WOLFENSCHIESSEN: Das 550-jährige Tätschhaus wird total saniert

Das zweitälteste Haus Nidwaldens wird saniert. Der altehrwürdige Geist soll bewahrt bleiben, ohne dabei auf Komfort zu verzichten.

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Margrith und Paul Näpflin vor ihrem Haus in Wolfenschiessen Obkapellen. (Bild Urs Rüttimann/Neue NZ)

Margrith und Paul Näpflin vor ihrem Haus in Wolfenschiessen Obkapellen. (Bild Urs Rüttimann/Neue NZ)

Das zweitälteste Haus in Nidwalden wird total erneuert. Dabei braucht das traditionelle Bauernhaus Obkapellen in Wolfenschiessen Dörfli, das auf die Jahre zwischen 1445 und 1455 zurückzu-datieren ist, eine besonders sorgfältige Behandlung. Denn 1998 ist das so genannte Tätschhaus, erbaut in der damaligen Blockbauweise, von der Denkmalpflege Nidwalden zu einem «schützenswerten Objekt von regionaler Bedeutung» erhoben worden. Nur noch das Bannwartähaus mit Baujahr zwischen 1316 und 1335 ist älter. Es steht ebenfalls in Wolfenschiessen.

Der Kachelofen brachte es im Winter auf 14 Grad
«Ich finde dieses Bauernhaus sehr schön. Deshalb wollten ich es nicht verlottern lassen», sagt Paul Näpflin. Im einberufenen Familienrat konnte er sich schliesslich durchsetzen, obwohl seine Karten anfangs nicht sonderlich gut standen. Denn seine Frau Margrith wollte nicht von Stans wegziehen und in das alte Haus zügeln, wo bis 2002 noch die Mutter von Paul Näpflin in einfachsten Verhältnissen lebte. Zu spartanisch und hart kam ihr das Leben dort vor.

«Im Winter lag die Temperatur der Räume bei 10 Grad, und nur in der Stube schaffte der Kachelofen ein Wärme von 14 Grad», schildert entsprechend Paul Näpflin. Er selbst, der die Kindheit dort verbracht hatte, sah die Sache weniger schwarz. Totalsanierung, eine 3-einhalb-Zimmer-Wohnung für sich selbst und eine grosszügige 4-einhalb-Zimmer-Wohnung für die Tochter mit ihrem Freund so lautet sein Vorschlag, mit dem er sich am Familienrat durchsetzte.

Umbauarbeiten während fast eines Jahres
Das Haus entspricht noch weitgehend dem Originalzustand. Nur das Dach wurde im 19. Jahrhundert leicht angehoben und steiler ausgerichtet. Im 18. Jahrhundert wurde zudem an der hinteren Fassade ein kleines Käserhäuschen im Fachwerkbau angehängt. «Trotz des geschichtlichen Wertes zeigte sich die Denkmalpflege grosszügig», bemerkt Näpflin zur Sanierung. Vier Fensterausbrüche wurden vorgenommen. Und im Keller steht eine modernste Heizung für Stückholz, die für Wärme in den Radiatoren sorgt. Gegen die einstige Kälte ist das Haus am Dach und an der Kellerdecke sowie inwendig an den Wände gedämmt worden.

Ansonsten werden unter anderem alle Balken, die schwarz vor Russ sind, geputzt, beschädigte Holzpartien repariert, die Wände wieder getäfert und der Parkettboden erneuert. Der hohe Arbeitsaufwand für die Sanierung schlägt sich in der Bauzeit nieder: Seit November 2007 wird gearbeitet. Im Spätherbst soll das Haus bezugsbereit sein.

Sanierung kostet ziemlich viel – der Kanton hilft mit
«Eine solche Sanierung kostet mehr als der Bau eines neuen Einfamilienhauses», sagt Paul Näpflin. Eine genaue Zahl will er aber nicht nennen, da sich die Kosten bei einem solchen Projekt nicht einfach einschätzen lassen. Dass die Sanierung des alten Hauses viel kostet, unterstreicht auch der Nidwaldner Denkmalpfleger Gerold Kunz. «Doch dafür werden die Hausbesitzer durch zwei einzigartige Wohnungen entschädigt, in denen es sich sehr behaglich leben lässt», fügt er hinzu.

Die anfallenden Baukosten werden zu einem guten Teil von der Denkmalpflege mitgetragen. Bei einem Objekt von regionaler Bedeutung, wie es das Haus Obkapellen ist, werden gemäss Gesetz die subventionsberechtigten Kosten zu 50 Prozent vom Kanton übernommen. Paul Näpflin wird sich beim Haus Obkapellen beispielsweise die Holzarbeiten und die Überdachung mit den traditionelle «Biberschwanzziegeln» anrechnen lassen können, nicht aber die Wärmedämmung.

Urs Rüttimann

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Nidwaldner Zeitung.