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Zu pflegenden Angehörigen in Nidwalden schauen

Die Nidwaldner Gesundheits- und Sozialkonferenz setzte sich mit Personen auseinander, die kranke Familienmitglieder betreuen.
Martin Uebelhart
Die Podiumsteilnehmer (von links): Marino Bosoppi, Walter Wyrsch (Leitung), Susanne Mattle, Elsbeth Weissmüller und Michael Schäfle. (Bild: Corinne Glanzmann, Stans, 11. September 2019)

Die Podiumsteilnehmer (von links): Marino Bosoppi, Walter Wyrsch (Leitung), Susanne Mattle, Elsbeth Weissmüller und Michael Schäfle. (Bild: Corinne Glanzmann, Stans, 11. September 2019)

Die betreuenden und pflegenden Angehörigen standen am Mittwoch im Mittelpunkt der Gesundheits- und Sozialkonferenz Nidwalden. Sie stand unter dem Titel «Betreuende und pflegende Angehörige – welche Unterstützung brauchen sie?» Die Veranstaltung, die sich an Fachpersonen aus Gesundheit und Sozialem an Arbeitgeber und Gemeindebehörden richtet, fand dieses Jahr im Rahmen der Aktionstage des «Wie geht’s dir» statt, mit denen der Kanton Nidwalden die psychische Gesundheit fördern will.

Gesundheits- und Sozialdirektorin Michèle Blöchliger fragte zu Beginn: «Was sind überhaupt betreuende und pflegende Angehörige?» Laut einer Definition von Gesundheitsförderung Schweiz verstehe man darunter Personen aller Altersgruppen, die einen Menschen unterstützten, mit dem sie sich verbunden fühlen. Sie leiteten Unterstützung in der Bewältigung und der Gestaltung des Alltags für eine Person, die das aus gesundheitlichen Gründen nicht alleine könne. Rund zehn Prozent der Bevölkerung leisteten heute bereits in irgendwelcher Weise Betreuung und Pflege für Angehörige. «Das kann ein langer, manchmal jahrelanger Prozess sein», so Michèle Blöchliger. Die Belastung der Angehörigen sei sehr hoch, darum sei auch ihre Verwundbarkeit gross. Darum müsse man zu ihnen schauen.

Drei Personen berichteten dem Publikum offen über ihre Erfahrungen als pflegende Angehörige eines autistischen Sohns respektive an Demenz erkrankter Mütter. Die Pflegewissenschaftlerin Iren Bischofberger von der Careum Hochschule Gesundheit Zürich hielt zudem ein Referat. Sie forscht zur Thematik pflegende Angehörige und zeigte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Konferenz in der Aula des BWZ in Stans auf, das viele dieser Angehörigen selber bereits im Rentenalter seien, wenn sie ihren Ehepartner pflegten. Oder sie stünden noch mitten im Erwerbsleben und müssten alles unter einen Hut bringen. Nicht zu vergessen seien auch Kinder, die ihre Eltern pflegten.

Ganzes Leben auf den Kopf gestellt

«Wir von Spitex Nidwalden schätzen, dass es in unserem Kanton zwischen 1500 und 2000 pflegende Angehörige gibt», sagte Geschäftsführer Walter Wyrsch, der das anschliessende Podiumsgespräch leitete. Ganz genau kenne man diese Zahl nicht. Er setzte die Zahl in Relation zu den 450 Betten in Pflegeheimen und den 1000 Personen, die 2018 von der Spitex betreut wurden. Im Fokus stünden bei diesem Thema insbesondere ältere Personen, so Wyrsch.

Das Beispiel von Susanne Mattle Rohrer zeigte eine andere Seite auf. In ihrer Familie erhielt 2017 die mittlere, damals 13-jährige Tochter die Diagnose Leukämie. «Von einem auf den anderen Tag war unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt», berichtete sie. Über Monate sei entweder sie oder ihr Mann bei der Tochter gewesen. «Wir hatten grosse Unterstützung von unserem Umfeld», hielt sie fest. Geholfen habe ihr auch, dass es an ihrer Arbeitstelle möglich gewesen sei, das Pensum vorübergehend zu senken. Ihre Kolleginnen und Kollegen im Lehrerteam seien ihr sehr entgegengekommen.

Michael Schäfle, Vorsteher des Personalamts des Kantons, wird in seiner Funktion immer wieder mit solchen Situationen konfrontiert. «Für uns stellt sich die Frage, was wir als Arbeitgeber tun können», sagte er. Wichtig sei es, eine Unternehmenskultur zu haben, die es den Mitarbeitern ermögliche, über solche Herausforderungen mit ihrem Vorgesetzten oder zu einer Person ihres Vertrauens zu sprechen. Dann könne man auch Lösungen finden.

Man muss auch zur Seele schauen

Marino Bosoppi betrachtete das Thema als Seelsorger. «Man darf die Angehörigen nicht vergessen», gab er zu bedenken. Wenn er auf Krankenbesuch sei, spreche er mit den Betroffenen. «Doch dann trinke ich einen Kaffee mit den Angehörigen.» Man müsse auch zur Seele schauen, war er überzeugt. «Wir Seelsorger haben dabei den Vorteil, dass wir nicht auf die Uhr schauen müssen.»

Elsbeth Weissmüller, Pflegeexpertin bei der Spitex Nidwalden hielt fest, das Emotionale sei die Herausforderung bei der Arbeit mit pflegenden Angehörigen. Mitunter gebe es die Sorge, was das Umfeld sage. Die Betreuung und Pflege innerhalb der Familie zu organisieren und zu koordinieren, sei höchst anspruchsvoll. Sie wünschte sich, dass pflegenden Angehörigen mit Respekt und Wertschätzung begegnet werde.

Informationen zum Thema sind unter www.info-nw.ch zu finden. Unter dem Titel «Dr heimä bliibe» bieten Spitex, Pro Senctute, das Rote Kreuz, die Alzheimervereinigung sowie der Verein Begleitgruppe von schwerkranken und sterbenden Menschen im Kanton Nidwalden regelmässig Infoveranstaltungen an.

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