Landrat
Aufarbeitung eines dunklen Kapitels: Zur Erinnerung, damit sich solches Leid nie wiederholt

Fürsorgerische Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 im Kanton Nidwalden werden systematisch aufgearbeitet.

Philipp Unterschütz
Drucken

Nidwalden beleuchtet ein Stück dunkle Vergangenheit. Bei nur einer Enthaltung gab es gestern vom Landrat ein klares Ja für einen Objektkredit von brutto 360000 Franken für die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen im Kanton.

Der Nidwaldner Landrat tagt im Loppersaal in Hergiswil.

Der Nidwaldner Landrat tagt im Loppersaal in Hergiswil.

Bild: Martin Uebelhart (Hergiswil, 27. Oktober 2021)

Bis 1981 wurden schweizweit Zehntausende Kinder und Jugendliche auf Bauernhöfen, in streng geführten Heimen oder in geschlossenen Einrichtungen als billige Arbeitskräfte verdingt. Auch in Nidwalden leisteten solche Jugendliche unter oft miserablen Bedingungen Zwangsarbeit und litten unter psychischer oder physischer Gewalt, wurden misshandelt, ausgebeutet oder gar sexuell missbraucht. Am 1. April 2017 ist das Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 in Kraft getreten. Durch dieses Gesetz soll das Leid, das den Opfern widerfahren ist, anerkannt und wieder gutgemacht werden.

Nur die Gemeinde Dallenwil macht nicht mit

Darauf basierend soll nun auch in Nidwalden eine Publikation entstehen, die von unabhängigen Personen erarbeitet wird. Die Veröffentlichung soll 2024 möglichst zeitnah erfolgen, solange die Betroffenen noch leben. Der Gesamtkredit von 360000 Franken ist wie folgt aufgeteilt: 50000 Franken stammen aus dem Alkoholzehntel. 50000 Franken soll die Landeskirche beisteuern. 100000 gehen zulasten der Gemeinden und 160000 zulasten der kantonalen Staatsrechnung. Sämtliche Parteien und auch die beiden vorberatenden Kommissionen stellten sich einstimmig hinter das Vorhaben.

Für Kopfschütteln sorgte jedoch, dass nicht alle Gemeinden einmütig mitmachen. Auch die Sprecher verschiedener Fraktionen bedauerten diesen Umstand. Wie Jörg Genhart (SVP, Stans) als Präsident der Finanzkommission ausführte, habe die Gemeinde Dallenwil als einzige beschlossen, nichts an das Projekt beizusteuern. Er sage nicht, um welchen Betrag es sich handle, führte Genhart aus. «Der Betrag zulasten der Staatskasse erhöht sich deshalb aber von 160000 auf 169000 Franken.»

Aktuelle Nachrichten