Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kolumne

Wo Bartli den Most holt?

Karl Tschopp beschreibt in seinem «Ich meinti» seine Erfahrungen als Ferienrückkehrer mit Bart.
Karl Tschopp
Karl Tschopp. Bild PD

Karl Tschopp. Bild PD

Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Eigentlich heisst die Redewendung: «Ich zeige dir, wo Bartli den Most holt!» Also muss diejenige Person, die das so sagt, wissen, wo es diesen Most gibt. Sie sagt das ja, um eine gewisse Autorität oder gar Macht zu demonstrieren. Sie macht also unmissverständlich klar, «wo es langgeht», oder «wo der Hammer hängt». Eine Art Drohung also, die auch heute noch erzieherisch eingesetzt wird.

Ich mag mich zwar nicht erinnern, dass man mir damals auf Nachfrage hin väterlicher- oder mütterlicherseits je gezeigt hat, wo es diesen Most tatsächlich zu holen gab und insbesondere auch nicht, wer denn dieser Bartli war. Es gab wahrscheinlich als Antwort einfach noch ein paar hinter die Ohren. Ganz sicher nicht hat der Bartli etwas mit einem bärtigen Mann zu tun. Obschon zurzeit doch einige Ferienrückkehrer wohl aus Faulheit statt der täglichen Rasur die Haartracht im Gesicht spriessen liessen und nun zu Hause mit der feinen Klinge Sorge tragen, das neue Schmuckstück im wahrsten Sinne des Wortes auf Vordermann zu halten.

Sie ahnen es: Eben zurück aus den Ferien gehöre ich wenigstens zurzeit auch zu dieser Sorte von Bartlis. Jetzt heisst es durchhalten, denn an das «neue Gesicht» muss man sich zuerst selber gewöhnen, geschweige denn das Umfeld, in dem man sich bewegt. Voraussichtlich bleibt er bis zum 24. August stehen, dann ist der Tag des heiligen Bartholomäus. Über die Identität von Bartli und den Ort, wo er den Most holt, gibt es vieldeutige Informationen und einige Theorien. Einige davon gehen nämlich auf die Namen Bartholomäus oder Barthel zurück. Geschichten und Sagen aus vergangener Zeit über Winzer, Weinschenker und Knechte mit diesen Namen, die vom Sachverstand auf dem Gebiet des Weines erzählen, bis zum Knecht, der wegen einer schönen Kellnerin den Most nicht dort holt, wo es ihm aufgetragen wurde, sondern heimlich ins Wirtshaus geht, um seine Angebetete zu treffen.

Wer am Bartholomäustag noch keinen Most ausschenken konnte, dem drohte an vereinzelten Orten der Entzug der Schankberechtigung, obwohl es an diesem Tag sicher keinen Traubenmost gab, höchstens sauren Obstmost. Wer es trotzdem schaffte, musste also ein ganz kluges Kerlchen gewesen sein. Eine andere Theorie geht von einer ganz anderen, eher kriminellen Bedeutung aus. «Barthel» sei kein Name, sondern jiddisch für Brechstange und «Most» sei kein Getränk, sondern ebenfalls ein jiddisches Wort für Geld. Übersetzt würde das heissen: «Ich zeige dir, wo man mit dem Eisen das Geld holt!» Es handelt sich dabei eher um einen Verdächtigen für einen Einbruch oder einen Banküberfall. Erzieherisch also sicherlich ungeeignet.

Ich meinti, man hätte auch über die sinngemäss alternative Redewendung «Ich zeige dir, wo der Frosch die Locken hat!» schreiben können. Wenn ich mich aktuell so im Spiegel betrachte, wäre das eine nicht ganz so gelungene Sache geworden. Zurück zur ursprünglichen Frage: Wo Bartli den Most holt? Ich weiss es eigentlich immer noch nicht genau – und gehe als momentaner «Bartli» wohl einfach einmal zum «Lussi Migi» und verzichte auf die Brechstange.

Karl Tschopp, Rechtsanwalt, Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.