Wo bleiben die Visionäre?

Redaktor Philipp Unterschütz wünscht sich in seinem «Ich meinti» Verkehrspioniere.

Philipp Unterschütz
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Es war 1947, als der Ingenieur Eduard Gruner in einer Zeitschrift über einen Eisenbahn-Basistunnel von Amsteg nach Biasca nachdachte. 1961 wurde ein erstes Projekt vorgelegt, 1999 begann der Bau des Gotthard-Basistunnels. 2016 ging er in Betrieb. 55 Jahre nach dem ersten Projekt!

Philipp Unterschütz

Philipp Unterschütz

Corinne Glanzmann

Oder der Luzerner Tiefbahnhof. Da gab es 1980-mal einen Projektwettbewerb. Realisiert wurde nichts. Heute spricht man von einer Inbetriebnahme 2040. Das wären dann 60 Jahre später. Jahrhundertprojekte brauchen Jahrzehnte bis zur Realisierung.

Das Wort «Jahrhundertprojekt» tauchte in letzter Zeit auch in Nidwalden auf. Und ein solches dürfte am Lopper gefragt sein. Es werden angesichts des Bevölkerungswachstums und der Verkehrsströme in Europa immer mehr Personen und Fahrzeuge auf der Nord-Süd-Achse den Lopper passieren. An den bestehenden Bauwerken kann noch lange herumgebastelt werden, sie werden solche Massen nicht bewältigen können.

So bin ich gespannt, ob und wann ein Visionär auftritt. Wenn man ein Jahrhundertprojekt bis etwa 2060 realisieren wollte, müsste man jetzt anfangen, wenigstens mal darüber laut nachzudenken. Vielleicht über einen Tunnel für Bahn und Strasse von Luzern Süd bis nach Stans Süd und nach Sarnen. Und wenn es dann heisst «Spinner», dann kann das den Visionär kaltlassen. Schon bei Gruner hat es so getönt – und er hat damals recht behalten!