OBWALDEN: Fernsehen verschärft die Platznot noch

Der diesjährige Brünig-Schwinget kann live am TV mitverfolgt werden. Das kostet aber eine Stange Geld. Das OK geht daher erstmals auf Sponsorensuche.

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Als stünde man selbst auf dem Platz – das Brünig-Schwinget gibt es dieses Jahr als Live-Übertragung auf dem SRF-Kanal. (Bild: PD)

Als stünde man selbst auf dem Platz – das Brünig-Schwinget gibt es dieses Jahr als Live-Übertragung auf dem SRF-Kanal. (Bild: PD)

Oliver Mattmann/Franz Niederberger

Schwingen boomt – so sehr, dass auch das Schweizer Fernsehen (SRF) immer mehr auf den Geschmack kommt. Am 26. Juli bringt SRF erstmals Livebilder vom traditionellen Brünig-Schwinget in die Stuben des TV-Publikums. «Wir freuen uns sehr, dass es mit der Übertragung klappt», sagt OK-Präsident Walter von Wyl. «Die Ticketnachfrage ist ungebrochen, sodass wir die Arena praktisch jedes Jahr zweimal füllen könnten.» Mit den TV-Bildern werde es möglich, den Fans, die keine Billette ergattert haben, die besondere Atmosphäre zumindest vor den Bildschirmen zu vermitteln. Auch beim Schweizer Fernsehen ist man happy, erstmals live vom Bergkranzfest zu senden. «Der Brünig-Schwinget war schon länger auf unserer Wunschliste, aber erst nach dem Umbau der Arena vor zwei Jahren kam er überhaupt für eine Liveproduktion in Frage», sagt Caroline Kalberer, Mediensprecherin von SRF Sport.

Platzverhältnisse verschärfen sich

Die Liveübertragung bringt aber auch eine Kehrseite der Medaille mit sich. Sie beschert dem OK schon im Vorfeld ein gerüttelt Mass an Arbeit. Mit dem Produktionsteam von SRF haben bereits zahlreiche Treffen stattgefunden, Dutzende von Telefonaten und E-Mails zur Klärung von Details waren notwendig. «Der Aufwand ist etwas grösser, als wir erwartet haben», räumt Walter von Wyl ein. Vor allem die logistischen Herausforderungen werden zusehends zu einer Knacknuss. «Wir haben heute schon enge Platzverhältnisse auf dem Brünig. Mit der Fernsehproduktion verschärft sich dieses Problem», erklärt der OK-Präsident. Eine grosse Übertragungsplattform, die bei der Festwirtschaft hinter der Tribüne postiert wird, sowie die TV-Wagen von SRF ausserhalb der Arena schnappen reichlich Platz weg. «Da die Produktion in allen Sprachen in der Schweiz hergestellt wird, stehen gesamthaft 70 Personen im Einsatz, von Kameraleuten und Grafikern über Regisseure, Monteure und Beleuchter bis hin zu Produzenten, Moderatoren und Kommentatoren», rechtfertigt Caroline Kalberer die Platzbedürfnisse.

Schwinger sind geteilter Meinung

Es stehen daher noch weniger Parkplätze vor Ort zur Verfügung, obschon das Angebot bereits heute spärlich ist. Walter von Wyl richtet daher einen vorzeitigen Appell an die rund 6000 Besucher des bereits ausverkauften Bergkranzfestes: «Wir sind noch stärker darauf angewiesen, dass die Schwingerfreunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.»

Wieso der ganze Aufwand, wenn der Publikumszuspruch auch ohne TV-Übertragung horrend ist? «Diese Frage haben wir uns innerhalb des OK ebenfalls gestellt», so Walter von Wyl. Dass geteilte Meinungen vorherrschen, zeigt auch die eher knappe Zustimmung der Schwingersektion Hasliberg und des Ob- und Nidwaldner Schwingerverbands, als es an ihren Versammlungen darum ging, den notwendigen Kredit von 15 000 Franken zu sprechen. Den beiden Schwingervereinigungen gehört die Naturarena auf dem Brünig. «Es gab Diskussionen, dass man nicht um jeden Preis eine Übertragung machen sollte.» Zugute kommt den Organisatoren, dass der Eidgenössische Schwingerverband ebenfalls 15 000 Franken aus der eigenen Kasse beisteuert. «Wir sehen in der Fernsehübertragung vor allem eine grosse Chance, für den Schwingsport Werbung zu machen und Junge zu animieren, selber in die Zwilchhosen zu steigen», erklärt Walter von Wyl.

Glasfaserkabel für bessere Leitung

Stichwort Werbung: Bisher kam der Brünig-Schwinget gänzlich ohne Sponsoren aus. «Das ist für einen Sportanlass dieser Grösse wohl einzigartig in der Schweiz», sagt Walter von Wyl dazu. Doch nun beschreitet das OK neue Wege. «Wir werden heuer potenzielle Kreise angehen, um damit einen Teil der Kosten für die Übertragung zu decken.» Der OK-Präsident will die 15 000 Franken aber nicht als «Pauschalbetrag an SRF» verstanden wissen. «Es handelt sich um Aufwendungen unsererseits, damit eine Übertragung überhaupt möglich wird.» SRF-Mediensprecherin Caroline Kalberer bestätigt gewisse infrastrukturelle Vorgaben und fügt an: «Solche Kosten tragen üblicherweise in allen Sportarten die Veranstalter.»

Als grössten Posten nennt von Wyl den Einbau eines Glasfaserkabels für eine schnelle Datenübertragung. «Wir stehen in Verhandlungen mit dem Anbieter, dass wir das Kabel gleich fix für die Zukunft verlegen können, denn gegenwärtig verfügen wir auf dem Berg nur über eine schwache Internetleitung.» Ein anderer Kostenpunkt etwa ist der Shuttlebus-Dienst, der aufgrund der besagten Parkplatzprobleme für die Helfer, die zum Teil früh vor Ort sein müssen, eingerichtet wird. Hinzu kommen laut von Wyl diverse kleinere Anpassungen, die sich als Ganzes summieren.