Wolf bringt Nidwaldner Schafhalter in Bedrängnis

Die jüngsten Wolfsrisse in Nidwalden lösen bei Schafhaltern Angst und Verdruss aus. Schutzmassnahmen seien zeitaufwändig und nicht immer wirksam, sagt ein Vertreter. Einige von ihnen denken gar ans Aufgeben.

Franziska Herger
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Zwei Herdenschutzhunde bewachen eine Schafherde. (Bild Nadia Schärli)

Zwei Herdenschutzhunde bewachen eine Schafherde. (Bild Nadia Schärli)

In Nidwalden geht der Wolf um. Auf der Alp Laucheren im Grenzgebiet zwischen Wolfenschiessen und St. Niklausen riss er vor kurzem neun Schafe. Schon Mitte Juli kam es in Emmetten zu einem Schafriss. Nach solchen Neuigkeiten schlafe er schlecht, sagt Thomas Niederberger, Vorstandsmitglied der Schafzuchtgenossenschaft Nidwalden und der Vereinigung zum Schutz von Jagd- und Nutztieren vor Grossraubtieren in der Zentralschweiz. «Ich habe selber 20 Mutterschafe etwa zwei Kilometer Luftlinie von dem Riss-Ort in Emmetten entfernt», sagt der Oberdorfer.

Sie seien mit einem elektrischen Zaun geschützt. «Mehr Aufwand kann ich nicht betreiben, ich bin Schafhalter im Nebenerwerb.» Das gelte auch für einen grossen Teil der anderen Schafhalter. «Herdenschutzhunde, kilometerlanges Einzäunen – all das ist zeitlich ein Riesen-Aufwand, auch wenn es von den Behörden finanziell unterstützt wird.»

Der Wolf lernt auch dazu

Fabian Bieri, Leiter der Abteilung Jagd und Fischerei beim Kanton, sagte nach den jüngsten Rissen gegenüber unserer Zeitung, man mache von Seiten Behörden das Möglichste, um Schafbesitzer zu sensibilisieren, die Umsetzung von Schutzmassnahmen liege aber letztlich in ihrer Verantwortung. «Das stört mich ein bisschen», sagt Niederberger. «Wir sind es ja nicht, die den Wolf wollen. Das ist für mich schlussendlich eine politische Frage, die jetzt auf unserem Rücken ausgetragen wird.»

«Das Land ist dicht besiedelt. Entstehen einmal Wolfsrudel, könnten auch Menschen und Grosstiere bedroht sein.»

Thomas Niederberg
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Er selber finde, für den Wolf habe es in der Schweiz nur sehr beschränkt Platz. «Das Land ist dicht besiedelt. Entstehen einmal Wolfsrudel, könnten auch Menschen und Grosstiere bedroht sein.» Herdenschutz funktioniere zudem nicht immer, sagt Thomas Niederberger. «Vieles davon trainiert den Wolf einfach nur. Er schlüpft unter Zäunen hindurch oder springt darüber und lässt sich von Blinklampen nach wenigen Tagen nicht mehr beeindrucken.» Zäune seien zudem eine Gefahr für anderes Wild, während Herdenschutzhunde zu Konflikten mit Fussgängern führen könnten.

Viele Schafhalter überlegten sich, ob sie unter diesen Umständen noch Schafe halten und mit ihnen auf die Alp ziehen wollten. «Verwaiste Alpen aber verganden, was zu Lawinengefahr führt und auch nicht mehr so schön aussieht wie im Tourismusprospekt», gibt Thomas Niederberger zu bedenken.

Der Bund kommt den Schafhaltern etwas entgegen

Die Abschussquote, heute bei 25 Tieren in einem Monat oder 35 innert vier Monaten, sollte viel tiefer sein, findet er. Und: «Jeder Schafriss sollte dazu zählen, ob Herdenschutz betrieben wurde oder nicht.» Konkrete politische Vorstösse, wie etwa die Volksinitiativen im Wallis oder diejenige in Uri, die nun zu einer Standesinitiative werden sollen, seien in Nidwalden jedoch nicht geplant, sagt Niederberger. Tatsächlich sei es nach wie vor so, dass nur solche Risse zur Abschussquote zählen, zu denen es trotz zumutbarer Schutzmassnahmen kam, bestätigt Fabian Bieri auf Anfrage. «Als zumutbar gelten Massnahmen, welche die kantonale Herdenschutzberatungsstelle zusammen mit dem Landwirt anlässlich des Auftretens erster Schäden vereinbart hat. Falls diese Massnahmen nicht ergriffen werden, gelten die Nutztiere als ungeschützt.»

Der Bund sei den Schafhaltern dieses Jahr jedoch in einer teilweisen Anpassung des Konzepts Wolf Schweiz einen Schritt entgegengekommen, so Bieri: «Die Entsorgung von Tierkadavern wird neu entschädigt, und auch allfällige Tierarztkosten für verletzte Schafe werden übernommen.»