WOLFENSCHIESSEN: Trotz guter Lage und Umsätze findet sich kein Käufer

Über 30 Jahre führte das Wirtepaar Odermatt das «Alpina» erfolgreich. Nun will es sich zurückziehen, aber die Suche eines Nachfolgers ist schwierig.

Philipp Unterschütz
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Heidi und Werni Odermatt wollen das Hotel und Restaurant Alpina (oben) verkaufen. (Bilder Philipp Unterschütz)

Heidi und Werni Odermatt wollen das Hotel und Restaurant Alpina (oben) verkaufen. (Bilder Philipp Unterschütz)

«Wir haben die Einstellung, dass man das Alter geniessen und noch etwas unternehmen soll», sagt Werni Odermatt. Seit 32 Jahren wirtet er mit seiner Frau Heidi im Restaurant und Hotel Alpina in Wolfenschiessen. In der langen Zeit haben sie sich in der Region einen guten Namen geschaffen und können auf eine treue Kundschaft zählen. «Wirtschaftlich gesehen, gäbe es keinen Grund aufzuhören», erzählt Odermatt in seiner heimeligen Gaststube, die am Morgen bei unserem Besuch gut besucht ist von Arbeitern, Geschäftsleuten, Armeeangehörigen und Wanderern. «Der Betrieb läuft gut, die Zahlen stimmen. Wir haben aber keine Kinder, denen wir den Betrieb übergeben könnten, also müssen wir uns rechtzeitig um eine Nachfolgeregelung kümmern.» Bis spätestens in zweieinhalb Jahren möchten sich die Odermatts zurückziehen.

Verpachtung birgt auch Risiken

Schon vor mehreren Monaten hat Werni Odermatt deshalb einen Makler beauftragt, einen Käufer für die Liegenschaft zu finden. Einige Interessenten haben sich gemeldet – alle möchten die Gebäude jedoch anders nutzen. «Aber einen Umbau könnte ich auch selber vornehmen. Ich hätte eigentlich schon den Wunsch, dass der Betrieb weitergeführt wird, wobei ich mir bewusst bin, dass das vielleicht nicht möglich sein wird. Aber wir haben ja noch Zeit», sagt Odermatt. Der Wirt hat deshalb den Verkaufsauftrag mit dem Makler bis März 2015 verlängert. «Findet sich kein Käufer, dann wäre allenfalls auch die Verpachtung eine Option. Aber das birgt auch Risiken. Es gibt Beispiele in der Region, die gezeigt haben, wie schnell ein guter Name ruiniert werden kann.»

Sich ins gemachte Nest setzen

Das «Alpina» ist ein florierender Betrieb, profitiert von einer günstigen Lage an der viel befahrenen Durchgangsstrasse nach Engelberg und deckt laut Odermatt auch klar ein Bedürfnis der Wolfenschiesser ab. Weil der Wirt immer wieder investiert hat, ist auch die Infrastruktur in gutem Zustand. Man dürfte also meinen, ein Nachfolger könnte sich ins gemachte Nest setzen. Doch Werni Odermatt sieht schon Gründe, warum man einen Käufer nicht auf die Schnelle findet. Die vielen Gesetzesänderungen in der Gastronomie hätten es schwie­riger gemacht. Man müsse sehr flexibel sein, lange Arbeitszeiten auf sich nehmen. Und für Jüngere könne auch die Finanzierung via Banken ein Problem sein. «Aber auch wenn es uns dann wohl nicht nur leichtfallen wird, meine Frau und ich wollen wirklich aufhören und das Leben mehr geniessen. Uns wird es nicht langweilig werden.» Heidi und Werni Odermatt haben denn auch schon Pläne. So freuen sie sich darauf, die kältere Jahreszeit in ihrem Haus in Spanien zu verbringen oder mit ihrem Wohnmobil die Küsten von Frankreich und Spanien abzufahren.

Warum bleiben die Käufer aus?

Nicht nur das Wirtepaar Odermatt vom «Alpina» in Wolfenschiessen hat Mühe, einen Käufer für seinen Betrieb zu finden. Wir fragten den Gastroexperten Herbert Huber nach Gründen.

Ist es tatsächlich so schwierig, einen Gastrobetrieb zu verkaufen?
Herbert Huber:
Das ist wirklich so. Es gibt viele gut geführte, erfolgreiche Restaurants an guter Lage, für die sich lange kein Käufer findet, der den Betrieb weiterführt. Es ist schon etwas traurig, wenn sich da hervorragende Gastgeber jahrelang engagiert haben, 12 bis 14 Stunden täglich im Einsatz gestanden sind und dann keinen Abnehmer finden, wenn sie mal ihr Lebenswerk verkaufen möchten. Oft ist es auch noch so, dass der Verkäufer gerade mal 50 Prozent des Preises bekommt, den er sich eigentlich vorgestellt hatte.

Warum ist das so?
Huber:
Die Finanzierung ist sicher die grösste Hürde. Vor allem für Junggastronomen, die oft nicht die nötigen finanziellen Mittel für einen Kauf haben. Bei den Banken haben Gastrobetriebe bezüglich Kreditvergaben ein ganz schlechtes Rating. Da ist kaum etwas zu bekommen. Da nützt auch die Liegenschaft an sich als Sicherheit nichts. Man müsste also einen Investor finden, der auch ein gewisses Risiko mitträgt. Da hat es in der Zentralschweiz bereits einige Fälle gegeben – auch mit Investoren aus dem Nahen und Fernen Osten, welche über die nötigen Finanzmittel verfügen.

Gibt es weitere Argumente gegen den Kauf eines Restaurants?
Huber:
Es gibt immer weniger Wirte von altem Schrot und Korn, für die Gastlichkeit unabhängig vom finanziellen Ertrag eine Herzenssache ist. Und weil man von jeher als Unternehmer im Gastgewerbe selten das grosse Geld verdient, hält das viele Junge, die sogar gute und Erfolg versprechende Konzepte hätten, davon ab einzusteigen. Es ist heute so, dass ein junges Paar, beispielsweise ein Koch und eine Servicefachfrau, als Angestellte mehr verdienen, als wenn sie selber ein Restaurant eröffnen und dafür wesentlich längere Präsenzzeiten leisten müssen.