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Wusste Partnerin nichts von seinem Arbeitspensum?

Im IT-Betrugsfall ist die Frau des Beschuldigen mitangeklagt. Sie verlangte vor Obergericht, den Schuldspruch wegen Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug aufzuheben. Sie habe ihm blind vertraut.
Oliver Mattmann

«Wir haben es hier nicht mit einem Verbrecherpaar wie ‹Bonnie und Clyde› zu tun», meinte Rechtsanwalt Karl Tschopp einleitend an der Verhandlung vor dem Nidwaldner Obergericht. Er wollte damit seine Mandantin, die langjährige Partnerin und heutige Ehefrau des mutmasslichen IT-Betrügers (siehe Haupttext), vom Vorwurf der Mittäterschaft entlasten. Laut Staatsanwaltschaft soll sie als Strohfrau gedient haben für ihren Mann, der faktisch die Firma geführt, sich so aber im Hintergrund habe halten können. Vom Kantonsgericht war sie wegen Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug und Unterlassung der Buchführung zu bedingten 18 Monaten Freiheitsstrafe mit einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt worden.

In seinen Ausführungen vor den Berufungsrichtern hielt Karl Tschopp fest, dass sie «in absolut keiner Art und Weise» Einfluss genommen habe auf die Handlungen der IT-Firma. Dass sie gelegentlich Dokumente unterzeichnet habe, sei rein formell bedingt und für den Weiterbestand der GmbH unumgänglich gewesen, da sie gegen aussen als alleinige Gesellschafterin auftrat.

Über Geld wurde zu Hause nicht gesprochen

Der Verteidiger argumentierte, sie sei selber lange Zeit einer Arbeit nachgegangen und habe «schlichtweg nicht wissen können», wie viel ihr Partner tatsächlich gearbeitet hat. Ferner sei ihr dessen Arbeit nicht verständlich gewesen. «Wie hätte sie also beurteilen können, ob er nun am Computer gearbeitet hat oder nicht?», stellte Karl Tschopp in den Raum. Geld sei zu Hause ein Tabuthema gewesen. Er habe ihr nie Auskunft gegeben, wenn sie nachfragte, woher das Geld komme, hätte sie ausgesagt. «Sie hatte ihm vertraut und zu keinem Zeitpunkt den Verdacht, es könnte etwas nicht mit rechten Dingen zu und her gehen.» Sie habe den Zweck der Eintragung ihres Namens im Handelsregister nicht mit einem Bezug der Invalidenrente in Verbindung gesetzt. Daran habe auch der hohe Lebensstandard nichts geändert, da sie selber ein Einkommen sowie ein Erbe hatte. Zudem könne nicht verlangt werden, dass sie gewusst haben soll, ab welchem Einkommen eine IV-Rente nicht mehr vereinbar sei. Sie sei in diesem Punkt deshalb freizusprechen.

Auf die Frage der Richter, warum sie sich als Geschäftsführerin einspannen liess, obwohl sie keine Ahnung von IT hat, und ihrem Mann alle Vollmachten übertrug, meinte die 59-Jährige nur: «Weil ich ihn liebe.» Er habe sich immer um alles Finanzielle gekümmert. An eine Aussage in der Einvernahme, sie bedaure, dass man gegenüber dem Arzt ihres Partners nicht die Wahrheit gesagt habe, vermochte sie sich an der Verhandlung nicht mehr erinnern.

Staatsanwalt: «Das ist unglaubwürdig»

Staatsanwalt Alexandre Vonwil betonte, dass alleine das Gefühl, dass «etwas im Busch sein könnte», für den Tatbestand der Gehilfenschaft ausreichen kann. Die genauen Handlungen, die dahinter stecken, müsse man nicht kennen. Für Vonwil ist der Fall klar: «Die beiden sind seit 23 Jahren privat und beruflich ein Team, und sie soll nie gespürt haben, dass sich eine IV-Rente und das hohe Arbeitspensum ihres Partners beissen könnten? Das ist unglaubwürdig.» Sie habe für die Firma gelegentlich Sekretariatsarbeiten ausgeführt und spätestens in den drei Jahren, als ihre gemeinsame Wohnung gleichzeitig auch Arbeitsort ihres Partners war, hätte sie etwas merken müssen. Weiter führte der Staatsanwalt ins Feld, dass die Beschuldigte sehr wohl gewusst habe, weshalb sie ihren Namen für die Firma hergebe. In den Einvernahmen habe sie zu Protokoll gegeben, ihr Mann könne nicht als Firmeninhaber in Erscheinung treten, da noch ein Versicherungsfall wegen seines Verkehrsunfalls hängig sei. Vonwil beantragte, das Urteil des Kantonsgerichts zu bestätigen. Im Punkt der Unterlassung der Buchführung bekennt sie sich schuldig.

Das Urteil wird auch in diesem Fall schriftlich zugestellt.

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