Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Zurückgetretene Regierungsrätin Yvonne von Deschwanden: «Ich war glücklich mit der Politik»

Nach acht Jahren in der Regierung tritt Yvonne von Deschwanden ab. Sie tauscht die Gesundheits- und Sozialdirektion ein gegen mehr Zeit für die Familie und sich selber.
Martin Uebelhart
Geniesst ihre Ferien: Yvonne von Deschwanden mit Hund Theo beim Golfplatz Engelberg. (Bild: Corinne Glanzmann (4. Juli 2018))

Geniesst ihre Ferien: Yvonne von Deschwanden mit Hund Theo beim Golfplatz Engelberg. (Bild: Corinne Glanzmann (4. Juli 2018))

«Wehmut ist absolut dabei», sagt Yvonne von Deschwanden zu ihrem Abschied von der Regierungstätigkeit. Während acht Jahren hat sie die Gesundheits- und Sozialdirektion geleitet, Ende Juni hatte sie ihren letzten Arbeitstag. Sie werde die Arbeit, die Mitarbeiter, ihre Kollegin und ihre Kollegen im Regierungsrat vermissen, sagt sie. Sie kann sich auch vorstellen, dass es ein Loch geben werde, weil sie zuvor intensiv in alles eingebunden gewesen sei. «Aber letztlich habe ich mich entschieden, nicht mehr für den Regierungsrat zu kandidieren. Und der Entscheid war wohl überlegt.» Diesen Sommer werde es ihr sicherlich besser gehen als im vergangenen. «Damals wusste ich, dass dieser Entscheid ansteht, denn in der Regierung hatten wir vereinbart, im Herbst die Öffentlichkeit gemeinsam über Verbleib oder Rücktritt einzelner Mitglieder zu informieren», erzählt die Magistratin. Und dieser Entscheid habe sie den ganzen Sommer über beschäftigt. «An einem Tag wollte ich aufhören, am andern Tag weitermachen», erinnert sie sich.

«Vorerst will ich jetzt einmal für meine Familie und mich schauen», sagt die 63-Jährige zu ihren Plänen für die nähere Zukunft. «Es war eine strenge Zeit, jetzt möchte ich mehr Zeit mit meinem Mann verbringen können, mehr an der frischen Luft sein und mehr Bewegung haben.» Neben Spaziergängen mit dem Hund stehen da vor allem Wandern und Golfen im Vordergrund. «In den vergangenen acht Jahren bin ich nicht so oft zum Golfen gekommen, jetzt ist zünftig üben angesagt», meint sie. Und kochen wolle sie wieder intensiver. «Das habe ich praktisch verlernt», hält sie fest. Zumindest an einen Mehrgänger für Gäste würde sie sich im Moment eher weniger wagen.

Als Regierungsrätin den Traumberuf gefunden

Während 20 Jahren war Yvonne von Deschwanden in politischen Ämtern engagiert. Von 1994 bis 2006 sass sie für die Buochser FDP im Landrat, sechs Jahre davon als Fraktionschefin. «In sehr guter Erinnerung habe ich das Landratspräsidium behalten», sagt sie. Es sei eine grosse Ehre gewesen, den Kanton als höchste Nidwaldnerin zu vertreten.

Mit dem Amt als Regierungsrätin habe sie ihren Traumberuf gefunden, sagt sie rückblickend. «In der Exekutive operativ tätig zu sein, das hat mir gefallen. Ich habe gerne Führungsfunktionen», betont sie. Eine Faszination des Amts sei weiter, etwas bewirken zu können: «Man begleitet Projekte vom Anfang bis zum Ende und kann seine Ideen einbringen».

Ein Projekt, das ihre Amtszeit geprägt hat, ist Lunis, die Spitalregion Luzern/Nidwalden. «Als ich mein Amt antrat, gab es eine Absichtserklärung der beiden Regierungen», erinnert sie sich. Es habe dann aber noch viel Überzeugungsarbeit gebraucht. «Ich bin fast von einer Orientierungsversammlung zur nächsten gepilgert.» Es sei ihr wichtig gewesen umfassend zu informieren, denn zu Beginn sei in Nidwalden eine gewisse Skepsis gegenüber dem Projekt spürbar gewesen.

2011 konnte sie zusammen mit dem Luzerner Regierungsrat Guido Graf den Rahmenvertrag unterzeichnen, 2012 begann die operative Zusammenarbeit zwischen den Kantonsspitälern Nidwalden und Luzern. Die Absicht von Lunis sei es, den Spitalstandort Nidwalden und die Grundversorgung zu sichern. «Denn kleine Spitäler werden es immer schwerer haben.» Die Finanzierung sei das eine, «aber ein Spital muss auch die entsprechende Qualität bieten. Das Gesetz verlangt genügend Fallzahlen pro Haus und pro Operateur». Wenn man das nicht erbringen könne, sei man bald weg vom Fenster, ist sie überzeugt.

Dank des Verbundes kämen nun auch Ärzte aus Luzern für Operationen nach Nidwalden. «Unsere Patienten erhalten eine gute Betreuung und die Ärzte können mehr Fälle behandeln.» Im neuen kantonalen Spitalgesetz, das im Herbst in die Vernehmlassung gehen soll und ihre Nachfolgerin Michèle Blöchliger beschäftigen wird, ist eine noch engere Verzahnung der beiden Spitäler bis hin zu einer Fusion angedacht.

Vielfältiges Departement mit Herausforderungen

In Yvonne von Deschwandens Amtszeit fiel auch die Errichtung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb). Der Start ab 2013 verlief nicht ganz reibungslos. «Wie alle Kesb in der Schweiz mussten wir den Weg finden», hält sie fest. «Bei uns war die Problematik, dass wir mit zu wenig Personal gestartet sind.» Regierung und Landrat hätten das inzwischen korrigiert, seit Jahresmitte habe die Behörde nun die ganzen 910 Stellenprozente besetzt. «Die Kesb hat immer gut gearbeitet», hält sie fest. Von den angefochtenen Entscheiden hätten praktisch alle vor Gericht Bestand gehabt.

Die Vielfalt in ihrem Departement habe ihr gefallen, erzählt die Politikerin. Die Bereiche Gesundheit und Soziales sind etabliert. Das Asyl- und Flüchtlingswesen habe besonders im Jahr 2015 für Herausforderungen gesorgt. «Sehr am Herzen lagen mir immer der Tierschutz und die Lebensmittelsicherheit, die vom Laboratorium der Urkantone abgedeckt werden.»

In einem Exekutivamt ist man mitunter auch mit Kritik konfrontiert. Wie ist Yvonne von Deschwanden damit umgegangen? «Wenn man mit Kritik nicht umgehen kann, muss man nicht in die Politik gehen, schon gar nicht in die Exekutive», sagt sie bestimmt. Aber natürlich beschäftige Kritik. «Man muss dann reflektieren, ob sie begründet ist.» Manchmal finde man den Weg dadurch, dass man etwas genauer analysiere. «Wenn Kritik zu einer besseren Lösung führt, dann ist das doch gut. Das ist Demokratie.». Mühe habe sie gehabt, wenn die Kritik auf die persönliche Ebene gekommen sei.

Sie hat ihren Entscheid keine Sekunde bereut

Gerne blickt Yvonne von Deschwanden auch auf ihre beiden Jahre als Frau Landammann zurück. Sie übte das Amt 2013/14 und in ihrem letzten Amtsjahr aus. «Das war eine Riesenaufgabe, aber sie hat mir sehr viel Freude bereitet.» Bei unserem Besuch an ihrem zweitletzten Arbeitstag ist das Büro schon fast leer geräumt. «Ich war glücklich mit der Politik, habe viel investiert, aber die Arbeit auch gerne gemacht. Ich würde wieder in die Politik gehen», sagt sie überzeugt.

Bilder zum Werdegang von Yvonne von Deschwanden

Auch spannend zu sehen, wie sich Politikerinnen äusserlich verändern

Mit Tochter Angela und Ehemann Albert an der Wahlfeier zur Landratspräsidentin

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.