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WOLFENSCHIESSEN: Wolfenschiessen schenkt Engelberg ein Stück Land

Das Bänkli beim Bahnübergang Oberau eingangs Wolfenschiessen auf der rechten Strassenseite ist auf den ersten Blick nichts Spezielles. Es thront auf einer kleinen Anhöhe, nebenan rauschen die Autos und die Lastwagen auf der Hauptstrasse vorbei, unterwegs nach Engelberg oder in Richtung Dallenwil/Stans. Doch das Plätzchen hat Symbolkraft.
Matthias Piazza
Der Engelberger Talammann Martin Odermatt (links) und Hans Kopp, Wolfenschiesser Gemeindepräsident, beim geschenkten Bänkli. (Bild Matthias Piazza)

Der Engelberger Talammann Martin Odermatt (links) und Hans Kopp, Wolfenschiesser Gemeindepräsident, beim geschenkten Bänkli. (Bild Matthias Piazza)

Denn ruht man sich hier aus, sitzt man auf Engelberger und damit Obwaldner Boden – und das mitten in Wolfenschiessen. Es geht um drei Quadratmeter Boden, den die Nidwaldner Gemeinde dem Klosterdorf geschenkt hat. Grenzsteine am Boden markieren die Parzelle.

Dabei handelt es sich nicht etwa um einen verspäteten 1.-April-Scherz. Davon zeugt die öffentliche Urkunde, die in dieser Woche von den beiden Gemeindepräsidenten und ihren Gemeindeschreibern unterzeichnet wurde.

Muss Grenze neu gezogen werden?

Hat Wolfenschiessen jetzt eine drei Quadratmeter grosse Obwaldner Enklave? Verschieben sich die Flächenverhältnisse der beiden Kantone und der beiden Gemeinden? Muss jetzt das Bundesamt für Statistik bemüht und müssen Schulbücher umgeschrieben werden? Ganz so ist es nun doch nicht, relativiert der Wolfenschiesser Gemeindeschreiber Andreas Bünter: «Das wäre dann doch eine grosse Kiste.» Tatsache ist: Am Wolfenschiesser Gemeindegebiet wird nicht gerüttelt, keine neuen Grenzziehungen, keine neuen Enklaven. Die Parzelle wurde den Engelbergern lediglich geschenkt. Das tut der Freude des Beschenkten aber keinen Abbruch – im Gegenteil. Der Engelberger Talammann (Gemeindepräsident) Martin Odermatt sieht eine Annäherung der benachbarten Gemeinden. «Bei Konflikten können wir uns künftig auf das Bänkli setzen und eine Lösung aushandeln», meint er augenzwinkernd.

Auch seine Bürger profitierten: «Auf dem Nachhauseweg können sie hier bereits das erste Mal heimatlichen Boden betreten, weit vor der Gemeindegrenze», sagt er. «Vielleicht ist dies der erste Schritt zu einer Fusion», führt er seine Gedanken weiter, ohne allerdings konkreter zu werden. Wohl aus gutem Grund.

Geschenk zum 200-Jahr-Jubiläum

Entstanden war die Idee für die Landschenkung im vergangenen Jahr, als Engelberg 200 Jahre Zugehörigkeit zu Obwalden feierte. «Wir wollten etwas schenken, das nicht vergänglich ist», erinnert sich Wolfenschiessens Gemeindepräsident Hans Kopp. Zum Bänkli gesellen sich ausserhalb des Engelberger Grundstücks zwei bronzene Figuren in Form einer wandernden Frau und eines Kindes. Ein Wanderwegweiser komplettiert das Plätzchen.

Land zuerst kaufen müssen

Dafür war die Gemeinde bereit, Opfer zu bringen. «Wir haben sehr wenig eigenes Land. Das Fleckchen kauften wir der Korporation ab», sagt Hans Kopp, ohne den Preis nennen zu wollen. Die Wolfenschiesser wurden nicht dazu befragt, weder an der Urne noch an der Gemeindeversammlung. Das sei aber auch nicht nötig. «Unsere Bürger finden die Idee toll, da bin ich sicher. Aber ums Bänkli muss sich fortan Engelberg kümmern», hält er schelmisch fest.

Matthias Piazza

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