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Zentralschweizer Schwan-Population gerät unter Druck – Nidwalden will bis zu 20 Tiere schiessen

Schwäne richten in der Zentralschweiz nicht nur auf dem Landwirtschaftsland Schäden an, sondern werden für Piloten auch immer öfter zum Gefahr. Jetzt will der Kanton Nidwalden durchgreifen und Tiere schiessen. Obwalden will derweil weiter in die Brut eingreifen.
Christian Glaus
Ein Schwan beim Wichelsee zwischen Alpnach und Sarnen. Dort leben rund 25 Tiere, Zielbestand des Kantons sind 15 Tiere. (Bild: Corinne Glanzmann, 27. August 2019)

Ein Schwan beim Wichelsee zwischen Alpnach und Sarnen. Dort leben rund 25 Tiere, Zielbestand des Kantons sind 15 Tiere. (Bild: Corinne Glanzmann, 27. August 2019)

Sie wirken mit ihrem weissen Federkleid majestätisch, stolz – und sind in der Bevölkerung sehr beliebt: Die Höckerschwäne, die in der Schweiz seit 1984 geschützt sind. Doch für Landwirte, Piloten und Behörden werden die Wasservögel zunehmend zum Problem. Die Zahl der Tiere nimmt seit den 1960er-Jahren zu und hat inzwischen in den Augen mehrerer Kantone die kritische Grenze überschritten.

Deshalb macht Nidwalden ernst: Nachdem der Kanton vom Bund Anfang Jahr die Zustimmung für den Abschuss von Schwänen bekommen hat, will er nun zur Tat schreiten. Rund um den Flugplatz Buochs sollen 20 der 35 Schwäne geschossen werden, wenn sie den Flugbetrieb gefährden. Das heisst: Die Population würde auf 15 Tiere reduziert. Dies bestätigt Fabian Bieri, Leiter Jagd und Fischerei gegenüber unserer Zeitung.

Bevor die Wildhüter mit den Abschüssen beginnen können, müssen nun noch die juristisch notwendigen Schritte eingeleitet werden. Der Kanton muss die Abschussverfügung mit den darin enthaltenen Auflagen publizieren. Diese kann beispielsweise von Naturschutzorganisationen angefochten werden. Wann die ersten Schüsse beim Flugplatz Buochs fallen werden, ist noch offen. Klar ist, dass dies vor Beginn der Brutzeit im Frühling erfolgen muss.

Drei Beinahe-Kollisionen in Buochs

Bieri begründet die Abschusspläne damit, dass die Tiere nicht nur Landschäden verursachen, sondern insbesondere für den Flugbetrieb zum Sicherheitsrisiko werden. In jüngster Zeit sei es zu drei Beinahe-Kollisionen mit landenden Flugzeugen gekommen. Diese konnten nur verhindert werden, weil die Flugsicherung den Befehl zum Durchstarten gegeben hat. Der Flugplatzbetreiber beurteilt laut Bieri das Kollisionsrisiko mit Schwänen mittlerweile als hoch.

Es ist nicht das erste Mal, dass Nidwalden die Schwäne ins Visier nimmt. Schon vor Jahren wurde als Vergrämungsmassnahme zu diesem Mittel gegriffen – ohne Erfolg: Die überlebenden Tiere reagierten kaum, dafür war der Aufschrei in der Bevölkerung gross.

Bereits seit längerer Zeit greift der Kanton Nidwalden auch in die Brut der Schwäne ein. 2015 hat er beim Bund einen entsprechenden Antrag gestellt. 134 Eier wurden seither gestochen. Die Auswirkungen auf die Zahl der Schwäne sind aber gering: Aktuell dürften sich rund 60 Schwäne im Kanton Nidwalden aufhalten. Gegenüber 2015 veränderte sich der Bestand gemäss Bieri «nur minimal nach unten.» Für ihn nicht erstaunlich: Da Schwäne 20 bis 25 Jahre alt werden können, dauert es entsprechend lange, bis die Massnahme ihre Wirkung entfaltet.

Auch Obwalden will die Zahl der Schwäne senken. Im Gegensatz zu Nidwalden sind Abschüsse kein Thema, weil die Behörden «ablehnende Reaktionen» erwarten. Das Eierstechen sei eine effiziente Methode zur Bestandesregulierung, die von der Bevölkerung akzeptiert werde, sagt Jagdverwalter Cyrill Kesseli. Die befristete Sonderbewilligung für das Eierstechen läuft im Kanton Obwalden aus – inzwischen hat der Bund aber eine neue Bewilligung bis 2024 erteilt, wie dem Amtsblatt zu entnehmen ist. Ziel ist es, die Zahl der Schwäne am Alpnacher-, Wichel- und Sarnersee längerfristig zu halbieren.

Trotz des Eierstechens ist bis jetzt auch in Obwalden keine grosse Veränderung der Population festzustellen. Wurden 2015 insgesamt 66 Schwäne gezählt, sind es aktuell 61. Dass die Zahl der Tiere kaum abgenommen hat, will Jagdverwalter Kesseli nicht als Misserfolg verstanden haben. «Es hat sich gezeigt, dass ein weiterer Zuwachs verhindert werden konnte. Deshalb wird die Massnahme verlängert.» Das Regulieren des Bestands mittels Eierstechen brauche viel Geduld. «Dieser Prozess dürfte noch mehrere Jahre dauern», sagt Kesseli.

Bund prüft, ob weitere Kantone Eier stechen sollen

Neben Nid- und Obwalden regulieren inzwischen auch Schwyz und Uri den Bestand der Höckerschwäne. Somit haben fast alle Kantone rund um den Vierwaldstättersee eine Bewilligung für das Stechen der Schwaneneier. Eine Ausnahme ist der Kanton Luzern, bei dem bisher kein Gesuch zur Regulierung gestellt wurde. Zwar gibt es in den wärmeren Monaten auch in Luzern Probleme und Reklamationen, weil die Schwäne Landwirtschaftsflächen und Liegewiesen in den Badis verkoten. Dies führe auch zu Hygieneproblemen, sagt Peter Ulmann, Abteilungsleiter Natur, Jagd und Fischerei beim Kanton Luzern. Eine Regulation werde aber erst ein Thema, wenn die Schäden nicht mehr tragbar seien: «Aktuell kann kein lokaler Bestand im Kanton Luzern als untragbar zu hoch angesehen werden.»

Allerdings könnte sich das noch ändern. Denn das Bafu hat Zweifel, ob das Eierstechen in einzelnen Kantonen reicht, um die Zahl der Schwäne senken zu können. In der Bewilligung für das Eierstechen in Obwalden schreibt das Bundesamt: Es liessen sich Erfahrungen sammeln, «wie zielführend das lokale Vorgehen bei Problemen mit Höckerschwänen tatsächlich ist.» Nach Ablauf der Sonderbewilligung in Obwalden wolle das Bafu prüfen, ob das Eierstechen auf das gesamte Gewässersystem des Vierwaldstättersees ausgeweitet werden müsse. Spätestens dann wären auch Massnahmen in Luzern notwendig.

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