Obwalden und Nidwalden verschärfen die Coronaschutzmassnahmen: Ab Montag gilt Maskenpflicht

Die Coronafallzahlen sind in Nidwalden und Obwalden zuletzt stark angestiegen. Jetzt haben die Kantonsregierungen weiterführende Massnahmen beschlossen.

Martin Uebelhart
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Nicht nur in Zug, sondern auch in Ob- und Nidwalden gilt ab Montag beim Einkaufen Maskenpflicht.

Nicht nur in Zug, sondern auch in Ob- und Nidwalden gilt ab Montag beim Einkaufen Maskenpflicht.

Bild: Urs Flüeler / Keystone (15. Oktober 2020)

Der Obwaldner Regierungsrat hat eine Maskenpflicht in den Innenräumen öffentlich zugänglicher Einrichtungen beschlossen. Zu diesen zählen laut einer Mitteilung, insbesondere Einkaufsläden, -märkte und -zentren (inklusive geschlossenen Besucherpassagen), Poststellen und Banken, Museen, Theater, Konzertlokale, Versammlungslokale, Gotteshäuser und religiöse Gemeinschaftsräume, Verwaltungsgebäude oder Bibliotheken. Eine Maskenpflicht gilt auch für das Personal im Gästebereich von Res-taurationsbetrieben (inklusive Bars und Clubs, Diskotheken und Tanzlokale) sowie für alle, die Dienstleistungen erbringen oder beanspruchen, bei denen der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten wird. Weiter gilt die allgemeine Maskenpflicht auch an Märkten im Freien (Wochen-, Monats-, Jahres- und Weihnachtsmärkte). Die Maskenpflicht gilt für Personen ab 12 Jahren und tritt am Montag, 19. Oktober, in Kraft.

Nidwalden setzt auf situative Maskenpflicht

In Nidwalden gilt ebenfalls ab Montag eine generelle Maskenpflicht für öffentliche und private Veranstaltungen mit über 50 teilnehmenden Personen sowie für Dienstleistungen, bei denen es zu regelmässigem Körperkontakt kommt, darunter Coiffeursalons, Massage-, Tätowier- oder Kosmetikstudios.

Weiter führt der Kanton Nidwalden eine situative Maskenpflicht ein, die dann zur Anwendung gelangt, wenn der erforderliche Mindestabstand von 1,5 Metern fortwährend nicht eingehalten werden kann. Sie gilt für öffentliche und private Veranstaltungen mit bis zu 50 teilnehmenden Personen, öffentlich zugängliche Innenräume, insbesondere Verkaufslokale, Postschalter, Kinos und Gotteshäuser. Weiter findet sie Anwendung für Gastronomiebetriebe wie Restaurants, Cafés, Bars, Clubs, Discos und Tanzlokale, in denen stehend konsumiert wird sowie andere Dienstleistungen wie zum Beispiel Taxiunternehmen und Fahrschulen, bei denen der Mindestabstand ebenfalls nicht fortdauernd eingehalten werden kann und keine weiteren Schutzmassnahmen wie Plexiglas vorhanden sind.

Gehäufte Ansteckungen im privaten Umfeld und am Arbeitsplatz

Die situative Maskenpflicht, wie sie Nidwalden am Montag einführt, kennt in vergleichbarer Form auch der Kanton Schwyz. Obwalden und Luzern etwa setzen auf eine umfassendere Maskenpflicht. «Hier hat sich jeder Kanton seine eigenen Überlegungen gemacht», sagt die Nidwaldner Gesundheits- und Sozialdirektorin Michèle Blöchliger im Gespräch mit unserer Zeitung. «Wir wollten den Finger vor allem auf das private und berufliche Umfeld legen. Diese Bereiche haben sich zuletzt als die häufigste Übertragungsquelle erwiesen.» Deshalb rate sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab von Anlässen oder Feiern, in denen Menschenansammlungen unausweichlich und zudem vulnerable Personen anwesend seiend.

Auch am Arbeitsplatz häuften sich Ansteckungen. Daher wird Unternehmungen empfohlen, wieder vermehrt auf Homeoffice oder räumliche Trennungen von Mitarbeitenden zu setzen. Da indes aktuell keine Anhaltspunkte für gehäufte Ansteckungen in Verkaufsläden vorliegen, wird auf eine generelle Maskenpflicht in diesem Bereich vorderhand verzichtet. «Den Ladenbetreibern steht es aber frei, eine solche einzuführen», sagt Michèle Blöchliger. Sie glaubt, dass die differenzierten Bestimmungen zur Maskenpflicht allenfalls zu Beginn einige Fragen bei den Leuten auslösen könnten, doch die auf der kantonalen Website aufgeschalteten FAQs würden weiterhelfen und: «Es ist allen unbenommen, immer eine Maske zu tragen.»

Weitere Einschränkungen für Veranstaltungen denkbar

Überlegungen hat man sich auch im Kanton Obwalden gemacht. «Wir haben unter anderem die Bevölkerungsströme angeschaut», sagt Gesundheitsdirektorin Maya Büchi auf Anfrage. «Es gibt mehr Austausch von Obwalden nach Luzern als in die anderen umliegenden Kantone.» Nicht zuletzt darum habe man sich am Luzerner Modell für die Maskenpflicht orientiert. Zudem habe man eine pragmatische und leicht verständliche Regelung gesucht, sagt sie weiter. Man setze lieber jetzt auf eine umfassende Maskenpflicht als später noch einmal nachbessern zu müssen. Im Auge behalten will die Obwaldner Regierung auch die Veranstaltungen im öffentlichen wie auch im privaten Bereich. Je nach Entwicklung in den kommenden Wochen könnten in dem Bereich ebenfalls noch neue Einschränkungen möglich werden.

Starker Anstieg der Fälle in Obwalden

Die Coronafallzahlen sind in Obwalden laut der Mitteilung seit Beginn der Woche stark angestiegen. Während die Neuansteckungen zuvor vor allem auf zwei isolierte Orte zurückzuführen waren, sei nun eine Ausweitung auf breitere Bevölkerungsgruppen festzustellen, schreibt der Kanton. «Die Situation ist heute eine andere als noch anfangs Woche. Angesichts der schnellen Entwicklung sind jetzt neue Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus angezeigt», wird Maya Büchi zitiert. Seit Montag wurden bisher 47 neue Coronafälle registriert.

Über 100 Fälle mehr in Nidwalden in den vergangenen 14 Tagen

«Es geht uns mit den Massnahmen nicht darum, jede einzelne Infektion zu vermeiden, sondern die Häufigkeit von Erkrankungen zu verringern, damit die Kurve nicht weiter so exponentiell ansteigt wie zuletzt», betont Michèle Blöchliger. In den vergangenen zwei Wochen ist die Zahl positiv auf Covid-19 getesteter Personen im Kanton Nidwalden von 152 auf 240 geklettert. «Im Moment sind wir in der glücklichen Lage, dass wir praktisch keine schweren Verläufe respektive Hospitalisierungen verzeichnen. Dies kann sich aber innert kurzer Zeit ändern, wie Beispiele anderer Kantone zeigen. Je schneller wir jetzt handeln, desto kleiner sind die Einschränkungen für die Bevölkerung und die Wirtschaft – und umso besser können wir Risikopersonen und damit auch unsere Gesundheitseinrichtungen schützen», so Michèle Blöchliger weiter in der Mitteilung.

In beiden Kantonen sind Kinder unter 12 Jahren sowie Personen mit einem Nachweis, dass sie aus besonderen Gründen keine Maske tragen können, generell von der Maskenpflicht befreit. Die bereits geltenden Regeln wie etwa Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr, Schutzkonzepte für Gastronomiebetriebe oder die Bewilligungspflicht für Grossveranstaltungen bleiben wie bisher bestehen.

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