So geht Digitalisierung: Zentralbahn-Züge melden selber, wenn es Zeit für die Wartung ist

Die Zentralbahn macht einen weiteren Schritt Richtung Digitalisierung. Sie hat einen Grossteil der Züge mit Sensoren ausgerüstet – das erleichtert die Wartung.

Matthias Piazza
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Auch bei der Wartung hat die Digitalisierung bei der Zentralbahn Einzug gehalten. Auf dem Bild prüft ein Mitarbeiter in der Werkstatt Meiringen die Systeme nach der elektronischen Checkliste.

Auch bei der Wartung hat die Digitalisierung bei der Zentralbahn Einzug gehalten. Auf dem Bild prüft ein Mitarbeiter in der Werkstatt Meiringen die Systeme nach der elektronischen Checkliste.

Bild: PD

Wie geht es den Zügen? Seit neuestem beantworten die 4 Adler- und 11 Fink-Kompositionen diese Frage von sich aus. Jeder dieser modernen Züge sendet pro Tag von der Strecke aus während der Fahrt gegen 5000 Meldungen an die Werkstätten Meiringen und Stansstad. Die Instandhaltungsequipe erhält verschiedenste Informationen, sei es zur Temperatur der Transformatoren, zum Zustand der elektronischen Systeme oder zum Wasserstand im Toilettentank. Möglich machen dies zahlreiche Sensoren an den Zügen, welche die Daten erfassen, die dann über das Handy-Netz übermittelt werden. «Eingreifen können wir von der Ferne aus zwar nicht, aber dank der Ferndiagnose können wir uns ein genaues Bild über den Zustand des Zuges machen», erklärt Gerhard Züger, Leiter Produktion und Rollmaterial der Zentralbahn (ZB).

Testeshalber ist das System auch bei einer Spatz-Komposition installiert. Sind die Erfahrungen positiv, sollen auch die übrigen 9 Züge dieser rund 15-jährigen Spatz-Flotte nachgerüstet werden.

Rechtzeitige Wartung kann Störungen auf der Strecke verhindern

«Meldet ein Sensor beispielsweise, dass die Temperatur beim Transformator zu hoch ist, kann dies ein Hinweis sein, dass er repariert werden muss», erläutert Gerhard Züger. Der Zug kommt in eine der Instandhaltungshallen Stansstad oder Meiringen, wo er für seinen weiteren Einsatz wieder fit gemacht wird. «So können wir Störungen auf der Strecke verhindern, welche für den Betrieb und die Fahrgäste sehr unangenehm werden können. Bleibt ein Zug, wenn auch nur für ein paar Minuten, stecken, verpassen die Leute vielleicht Anschlüsse.»

Zwar hat die Zentralbahn eine hohe Pünktlichkeitsrate von 97 Prozent. Das heisst, 97 Prozent der ZB-Züge kommen mit weniger als 3 Minuten Verspätung an. «Doch jede Störung ist eine zu viel», relativiert Gerhard Züger den vermeintlich guten Wert. Sowieso messe man im Störungsmanagement mit strengeren Massstäben. Pro Monat dürfen nicht mehr als 18 Züge zwischen 3 und 10 Minuten und höchstens 6 Züge über 10 Minuten lang störungsbedingt blockiert sein. «Mit durchschnittlich 12 beziehungsweise 4 Störungen monatlich haben wir die Ziele im vergangenen Jahr zwar erreicht», hält Gerhard Züger fest. Dank der neuen Ferndiagnose ist Gerhard Züger überzeugt, in Zukunft das ambitiöse Ziel zu erreichen, die Zahl der Störungen zu halbieren. «So können die Züge rechtzeitig, sprich bei Bedarf, in die Werkstatt. Als wir früher nach einem starren Zeitregime die Züge warteten, war das Timing nicht immer ideal. Oft hätte man mit der Wartung noch zuwarten können.»

Ein Zentralbahn-Mitarbeiter kontrolliert die Daten eines Zuges in der Werkstatt Stansstad mithilfe eines Tablets.

Ein Zentralbahn-Mitarbeiter kontrolliert die Daten eines Zuges in der Werkstatt Stansstad mithilfe eines Tablets.

Bild: PD

Kein Thema ist die Ferndiagnose für die älteren Züge, die für den Luzern–Engelberg-Express eingesetzt werden. Sie werden bis spätestens 2025 für den regulären Betrieb durch moderne Züge ersetzt.

Die Arbeit geht den Mitarbeitern nicht aus

Die Kosten für diesen Digitalisierungsschritt kann Gerhard Züger nicht beziffern. «Klar ist, dass wir dank weniger Störungen und flexiblerer Wartung auch Kosten sparen». Die Einsparungen gingen aber nicht auf Kosten der je 30-köpfigen Wartungsequipe in Stansstad und Meiringen. Ein Stellenabbau sei nicht geplant. «Dank der immer grösser werdenden Flotte gibt es auch künftig mehr als genug zu tun. Weiter unterstützt die Digitalisierung die Mitarbeiter bei der Fehlererkennung und der Problemlösung und ergänzt das Wissen ideal.»

Digitalisierung ist bei der Zentralbahn schon länger ein Thema. Im Herbst 2018 wurde ein Zug mit sechs Lasern und Computern ausgerüstet. Die Laser vermessen alle 25 Zentimeter während der Fahrt die Schienen und prüfen, ob sie noch in ihrer Position sind und ob sie abgenutzt sind und ersetzt werden müssen. Die sechs Computer, die im Zug mitfahren – für jeden Laser einen – erfassen die Daten und übermitteln sie per Mobilfunknetz an die ZB-«Zentrale» in Stansstad.

Gerhard Züger kann sich vorstellen, dass in einem späteren Schritt die erfassten Daten von Schiene und Zug miteinander verknüpft werden.

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