Zivildienst im Jugendtreff steht in Frage

Der Jugendraum 7S in Stans will Jugendlichen einen Wohlfühlort bieten, wo niemand stresst. Möglich macht dies auch die Mitarbeit eines «Zivildienstlers».

Franziska Herger
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Der Zivildienstleister Joel Michel plant mit Julia, Anurega und Mia (von links) einen Anlass. (Bilder: Corinne Glanzmann (Stans, 31. Oktober 2018))

Der Zivildienstleister Joel Michel plant mit Julia, Anurega und Mia (von links) einen Anlass. (Bilder: Corinne Glanzmann (Stans, 31. Oktober 2018))

Ohrenbetäubende Musik dröhnt aus den Räumen des Jugendtreffs 7S im Alten Spritzenhaus in Stans. Mia, Anurega und Julia, alle 12 Jahre alt, schaukeln mit einem Energy-Drink in der Hängematte und besprechen ihre Pläne für einen baldigen Anlass. Ihre männlichen Kameraden wollen ein Fortnite-Turnier abhalten. Doch die Mädchen haben keine Lust auf das Videospiel und wollen sich lieber gegenseitig schminken. «Beides zusammen wird schwierig», versucht Joel Michel zu vermitteln, der im Jugendtreff Zivildienst leistet.

Die Mädchen sind Mitglied des Jugendteams, das zusammen mit Michel und Matthias Rutz, dem Leiter der Jugendarbeitsstelle, einmal im Monat einen Jugendanlass auf die Beine stellt – oder zu stellen versucht. «Verbindlichkeit ist manchmal eine Herausforderung», lacht Rutz. «Die Jugendlichen sind schliesslich freiwillig hier. Sie bringen viele Ideen, bei der Umsetzung hapert es dagegen manchmal.» Dass die Erwachsenen alleine Anlässe wie Fajita-Abende, ein Pop-up-Kino oder eine Longboard-Tour von Grafenort nach Stans organisieren, ist aber nicht Ziel des Jugendtreffs, der seit 2006 Stanser Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren offen steht. «Hier können Jugendliche erfahren, wie es ist, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam etwas zu planen», erklärt Rutz.

Zivildiensteinsatz als ideale Vorbereitung für Studium

Wer will, kann im Jugendraum aber auch einfach «hängen», «töggelen», den Boxsack bearbeiten oder malen und wird in Ruhe gelassen. «Der Jugendtreff soll ein Wohlfühlort sein», betont Joel Michel. «In der Pubertät stresst einen vieles – Schule, Eltern, Kollegen – da wollen wir nicht auch noch stressen.» Der 19-jährige leistet seit sieben Wochen im Jugendtreff Zivildienst und wird das ganze Schuljahr bleiben. Dass er nur drei Jahre älter ist als einige Nutzer des Treffs, komme ihm zugute, findet Michel. «Ich bin vielleicht noch etwas näher dran an den Jugendlichen. Sie erzählen mir nicht direkt ihre Sorgen und Probleme, aber es entstehen gute Gespräche.» Auch seine Liebe zur Musik kann der Kernser einbringen. Sein Traum ist ein Band-Room, wo Jugendliche «jammen» und Instrumente ausprobieren können. «Das ist aber noch in der Planung.» Michel überlegt sich ein Studium als soziokultureller Animator – «ein Teilbereich der sozialen Arbeit, bei der es darum geht, Leute zusammenzubringen». Der Zivildiensteinsatz sei da die ideale Vorbereitung.

«Seich» machen in geschütztem Rahmen

Matthias Rutz macht sich derweil etwas Sorgen um die Zukunft. «Mit der geplanten Revision des Zivildienstgesetzes könnte es künftig schwieriger werden, geeignete Zivildienstler zu finden», so der Leiter der Jugendarbeitsstelle, die von der Gemeinde finanziert wird. Der Revisionsvorschlag, der sich in der Vernehmlassung befindet, will den Wechsel von der Armee in den Zivildienst erschweren. «Wenn wir keinen Zivildienstleistenden mehr haben, stehen weniger Ressourcen zur Verfügung und wir könnten weniger für die Jugendlichen da sein», sagt Rutz.

Joel Michel leistet ein Jahr lang Zivildienst im Jugendtreff 7S in Stans.

Joel Michel leistet ein Jahr lang Zivildienst im Jugendtreff 7S in Stans.

Dabei sei das Angebot des Jugendtreffs ein sehr wichtiges, betont Matthias Rutz: «Es hat präventiven Charakter, die Jugendlichen machen keinen ‹Seich›» – «oder sie machen ‹Seich› in einem geschützten Rahmen», ergänzt Joel Michel lachend. An einem durchschnittlichen Nachmittag kommen 20 bis 30 Jugendliche in den Jugendtreff. «Damit sind wir im schweizerischen Durchschnitt», sagt Rutz zufrieden.

Inzwischen ist die Musik aus dem Jugendraum verstummt. Auf dem Vorplatz spielen ein paar Jungs Fussball, von der Mädchengruppe kommt aufgeregtes Kreischen. «Ich schaue wohl besser mal zum Rechten», schmunzelt Matthias Rutz. Die Diskussion «Fortnite oder Schminken» kann weitergehen.

Der Jugendtreff ist am Mittwoch- und Freitagnachmittag und am Freitagabend geöffnet. Weitere Infos unter www.jugendstans.ch