Wolfenschiessen
Auch beim zweiten Anlauf gibt's noch Opposition zum Bike-Projekt mit Engelberg

Gut eine halbe Million Franken würde Wolfenschiessen die neue Bike-Destination kosten. Gut investiert oder unangebracht für die überschuldete Gemeinde? Die Meinungen an der Infoveranstaltung gingen auseinander.

Matthias Piazza
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Der Bike-Trail vom Jochpass nach Trübsee.

Der Bike-Trail vom Jochpass nach Trübsee.

Bild: Roger Grütter (Wolfenschiessen, 14. Juli 2018)

Manch ein Wolfenschiesser dürfte an der Infoveranstaltung vom Dienstagabend (am Mittwochabend gab's eine zweite, um nicht zu viele Bürger auf einmal zu vereinen) ein Déjà-vu gehabt haben. Verständlich. Nur 15 Monate nachdem die Wolfenschiesser an der Gemeindeversammlung Pläne für ein grösseres Projekt für Bike- und Wanderwege für 800'000 Franken abgelehnt hatten, wollte der Gemeinderat die Bürger schon wieder für eine ähnliche Vorlage begeistern. Am 7. März stimmen die Wolfenschiesser über ihren Beitrag von 490'000 Franken ab. Dafür gebe es mehr als genug Gründe.

«Wir haben nun eine komplett andere Ausgangslage. So haben wir nun alle Grundeigentümer im Boot, auch müssen wir dank Kanton und anderer Geldgeber mit 490'000 Franken nur gut die Hälfte für den Wolfenschiesser Teil berappen», referierte Vize-Gemeindepräsident Thomas Vetterli vor den 50 Wolfenschiessern (mehr durften wegen Corona nicht teilnehmen). Auch der damals kritisierte Alleingang falle als Kritikpunkt weg. Thomas Vetterli geriet ins Schwärmen, als er das mit Engelberg gemeinsam aufgegleiste Projekt vorstellte. Er sprach von einer Lanze, die für den Tourismus so eingelegt werde. Vom Wandern und Biken, das in den vergangenen Jahren, nicht erst seit Corona, einen regelrechten Boom erlebt habe, von einer Win-win-Situation für Biker, Wanderer, Landwirte und Grundeigentümer.

Es müsse etwas getan werden. «Wegen fehlender Bikewege fahren Biker bei der Walenalp durchs Jagdbanngebiet. Was, wenn dereinst ein Fahrverbot kommt?», nannte er ein Beispiel. Auch kämen sich Biker und Wanderer häufig in die Quere, was dank zusätzlicher Trails dann fast nicht mehr der Fall sein werde. Und auch, dass die Wanderer zwischen Wolfenschiessen und Oberrickenbach auf der Strasse gehen müssten, gehöre dann der Vergangenheit an. Ebenso würden mit dem Projekt so viele Wege nicht mehr Weiden von Mutterkühen durchkreuzen.

Die Frage nach der Wertschöpfung

Einige Diskussionsteilnehmer waren weniger euphorisch. Sie fanden es nicht gerechtfertigt, dass sich eine Gemeinde mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 6530 Franken an einer Bike-Destination mit 490'000 Franken beteiligen soll, und verwiesen dabei auch auf die Finanzkommission, die sich wie schon 2019 gegen das Projekt ausspricht. Thomas Vetterli sprach hingegen von sehr gut investiertem Geld: «Wir erhöhen damit unsere Standortattraktivität, stärken den Tourismus und tun der Landwirtschaft etwas Gutes. Insbesondere profitieren auf unserem Gemeindegebiet achtzehn Seilbahnen oder Sessellifte und zehn Alpgastronomiebetriebe, wenn sie besser für Biker und Wanderer erschlossen sind.» Aber natürlich sei die Wertschöpfung nicht genau bezifferbar, das hänge auch von den touristischen Leistungsträgern selber ab.

Die Frage nach der Rentabilität sei auch aufgeworfen worden, als es um die gemeinsame Schaffung einer Tourismusregion Wolfenschiessen/Engelberg gegangen sei. Damals hätten nur etwa 20 Prozent der Engelberger Ferienhausbesitzer die Bannalp über den Walenpfad besucht. «Heute sind es gegen 70 Prozent.» Auch die Bauernbähnli-Safari sei ein Erfolg geworden und habe in den Medien gar internationale Beachtung gefunden. «Auch wenn man den Nutzen dieser Marketingaktivität nicht in Franken beziffern kann, durften wir doch feststellen, dass die Frequenzen bei diesen Seilbahnen zugenommen haben.»

Neuzuzüger dank Bike-Destination

Nora-Lina Burch, Präsidentin der IG Bike- und Wanderwege, fand, dass eine solche Bike-Destination dazu beitragen könne, die Gemeinde attraktiver zu machen, was Neuzuzüger anlocken könne. Weitere Redner sprachen von einem zukunftsweisenden Projekt, von einer Lösung des Problems, dass sich heute Biker und Wanderer in die Quere kommen. Sagen auch die Engelberger am 7. März ihrem Beitrag von 740'000 Franken zu, soll die Bike-Destination mit insgesamt einem Dutzend neuer oder verbesserter Trails realisiert werden.

CVP, Grüne und SVP dagegen, FDP dafür

Der Vorstand der CVP und die Ortspartei der Grünen Wolfenschiessen empfehlen für den 7. März ein Nein zum Bike-Projekt. Die finanzielle Belastung sei für die stark verschuldete Gemeinde zu gross. In den nächsten Jahren stünden weitere kostenintensive Projekte an, wie etwa die Umgestaltung im Bereich Gemeindehaus/Gewerbe an der Aa oder der behindertengerechte Neubau der Postautohaltestellen. Zudem profitierten nur die Wolfenschiesser Biker vom Projekt. Überdies generiere es keinen wesentlichen touristischen Mehrwert.

Auch die SVP spricht sich gegen den Kredit aus. «Die Investitionen von einer halben Million Franken stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Nur ein kleiner Teil der Allgemeinheit profitiert von diesem Projekt», sagt der Wolfenschiesser SVP-Landrat Urs Zumbühl. Wolfenschiessen als Gemeinde mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung Nidwaldens könne sich dies nicht leisten. 

Anders sieht dies die FDP, die sich für den Kredit ausspricht. «Eine Situations- und Strukturverbesserung in unserem Naherholungsgebiet bietet grosse Chancen. Das bestehende Wegnetz wird so umgebaut, dass für die Grundeigentümer ein Mehrwert zur Bewirtschaftung der Landwirtschafts- und Waldflächen entsteht», schreibt die Partei. Auch das Konfliktpotenzial zwischen Freizeitsportlern und Grundeigentümern werde dadurch entschärft. Kleinseilbahnen und Alpbetriebe profitierten von höheren Besucherfrequenzen. Zulieferfirmen wie Metzgereien und Bäckereien im Dorf könnten mit höheren Umsätzen rechnen. (map)