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WOLFENSCHIESSEN: Er weiss, wie man das Gewissen misst

Sepp Käslin ist der dritte Kandidat für den Nidwaldner Sitz im Ständerat. Er möchte mehr Hochhäuser und sieht sich selber als Querdenker.
Der Wolfenschiesser Sepp Käslin (68) tritt als Parteiloser zur Wahl für den Ständerat an. (Bild Corinne Glanzmann)

Der Wolfenschiesser Sepp Käslin (68) tritt als Parteiloser zur Wahl für den Ständerat an. (Bild Corinne Glanzmann)

Martin Uebelhart

«Gedanken über eine Kandidatur habe ich mir schon seit einiger Zeit gemacht», sagt Josef («genannt Sepp») A.R. Käslin im Gespräch mit unserer Zeitung. Am vergangenen Montag sei es dann «zackig» gegangen, nachdem er am Morgen herausgefunden hatte, dass am Mittag die Frist für die Einreichung der Kandidaturen ablaufe. Nun ist er der dritte Kandidat für den Ständerat in Nidwalden. «Der Ständerat ist mir näher, denn ich bin zutiefst Föderalist», sagt der 68-Jährige, der zunächst mit Kandidaturen für beide Räte geliebäugelt hatte.

Er tritt als Parteiloser zu den Wahlen an, hat aber durchaus eine Vorstellung seiner politischen Ausrichtung. Er fühlt sich im Gedankengut mit den Grünen verwandt, «doch sind sie mir zu wenig sozial und zu wenig professionell. Die Grünliberalen, so habe ich den Eindruck, sind mir näher.» Doch die gibt es in Nidwalden noch nicht.

Zersiedelung ist ihm Dorn im Auge

Man müsse sich politisch engagieren, um weiterzukommen, erwähnt er einen Anstoss für seine Kandidatur. Der Grundsatz «nach bestem Gewissen und dem dazugehörigen Wissen» müsse seiner Ansicht nach noch viel mehr in der Politik Einzug halten. «Dass man weniger Positionen vertritt, sondern mehr Interessen und Anliegen.» Er habe den Eindruck, dass er immer gute Erfahrungen mit Beziehungen zu jenen Leuten gemacht habe, die wirklich arbeiten. «Ich kann beide Welten ansprechen», betont er. Er habe schon eine enorme Beweglichkeit in seinem Leben gezeigt. Er könne mit Bundesräten reden und mit einfachen Leuten. «In der Diskussion ist mir die Welt der Hochschulen schon näher», sagt der promovierte ETH-Naturwissenschaftler. «Doch die Wirtschaft muss funktionieren, man muss Substanz schaffen, sonst ist man im luftleeren Raum.»

Und was möchte Sepp Käslin in Bern als Ständerat erreichen? «Konkret möchte ich, dass die Bergregionen für das, was sie für die Schweiz und Europa leisten, ganz stark wertgeschätzt werden», hält er fest. Auch die KMU sollen geschätzt werden, denn sie würden die wesentliche Wertschöpfung schaffen.

Als Bauernsohn stört ihn auch die Zersiedelung der Landschaft, insbesondere rund um Stans. «Man sollte vermehrt über Hochhäuser nachdenken», findet er. «Und die Raumplanung und die Verkehrsströme besser koordinieren und steuern.» Ein Ziel ist für ihn weiter, den Ständen Ob- und Nidwalden ebenfalls zwei Sitze im Ständerat zuzuteilen.Käslin bezeichnet sich als Wieder- und Querdenker. Was er im Alltag durchaus spüre: «Teils haben sie mich gern, teils weniger. Ich stosse an durch meine Art, dass ich sehr authentisch bin und empathisch auf die Menschen zu gehe. Ich überrasche auch, weil ich einfach hoch kreativ bin.»

Wieder- und Querdenker

Der gebürtige Beckenrieder ist das älteste von 16 Kindern. Während der Lehre als Maschinenzeichner bei Sulzer in Winterthur bereitete er sich auf die Matura vor. Ein Jahr arbeitete er zudem als Konstrukteur bei den Pilatus-Flugzeugwerken. Danach entschied er sich, «Philosophie in der Form von Mathematik und Physik» zu studieren. Das Studium schloss er mit einer Arbeit über quantenmechanische Modelle von Nervenleitungen ab. Anschliessend beschäftigte er sich auch mit Verhaltenswissenschaft und doktorierte 1983 unter dem Titel «Nonverbales Verhalten in Gesprächen: Veränderungsmessung mit Prozessmodellen», wie die ETH Zürich bestätigt.

Während seiner Studien begriff er die Mathematik als Mutter aller Sprachen, die Physik als Mutter aller Wissenschaften und die Stochastik als Mutter aller Lebenswissenschaften. Stochastik umfasst die Gebiete der Wahrscheinlichkeitstheorie und der Statistik. Er setzte sich noch vertiefter mit Psychologie, vor allem unter dem Aspekt von Stress, auseinander. «Ich erlernte am Institut für angewandte Psychologie in Zürich das Handwerk zur Vorgesetztenschulung und -beratung.» Später arbeitete er unter anderem als Ausbildungsleiter bei der Schweizer Kaderorganisation, bevor er sich im Bereich Bildung und Coaching selbstständig machte.

«In den letzten Jahren habe ich analog des Intelligenzquotienten eine Konzeption entwickelt, wie man das Gewissen messen kann. Meine nächste Aufgabe wird sein, diese unter die Leute zu bringen.»

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