NOTHILFE: Eine Familie am Ende ihrer Kraft

Eigentlich sollte es der Familie Odermatt (Name geändert) gut laufen: Die Eltern sind solide ausgebildet, der Vater arbeitet, die Mutter sorgt für die zwei Buben. Doch der eine hat eine so starke Hauterkrankung, dass er Tag und Nacht Betreuung braucht. Nach jahrelangem Kampf ist die Familie fast am Ende. Jetzt gibt es Lichtblicke, auch dank der LZ-Weihnachtsaktion.

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Die Eltern mit den beiden Buben (4 und 6) bei sich zu Hause. Auf Wunsch der Familie sind die Personen auf dem Foto nicht erkennbar. (Bild: Philipp Schmidli)

Die Eltern mit den beiden Buben (4 und 6) bei sich zu Hause. Auf Wunsch der Familie sind die Personen auf dem Foto nicht erkennbar. (Bild: Philipp Schmidli)

Eigentlich sind sie fröhliche Menschen und ein liebevolles Paar: Beat und Heidi Odermatt. Das merkt man sofort, wenn man mit ihnen am Tisch sitzt. Man sieht es daran, wie sie sich anschauen, wie sie miteinander reden. Doch diese Fröhlichkeit kam in den letzten Jahren komplett abhanden. Und fast auch die Liebe.

Kaum mehr heile Haut

Vier Monate war der jüngere Sohn Jonas alt, als er am ganzen Körper von einer Neurodermitis befallen wurde. Damit begann für die Familie, die in einer Luzerner Landgemeinde lebt, eine furchtbare Zeit. Und sie sollte jahrelang dauern. Nicht nur Jonas litt und konnte kaum abgehalten werden, sich blutig zu kratzen. Keine Nacht mehr konnten beide Eltern durchschlafen.

Besuche bei Ärzten und Spezialisten reihen sich endlos aneinander, Fettsalben, Cortison, tägliche Bäder, ständig zu wechselnde Verbände, all dies sorgte für keine nachhaltige Linderung. Hilfe von aussen war nur begrenzt möglich, auch weil sich niemand zutraute, das gepeinigte und am ganzen Körper entstellte Kind – «Oft sah man kaum mehr ein Stück heile Haut» – mal länger als ein paar Stunden zu hüten. Mit dem Älterwerden entwickelte der Knabe auch zunehmend Aggressionen, war oft zornig über die Situation, an der er litt. Sträubte sich gegen die Pflege.

Auch der Bruder litt

«Wir hatten im Grunde ein schwerbehindertes Kind», sagt Heidi Odermatt rückblickend. Und dies wirkte sich auch auf den zwei Jahre älteren Bruder Simon aus. «Er geriet oft ins Hintertreffen, weil der jüngere so viel Aufmerksamkeit und Energie auf sich zog», gibt die 33-jährige Mutter zu. «Oft musste er einfach hören: ‹Geh jetzt in dein Zimmer und sei ruhig!›» Kein Wunder, dass aus Simon ein Kind wurde, dem es schwerfällt, seine eigenen Ansprüche anzumelden. Auch heute noch, wo er in den Kindergarten geht. Inzwischen darf er eine Therapie machen, wo er genau das lernt.

«Ich zählte die Stunden»

Jahrelang war das Leben der Familie ein pausenloser Kampf. «Wir funktionierten nur noch, so gut es ging», erzählt Beat Odermatt, der weiterhin Vollzeit arbeitete. Und kam der heute 39-Jährige nach Hause, erwartete ihn nicht die Erholung im Kreise einer entspannten Familie. Heidi Odermatt: «Ich war meist so fertig am Abend, dass ich ihm einfach die Kinder übergab und mich hinlegte. Und vorher zählte ich die Stunden, bis er mich endlich erlösen würde.»

Fast logisch, dass auch ihre Paarbeziehung unter dem Dauerstress litt. «Eigentlich waren wir kein Paar mehr, nur noch Arbeitstiere», sagt Heidi Odermatt. «Es gab keinen geschützten Rahmen mehr für uns, nicht einmal mehr nachts. Klar, dass wir uns auch oft stritten, wegen jeder Kleinigkeit.»

Ein «logischer» Unfall

Als Liebespaar, das sie mal gewesen waren, existierten sie praktisch nicht mehr, und auch als Einzelpersonen gerieten sie immer näher an den Abgrund. Im letzten Frühling stieg Heidi Odermatt mit dem Teppich, den sie wegen der Milbenallergie von Jonas entfernen musste, auf den Dachboden. Und stürzte die Treppe hinunter. «Es war typisch für die Situation, eigentlich hätte ich das am späten Abend gar nicht mehr erledigen müssen, aber ich stand derart unter Strom, dass ich gar nichts dachte, sondern nur noch machte.»
Die Verletzung war zunächst nicht schwer, aber dann entzündete sie sich. Und es kam, was längst fällig war: Heidi Odermatt brach zusammen. Ihr Mann musste das Arbeitspensum reduzieren, um zu den Kindern zu schauen, nun kamen wegen des ohnehin belasteten Familienbudgets finanzielle Sorgen hinzu. Es schien nichts mehr zu gehen.

Das kleine Wunder

Doch dann geschah ein kleines Wunder, nach fast vier Jahren Leidenszeit: Eine Spitex-Frau berichtete Heidi Odermatt von einem anderen Buben mit Neurodermitis, dem an der Polyklinik Zürich geholfen worden sei. Als sie wieder bei Kräften war, setzte sich Heidi Odermatt mit der Klinik in Verbindung, bekam Termine, reiste mit dem Sohn nach Zürich. Und die Behandlungen schlugen an. Seit wenigen Wochen ist Jonas praktisch frei von Ausschlägen.

Es ist eine riesige Befreiung für die ganze Familie, für die nun buchstäblich ein neues Leben begonnen hat. Endlich gibt es wieder Momente der Fröhlichkeit, der Unbeschwertheit, der Entspannung. «Wir können gar noch nicht richtig damit umgehen, dass wir das nun einfach loslassen können», gibt Beat Odermatt zu. «Die Anspannung weicht nur allmählich. Aber wir sind sehr froh.»

Genauso wie über die LZ-Weihnachtsaktion, die der Familie mit einem Beitrag gegen die immer noch akute Finanznot hilft, damit sie auch in dieser Hinsicht bald wieder auf eigenen Füssen steht.

Ein Riesenschritt für Jonas

Auch Jonas, der mir beim Besuch stolz seine Duplo-Tiere vorstellt, ist ein anderer geworden. «Vorher war er noch wie ein Kleinkind», sagt seine Mutter, «hat tagelang nicht geredet, nur geweint oder getobt. Innert weniger Wochen ist aus ihm ein richtiger Bub geworden.»

So können Sie mithelfen

Die diesjährige LZ-Weihnachtsaktion läuft seit Mitte November sehr erfolgreich. Bereits sind über 2 Millionen Franken an Spenden eingegangen. Vor einer Woche war unserer Zeitung der Flyer mit dem Einzahlungsschein beigelegt.

Spenden kann man auch via Postkonto 60-33377-5 oder www.luzernerzeitung.ch/weihnachtsaktion
Neu sind auch SMS-Spenden möglich: Wählen Sie die Nummer 488, und schreiben Sie LZWA plus den Frankenbetrag (nur Zahl), der dann Ihrer Telefonrechnung belastet wird.

Auch für 2014 haben wir bereits wieder über 2100 Hilfsgesuche erhalten. Diese können nur von Gemeinden oder sozialen Institutionen eingereicht werden. Jedes wird vom Beirat sorgfältig geprüft. Dieser besteht aus zwölf ehrenamtlich tätigen Sozialfachleuten aus Zentralschweizer Kantonen. Auch deshalb halten wir die Verwaltungskosten auf dem absoluten Minimum.

Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Sammlung, die erneut vielen Menschen neue Hoffnung schenken wird.

Geschäftsstelle der LZ-Weihnachtsaktion: Elisabeth Portmann, Geschäftsleiterin. Kontakt: lzweihnachtsaktion@lzmedien.ch, 041 429 54 04.

«Es tut gut zu wissen, dass man nicht allein ist»

Schon weit über 1600 Einzelpersonen und Familien in der Zentralschweiz konnte die diesjährige Weihnachtsaktion unterstützen. Und täglich erreichen uns Dankesschreiben.

«Es tut gut zu wissen, dass man gerade in dieser dunklen Jahreszeit nicht allein ist», schrieb uns eine Frau aus dem Kanton Zug. Sie bringt auf den Punkt, worum es bei der LZ-Weihnachtsaktion geht: um eine konkrete Hilfe, aber auch um ein Zeichen der Solidarität, die unsere Region auszeichnet. «Dank Ihrer Aktion habe ich den Glauben an Mitmenschlichkeit wiedergewonnen», schrieb uns eine alleinerziehende Mutter aus Uri.

«Freudentränen»

Für die Beschenkten ist das, was sie bekommen, nicht selbstverständlich. «Ich hätte das nie für möglich gehalten. Als ich die Nachrichten las, hatte ich Freudentränen in den Augen», schrieb ein Familienvater aus Nidwalden. «Sie haben uns aus einem tiefen Loch herausgeholfen.» Und nicht wenige wollen irgendwann etwas zurückgeben. «Sobald ich das Gröbste hinter mir habe, werde ich selber spenden», verspricht uns ein Mann aus dem Seetal.

Wie nachhaltig die Spenden eingesetzt werden, zeigt etwa die Reaktion einer jungen Entlebucherin: «Dank Ihrem Beitrag zu einer Ausbildung werde ich bald auf eigenen Füssen stehen.» Und ein Mann aus Obwalden meldete uns: «Mit Ihrer Hilfe habe ich die Kraft gefunden, alle Schulden zu begleichen. Ich kann wieder ruhig schlafen.»

Auch von Stellen, die Gesuche einreichen, kommen viele Reaktionen. Stellvertretend eine Luzerner Gemeinde: «Mit Ihrer unbürokratischen Hilfe machen Sie vielen Menschen eine grosse Freude und geben ihnen Mut, ihre schwierigen Situationen zu bewältigen.»