gemeinden vereint und in Grossbritannien gegründet wurde. Ziel dieser Bewegung ist ein geplanter Übergang in eine lokalere Wirtschaft, die unabhängig von fossilen Brennstoffen wird. Nach dem Vorbild von «Luzern im Wandel» entsteht mit dem Projekt Zukunft nun bereits die zweite Transition-Town-Initiative in der Zentralschweiz.

«Der Fokus auf das Lokale ist uns wichtig. Wir wollen die Region stärken, indem wir ein gutes Netzwerk aufbauen. Daraus können dann weitere Projekte entstehen», erklärt Philipp Weiersmüller aus Wolfenschiessen. Zudem soll der generationenübergreifende Austausch gefördert werden. Menschen aller Altersgruppen sind im Projekt willkommen. «Wir wollen eine Bewegung, die von den Menschen für die Menschen gemacht ist. Wir wollen die Verantwortung nicht allein den Regierungen und Firmen überlassen, sondern unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen», erzählt Fredy Scheuber.

Hinweis: Mehr Informationen zur Bewegung und zum Crowdfunding: projektzukunft.ch, projektzukunft@mailbox.org.