Wolfenschiesser Wanderwege sollen biketauglich werden

Der Wolfenschiesser Gemeinderat will sein Wegnetz revolutionieren. Die erste Tranche kommt nun an die Gemeindeversammlung.

Matthias Piazza
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Das Gemeindehaus in Wolfenschiessen. (Bild: Corinne Glanzmann, 4. September 2018)

Das Gemeindehaus in Wolfenschiessen. (Bild: Corinne Glanzmann, 4. September 2018)

Ein Teil der Wanderwege in Wolfenschiessen ist teils in einem schlechten Zustand und längst nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Dieses Bild zeichnet zumindest der Wolfenschiesser Gemeinderat.

Nun will er sein Wandernetz revolutionieren. In einer ersten Tranche soll der Abschnitt Wellenberg–Bettelrüti–Sagenrüti–Schüpfentobel–Obfuhr saniert und auch für Mountainbikes tauglich gemacht werden. Abschnitte werden je nachdem «nur» saniert oder wie im Obkapellenwald verlegt und neu gebaut. Der Weg wird auf einen bis zwei Meter verbreitert, natürliche Hindernisse wie Mulden und Senkungen werden im Wegbau integriert. Geben die Wolfenschiesser an der Gemeindeversammlung vom kommenden Freitag grünes Licht für den 200'000-Franken-Kredit, wird das Projekt in den nächsten zwei Jahren saniert. Ein Jahr später soll dann bereits die zweite Tranche im selben Betrag an die Reihe kommen, der Wanderweg Walenalp–Brunnisalp–Eschlen–Altzellen. Auch darüber wird am Freitag abgestimmt.

2024 soll voraussichtlich eine Verbindung von Wolfenschiessen nach Oberrickenbach, ein Jahr später die Erschliessung der Sinsgäuer Schonegg in Koordination mit dem Urner Richtplan (je 100'000 Franken) kommen. 2026/27 soll für 200'000 Franken der Storeggpass erschlossen werden.

Wanderwege sollen nicht mehr über Weiden führen

«Wir wollen diese Wanderwege zusammen mit der Landwirtschaft ins neue Jahrtausend führen. Das war der Auslöser für das Grossprojekt», erklärt Gemeindevizepräsident Thomas Vetterli, der für das Geschäft zuständig ist. «Es ist nicht mehr zeitgemäss, wenn Wanderwege über Weiden führen.» Zu dieser Erkenntnis sei man nicht erst seit den zwei Zwischenfällen diesen Sommer gekommen. Kühe hatten im Gebiet Bannalp Wanderer angegriffen und teils verletzt, als sie eine Weide durchqueren wollten.

Bei dieser Gelegenheit will der Gemeinderat die Wanderwege wieder auf die Höhe der Zeit bringen und insbesondere dem Mountainbike-Trend Rechnung tragen, indem nicht stark benutzte Wanderwege zu Kombiwegen ausgebaut werden. «Mountainbiken wird das neue Skifahren im Sommer», ist Thomas Vetterli überzeugt. «Dafür müssen wir die Wege ausbauen und verbreitern, damit sich Wanderer und Biker nicht gegenseitig behindern.»

Widerstand von der Finanzkommission

Die Finanzkommission empfiehlt das Geschäft abzulehnen. Sie führt die hohen Kosten ins Feld, die sich die Gemeinde bei dieser angespannten Finanzlage nicht leisten sollte, schreibt sie in der Botschaft. Zudem sei der Ausbau des Mountainbike-Netzes kein gesetzlicher Auftrag. Auch bezweifelt die Finanzkommission, ob sich die Investition rechne.

«Wir wollen nicht warten, bis das nationale Velogesetz in Kraft ist. Der Druck auf die Gemeinde im Engelbergertal, bikefreundliche Weg zu realisieren, hat zugenommen», so Thomas Vetterli. Mit dem neuen Gesetz, das auf einem Verfassungsartikel fusst, der 2018 mit über 70 Prozent vom Schweizer Volk angenommen wurde, kann der Bund künftig auf säumige Kantone und Gemeinden Druck machen, die kein lückenloses Velowegnetz anbieten. Die Vorlage für das Gesetz geht erst nächstes Jahr in die Vernehmlassung.

Auch die finanzielle Situation der Gemeinde, deren Rechnung im vergangenen Jahr einen Fehlbetrag von rund 65'000 Franken aufwies, ist für Thomas Vetterli kein Hinderungsgrund. «Die 800'000 Franken auf acht Jahre verteilt sind verkraftbar und eine Investition in die Zukunft.»

Die Pläne gehen über die Gemeindegrenzen hinaus. So soll Wolfenschiessen ein interkantonales Routen-Zentrum mit Verbindungen nach Uri (Isenthal), Obwalden (Kerns und Melchtal), Engelberg, Nidwalden und Luzern werden. «Vom neuen Bikenetz profitieren alle: Biker, Wanderer und Landwirte», wirbt Thomas Vetterli.

Gemeinderat erwartet Defizit

Abgestimmt wird am Freitag auch über das Budget mit einem Defizit von 80'000 Franken (bei einem Aufwand von 3,7 Millionen Franken). Investitionen sind für 100'000 Franken vorgesehen. Der Steuerfuss soll bei 0,5 Einheiten belassen werden.

Auch der Schulrat rechnet für nächstes Jahr mit einem Defizit. Mit rund 6,6 Millionen Franken ist der Aufwand voraussichtlich um 489700 Franken höher als der Ertrag.

Die Kirchgemeinde rechnet mit einem Aufwandüberschuss von 17'600 Franken, bei einem Aufwand von 875'700 Franken. Die Nettoinvestitionen betragen 67'800 Franken. Der Steuerfuss soll bei 0,4 Einheiten belassen werden.

Unverändert bleibt der Steuerfuss auch bei der Kapellgemeinde – und zwar bei 0,5 Einheiten. Für nächstes Jahr erwartet der Kapellrat einen Ertragsüberschuss von 1000 Franken, bei einem Ertrag von 179'300 Franken.

Gemeindeversammlungen: Freitag, 22. November, ab 20 Uhr, Aula Zelgli. Kapellgemeinde: Sonntag, 24. November, 9.45 Uhr, nach dem Gottesdienst im Turnlokal Oberrickenbach.