NIDWALDEN/URI: Golf soll neue Gäste anlocken

Zwei neue Zentralschweizer Golfplätze sind nun für die Öffentlichkeit offen. Gemäss einem Experten ist das kein Zufall: Golfen sei längst nichts Elitäres mehr.

Matthias Piazza
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Beat Kneubühler, Präsident des Bürgenstock Golf Club. (Bild: Manuela Jans-Koch/Neue LZ)

Beat Kneubühler, Präsident des Bürgenstock Golf Club. (Bild: Manuela Jans-Koch/Neue LZ)

Matthias Piazza

Das lässt wohl jedes Golferherz höher schlagen: Der Golfplatz auf dem Bürgenstock präsentiert sich nach zweijähriger Umbauzeit in neuem Glanz (siehe Kasten). Bruno H. Schöpfer, Direktor des Bürgenstock-Resorts, und Beat Kneubühler, Präsident des Bürgenstock-Golf-Clubs, eröffneten gestern den neuen Golfplatz mit dem symbolischen Abschlag des goldenen Balls. Beat Kneubühler geriet ins Schwärmen, als er auf das Naturerlebnis auf «seinem» Platz zu sprechen kam – mit Vogelgezwitscher und Kuhglocken und der tollen Aussicht auf die Schneeberge. Doch nicht nur auf dem Bürgenstock war gestern Feiern angesagt, sondern auch in Andermatt, wo mit einem Promi-Golfturnier die 18-Loch-Anlage offiziell eröffnet wurde.

Golfen ist bürgerlich geworden

Für Tourismusexperte Urs Wagenseil ist es kein Zufall, dass gleich zwei Resorts auf die Karte Golf setzen. «Mit solchen Zusatzangeboten können die Resorts die Aufenthaltszeit eines Hotelgastes verlängern und auch neue Kundensegmente ansprechen. Leidenschaftliche Golfer buchen vielleicht eine Übernachtung, um sich bei einem zweitägigen Aufenthalt mit dem Golfen zu entspannen. Golf ist für immer mehr Leute eine attraktive Sportart, mit der man sich wunderbar einen halben Tag lang beschäftigen kann.» Golfsport sei heute längst nicht mehr den oberen Zehntausend vorenthalten, sondern bürgerlich geworden.

Trotz des Booms glaubt der Dozent am Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern nicht, dass neue Golfplätze jetzt wie Pilze aus dem Boden schiessen werden. «Vielen Hotels fehlt einfach die riesige Fläche, die es dafür braucht.» Hinzu kämen das oft langwierige Bewilligungsprozedere und die Einsprachen. Zudem seien für das Betreiben eines Golfplatzes spezifische Kompetenzen notwendig. Weitere Projekte von Hotelresorts in der Zentralschweiz seien ihm zurzeit nicht bekannt.

Dass Golfen im Trend liegt, bestätigt Stefan Waldvogel, Chefredaktor des Fachmagazins «Golfsuisse» und Mediensprecher der Association Suisse de Golf (ASG), dem Schweizerischen Golfverband. Seit 2003 habe sich die Zahl der registrierten Spieler bei der ASG verdoppelt – auf rund 90 000 Mitglieder. Das Wachstum habe sich zuletzt aber verlangsamt. Der ägyptische Investor Samih Sawiris habe mit Golfplätzen auch in seinen ägyptischen Ferienressorts gute Erfahrungen gemacht. «Wenn man die Hotelgäste länger behalten will, muss man etwas bieten – und dazu passt ein Golfplatz.» Allerdings sei Andermatt mit der Ausrichtung auf Touristen statt auf Clubmitglieder hierzulande noch eher ein Spezialfall. Bürgenstock kategorisiert er als Mischform.

Potenzial von 200 Millionen Golfern

Der Platz von Andermatt ist gemäss Waldvogel ein wichtiger Bestandteil des Immobilienobjektes, was dessen Wert steigere. «Die Leute wollen auch nicht immer dieselbe Skipiste befahren. Genauso verhält es sich beim Golfen. Der neue Platz in Andermatt attraktiviert den Ferienort, aber auch die ganze Region.» Weltweit gebe es unter den Touristen ein Potenzial von 200 Millionen Golfern. Allerdings gibt Waldvogel zu bedenken, dass der «Golfplatz für sich nie rentieren wird», wegen der fehlenden ganzjährigen Auslastung.

Sport mit Suchtpotenzial

Wenn Stefan Waldvogel über Golf spricht, wird seine Begeisterung spürbar. «Golf ist ein Spiel für jedes Alter. Der 90-jährige Grossvater kann man mit dem 8-jährigen Enkel golfen sehen», erklärt er die zunehmende Beliebtheit dieses Hobbys. Dank individueller Handicaps würden beispielsweise Enkel und Grossvater mit gleich langen Spiessen gegeneinander antreten. Längst habe der Sport das elitäre Image verloren und sich zum Breitensport gemausert. Um in der Schweiz zu spielen, sei schon länger keine Clubmitgliedschaft mehr nötig. Dies nicht zuletzt wegen der öffentlichen Golfanlagen der Migros, etwa in Holzhäusern bei Rotkreuz oder in Oberkirch.

Langweilig, das könne der Sport für Nicht-Golfer nur beim Zuschauen sein. Man müsse es selber versuchen, viele packe dann das «Golf-Virus». «Golfen kann süchtig machen. Wenn der Ball in die Luft fliegt, ist das ein ganz spezielles Gefühl.» Auch habe das Hobby etwas Unberechenbares an sich: «An einem Tag läuft es super, einen Tag später schlecht – trotz gleicher äusserer Bedingungen.» Und auch fitnessmässig komme man auf seine Kosten. Schliesslich laufe man auf einer 18-Loch-Runde etwa zehn Kilometer.

Hinweis

Weitere Informationen finden Sie unter www.buergenstock.ch und www.andermatt.ch

Patrick Widmer, Direktor des Golfplatz Andermatt Swiss Alps Golf Course. (Bild: Boris Bügrisser/Neue LZ)

Patrick Widmer, Direktor des Golfplatz Andermatt Swiss Alps Golf Course. (Bild: Boris Bügrisser/Neue LZ)