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WOLFENSCHIESSEN: Berghaus Jochpass: Hier helfen auch die Gäste beim Schaufeln

Seit 20 Jahren führen Erwin und Trudy Gabriel das Berghaus Jochpass – dabei haben sie auch Freundschaften geschlossen. Dass es auf 2222 Metern über Meer auch stürmisch zu und her gehen kann, nehmen sie gelassen hin.
Matthias Piazza
Der Jochpass ist auch immer wieder Schauplatz von Anlässen (im Bild der Waterslide-Contest). (Bild: Roger Grütter (Wolfenschiessen, 22. April 2017))

Der Jochpass ist auch immer wieder Schauplatz von Anlässen (im Bild der Waterslide-Contest). (Bild: Roger Grütter (Wolfenschiessen, 22. April 2017))

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Beim Interviewtermin klingelt das Handy. Eine Mitarbeiterin meldet, dass sie krank ist. «Alles klar, dann hältst du mich auf dem Laufenden. Ich wünsche dir gute Besserung.» Man merkt es. Erwin Gabriel lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Seit 20 Jahren sind der 58-Jährige und seine Frau Trudy (50) die gute Seele im Berghaus Jochpass.

Mit 45 topmotivierten Mitarbeitern, darunter auch vielen langjährigen, wie dem Küchenchef Raoul Mallinger, der ihm seit 20 Jahren tatkräftig zur Seite steht, sorgt das Paar für das Gästewohl auf 2222 Metern über Meer. «Es braucht schon sehr viel Flexibilität», sagt er mit Blick auf die jüngsten Wetterentwicklungen. «Wir hatten zwei sehr bewegte Wochen hinter uns, hatten wegen Sturm zeitweise geschlossen. Das heisst, wir konnten keine Gäste aufnehmen, weil der Aufenthalt draussen zu gefährlich gewesen wäre.»

Eine Familie aus der Ostschweiz, Stammgäste, durften aber trotzdem im Berghaus einchecken. «In windstillen Stunden schaufelten sie mit uns vor dem Haus Schnee. Wir haben eben flexible Gäste», lacht Erwin Gabriel. Und diese Flexibilität ist diesen Winter besonders gefragt. «Sind es in normalen Wintern drei, gab es im laufenden Winter schon fünf Sturmtage.» Das bedeutet für die Angestellten einen Freitag und für das Berghaus Einnahmeverluste. Doch mit solchen Schwankungen lerne man zu leben, die Sicherheit gehe schliesslich vor. «Ich sage immer: Das Wetter findet statt.» Und mit diesem Wetter können die Gabriels auch in diesem speziellen Winter umgehen, der wie ein Märchen begonnen habe, mit viel Schnee – im Gegensatz zum Winter davor. «Mit Schnee fällt unserem Team der Saisonstart mental viel leichter», führt Gabriel aus.

Mitarbeiterzahl wuchs von 18 auf 45

Es war 1998, als er in einem Inserat las, dass ein Hüttenwirt gesucht werde. «Der Jochpass in dieser tollen Berglandschaft hat mich immer gereizt», erklärt er.Er bewarb sich ohne grosse Hoffnungen. Doch es klappte mit seiner Traumstelle. Die lange Dauer von 20 Jahren sei ihm gar nicht so bewusst, ausser, wenn er an die vielen Veränderungen zurückdenke. Die Mitarbeiterzahl wuchs in dieser Zeit von 18 auf 45. Es gab vier grosse Umbauten und Erweiterungen, das letzte Mal 2014. Die Unterkunft wurde komfortabler, auch die Arbeitsabläufe. «Früher mussten wir jede Harasse siebenmal in die Hand nehmen. In einer Menschenkette gelangte die Ware in den Vorratsraum. Heute haben wir dafür ein Schneefahrzeug», macht Trudy Gabriel ein Beispiel. Auch das Verhalten der Gäste habe sich verändert, die immer öfters den bedienten Bereich im Restaurant der Selbstbedienung vorziehen würden. «Früher wurde nur in Ausnahmefällen mit Karte bezahlt, heutzutage in zwei von drei Fällen. Die Skandinavier haben gar nie Bargeld bei sich.» Mit dem Internet sei die Buchung verbindlicher geworden, dank der Vorauszahlung eines gewissen Betrages. «Die Leute treten dann ihren Aufenthalt auch an, früher meldeten sie sich oft kurzfristig telefonisch ab», erinnert sich Gabriel.

In den Jahren seien auch Freundschaften entstanden. «Eine Familie aus Oberägeri kommt schon seit 35 Jahren zu uns – immer über Ostern. Bei ihrem ersten Besuch war die Frau schwanger, jetzt hat sie ihre Grosskinder dabei», so Trudy Gabriel. Auch nach zwei Jahrzehnten gefällt es den Gabriels noch immer auf dem Jochpass. «Wir schätzen den Freiraum und das Vertrauen, das uns die Alpgenossen schenken. Solange wir noch Freude haben, machen wir’s».

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