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WOLFENSCHIESSEN: Der Humligenbach ist jetzt gezähmt

Verlässt bei Hochwasser der Humligenbach sein Bachbett, richtet er im Dorf keinen Schaden mehr an – er überflutet die Wiese.
Matthias Piazza
Gemeindeschreiber Andreas Bünter (links) und Gemeinderat Remigi Zumbühl beim Humligenbach. (Bild Corinne Glanzmann)

Gemeindeschreiber Andreas Bünter (links) und Gemeinderat Remigi Zumbühl beim Humligenbach. (Bild Corinne Glanzmann)

Ruhig fliesst der Humligenbach in seinem Kanal beim Zälgli-Schulhaus und dem Eyacher vorbei und weiter unten in die Engelbergeraa. Viel zu überdimensioniert scheint der Kanal für dieses kleine Bächlein, das sich an diesem schönen Frühlingstag als harmloses, unscheinbares Rinnsaal präsentiert. Fast möchte man den Sinn dieser aufwendigen Hochwasserschutzmassnahmen in Frage stellen, die auf der angrenzenden Wiese in vollem Gang sind. Riesige Bagger schichten einige Meter vom Ufer entfernt Humus auf, den sie zuvor in Bachnähe abgetragen haben, um so die Wiese in Ufernähe abzusenken – rund 9000 Kubikmeter. Es ist Kulturland von rund 13 000 Quadratmeter betroffen.

Denn der Humligenbach, der auch das Wasser des Zälglibachs mitführt, kann auch anders. Bei Hochwasser wird das harmlose Bächlein zu einem reissenden Strom, der im Extremfall über den Kanal tritt, aber nun keinen Schaden mehr an den Siedlungen anrichtet. «Der Humligenbach überflutet dann geordnet das Kulturland und fliesst weiter unten wieder in sein Bachbett zurück. Die Häuser bleiben verschont», erklärt Tiefbauchef und Gemeinderat Remigi Zumbühl. «Wohl müsste dann das Kulturland wieder in Stand gestellt werden, was aber wesentlich weniger schlimm ist, als wenn Häuser und Strassen Schaden nehmen.»

Die Massnahmen sind auf ein Ereignis ausgelegt, wie es statistisch gesehen alle hundert Jahre nur einmal vorkommen sollte, wie etwa dem Hochwasser 2005. Dass man die Mauer des Kanals nicht ganz eingerissen habe, habe einen finanziellen Grund, erläutert Gemeindeschreiber Andreas Bünter. «Die Mauer ist gerade mal 30 Jahre alt und erfüllt ihren Zweck immer noch. Sie bereits jetzt zu entfernen, wäre Geldverschwendung.»

Pflanzen verschönern neu das Ufer, dies im Rahmen der ökologischen Aufwertung. Remigi Zumbühl rechnet damit, dass die letzten Arbeiten bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sind. Bereits in Betrieb sind die beiden Sammler am oberen Bachlauf, welche von 600 auf 2000 Kubikmeter und von 1000 auf 4000 Kubikmeter Fassungsvermögen vergrössert wurden. Rechen halten grösseres Kies und Geschiebe in diesen Sammlern zurück. Damit wird verhindert, dass Durchflüsse verstopft werden.

Remigi Zumbühl ist mit dem bisherigen Ergebnis zufrieden. «Wir liegen im Zeitplan, und auch die budgetierten Kosten von 1,5 Millionen Franken können wir einhalten.»

Gerüstet für Jahrhundertereignis

Für ein Hochwasser wie 2005 wäre man nun gerüstet. Bewähren musste sich die Anlage allerdings noch nie. Die stärkeren Regenfälle Anfang Monat etwa stellten keinen Härtetest dar. «Eine Wildbachsituation hatten wir nicht. Die Regenmengen verteilten sich über einen längeren Zeitraum, die Bäche führten kein Geschiebe mit», weiss Andreas Bünter.

Der Humligenbach ist das vierte und letzte Projekt im Gebiet des Wolfenschiesser Dorfes. Und auch dasjenige, das am nächsten bei einer Siedlung liegt. Die Bevölkerung habe immer sehr viel Verständnis für die Bauarbeiten und den damit verbundenen Lärm gezeigt. «Die Akzeptanz im Dorf ist gross. Die Leute sehen den Nutzen dieser Arbeiten ein, haben das Hochwasser 2005 nicht vergessen», erklärt Remigi Zumbühl. «Zudem haben wir die Projekte immer zusammen mit den Grundeigentümern erarbeitet, sie mit ins Boot geholt und damit auch Verzögerungen durch Einsprachen verhindert.»

Viertes und letztes Projekt

Knapp vor dem Hochwasser vor zehn Jahren umgesetzt wurde der Ausbau des Sammlers Sulzmattweid von 3000 auf 10 000 Kubikmeter für 3,3 Millionen Franken, womit gemäss Gemeinde ein Schaden von rund 50 Millionen Franken verhindert wurde. 2009 wurde im Secklisbach ein Sammler für 115 000 Kubikmeter gebaut für 3,4 Millionen Franken. Und vor drei Jahren wurde der Abschnitt Lochrütibach im Umfang von 3,3 Millionen Franken abgeschlossen. Dabei wurde das Gerinne verbreitert, das Ufer abgeflacht und ein neuer grösserer Durchlass unter der Kantonsstrasse und dem Trassee der Zentralbahn gebaut.

Für die Hochwasserschutzmassnahmen beim Buoholzbach an der Gemeindegrenze zu Oberdorf sprachen die Wolfenschiesser bisher Planungskredite von 900 000 Franken zu.

An den Gesamtkosten von 12,4 Millionen Franken beteiligen sich Bund und Kanton mit total 65 Prozent. Rund vier Millionen Franken muss die Gemeinde Wolfenschiessen übernehmen. «Das ist nicht wenig, aber gut investiertes Geld, mit dem Wolfenschiessen vor grossem Schaden bewahrt wird», meint Remigi Zumbühl.

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