Pro & Contra

Ersatzbau Süd beim Waffenplatz: Zweckmässig oder mehr fürs gleiche Geld?

Kanton und Bund wollen südlich des Waffenplatzes Wil in Oberdorf ein dreistöckiges Gebäude erstellen. Darin sind eine öffentliche Tiefgarage, eine Einstellhalle für die Swissint sowie Logistikflächen und Büros des heutigen Zeughauses geplant. Die Nidwaldner stimmen am 23. September über den Kantonsbeitrag von 11,1 Millionen Franken ab. Der Bund beteiligt sich mit 9,1 Millionen. Die beiden Landräte Josef Bucher (CVP) und Niklaus Reinhard (FDP) legen ihre Argumente für ein Ja respektive Nein dar.

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Pro von Josef Bucher, CVP-Landrat, Buochs

Josef Bucher.

Josef Bucher.

Mit der Armeereform 95 und der Einführung der Armee XXI (2004) hat der Kanton Nidwalden stetig und spürbar Arbeitsplätze verloren. Auch der Flugplatz wurde zu einer Sleeping Base degradiert und so viele Arbeitsplätze gestrichen.Der Kanton bemühte sich beharrlich, neue Arbeitsplätze anzusiedeln, um die bestehenden Infrastrukturen bestmöglich weiter zu nutzen. Unseren zuständigen Politikern gelang es nach langwierigen Verhandlungen mit dem Bund, dass die Swissint in Stans angesiedelt werden konnte.

Das Kompetenzzentrum Swissint ist seit 2003 in Oberdorf als nationale vorgesetzte Kommandostelle für sämtliche friedensfördernden Auslandeinsätze tätig. 2013 wurde unter anderem der Neubau der Ausbildungs- und Einsatzinfrastruktur in Betrieb genommen. Heute ist die Swissint mit ihrer Einsatzzentrale in Oberdorf der Heimathafen für rund 100 Mitarbeiter. Hier wird ausgebildet und die notwendige Ausrüstung für die Einsätze in über 18 Ländern bereitgestellt. Mit dem geplanten Neubau werden die logistischen Prozesse in Wil massiv verbessert. Die heutigen Betriebsabläufe im Zeughaus sind nicht mehr zeitgemäss und führen zu erheblichem Mehraufwand. Die wirtschaftliche Bedeutung für den Kanton ist dabei nicht zu unterschätzen. Bereits heute zahlt der Bund rund 2,8 Millionen Franken an die zur Verfügung gestellten Immobilien und Infrastrukturen. Dazu profitiert das lokale Gewerbe, und auch der Bekanntheitsgrad unserer Region ist nicht zu unterschätzen.

Im Landrat wurden die Bedürfnisse der Armee für den Ersatz der Halle auf dem Flugplatz nicht bestritten und die Absicht, in Oberdorf zu investieren, begrüsst. Verschiedene Varianten von Standorten wurden evaluiert, ohne eine geeignete Lösungen zu finden, welche die betrieblichen Abläufe der Swissint verbessern. Dass die vorgesehene Bauparzelle optimal genutzt werden muss, ist heute ein Gebot der Stunde. Das Raumplanungsgesetz fordert explizit, mit Kulturland schonend umzugehen. Deshalb verlangt die Baurechtsgeberin klar, dass eine minimale Gebäudehöhe realisiert werden muss.

Der heute bestehende Waffenplatz ist modern und wird durch den Neubau gefestigt. Zudem können Synergien genutzt werden, welche für die Swissint zwingend notwendig sind. Ferner kann der Kanton für die eigenen Verwaltungsbereiche notwendigen Raum schaffen. Nidwalden war und ist stets armeefreundlich eingestellt. Mit einem Ja zum Kredit für den Ersatzbau Süd in Oberdorf wird diese Haltung bekräftigt.

Angrenzend an das bestehende Kasernenareal (linker Bildrand) würde der Ersatzbau Süd realisiert. (Bild: PD)

Angrenzend an das bestehende Kasernenareal (linker Bildrand) würde der Ersatzbau Süd realisiert. (Bild: PD)

Contra von Niklaus Reinhard, FDP-Landrat, Hergiswil

Niklaus Reinhard.

Niklaus Reinhard.

Das Areal der Swissint soll um einen Logistikbau im Minergiestandard mit Fenstern erweitert werden. Die Gesamtinvestitionen (inklusive Umbau Zeughaus, gemäss Bericht der Regierung 5 bis 7 Millionen Franken, sowie Strassenprojekt rund 4 Millionen) belaufen sich auf gegen 30 Millionen Franken, die der Steuerzahler mit Kantons- und Bundessteuern zu berappen hat. Es ist also angebracht genauer hinzuschauen, was geplant ist.

36 Prozent des 83 Meter langen und 15 Meter hohen Gebäudes sind Lagerflächen, 51 Prozent Parkflächen. Der Prozess der Einlagerung von Waren im geplanten Neubau läuft genau gleich wie seit Jahrzehnten im alten Zeughaus. Alles muss zuerst mit einem Lift in die Obergeschosse transportiert werden. Ein zeitgemässes Hochregallager könnte die Abläufe optimieren und auf diese Weise im gleichen Gebäudevolumen mehr Fläche für andere Nutzungen zur Verfügung stellen.

Das alte Zeughaus ist laut Aussage des Arbeitsamtes mangels natürlicher Belichtung für Büros ungeeignet. Die Erfahrungen vom Kapuzinerkloster zeigen, wie schwierig es ist, geeignete Nachnutzungen für denkmalgeschützte Gebäude zu finden. Der in die Diskussion eingebrachte Vorschlag, das Lager im alten Zeughaus zu verbessern und eventuell zu erweitern und die attraktiven Räume im geplanten Neubau nachhaltiger zu nutzen, wurde leider verworfen. Beteiligt sich die Gemeinde Oberdorf mangels Bedürfnis nicht an den Kosten der geplanten Tiefgarage? Parkplätze der Soldaten könnten auch im zweiten Untergeschoss der geplanten Überbauung der Gemeinde Oberdorf neben dem Landsgemeindeplatz, wie im gültigen Gestaltungsplan vorgesehen, realisiert werden.

Die Raumhöhen richten sich nach den Anforderungen des Warenlagers. Daher sind im vorliegenden Projekt alle anderen Räume für Büros, Ausbildung oder Nasszellen rund 3,7 Meter hoch. Das Gebäude liesse sich mit verschiedenen Raumhöhen planen, dadurch könnte teilweise ein zusätzliches Geschoss gewonnen werden.

Geplant ist eine der grössten Hochbauinvestition in Nidwalden der letzten Jahre. Das Projekt hat viel Optimierungspotenzial hinsichtlich zeitgemässer Logistik, Flächen- und Volumennutzung. Wenn wir das strukturelle Problem unserer Kantonsfinanzen im Griff halten wollen, sollten unsere Investitionen nachhaltiger sein. Nein stimmen heisst Ja sagen zu einem Marschhalt und damit einer zukunftsgerichteten, flexibleren und weitsichtigen Nutzung wertvollen Kulturlandes – wir bauen für Jahrzehnte.