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OBWALDEN: Wie «Möisig» in den Ohren

Josef Hess ist ein gefragter Mann in Bundesbern. Die Liebe zur eigenen Heimat hat er aber nicht verloren. Seinen Dialekt erst recht nicht.
Adrian Venetz
Bafu-Vizedirektor Josef Hess pflegt seinen Engelberger Dialekt – gerade weil er viel auf Reisen ist. (Bild: Adrian Venetz (Neue OZ))

Bafu-Vizedirektor Josef Hess pflegt seinen Engelberger Dialekt – gerade weil er viel auf Reisen ist. (Bild: Adrian Venetz (Neue OZ))

Adrian Venetz

Wenn Josef Hess (54) vor Publikum referiert, kommt es schon mal vor, dass er nach ein paar Minuten fragt, ob man ihn überhaupt verstehe. «Das mache ich vor allem, um die Stimmung etwas aufzulockern oder das Publikum aufzuwecken», meint er lachend. 2009 zog es den Forstingenieur beruflich nach Bern, seit 2013 ist er Vizedirektor des Bundesamts für Umwelt (Bafu).

Lange Zeit war er in Obwalden als Abteilungsleiter Naturgefahren tätig, zudem war er Mitglied des kantonalen Führungsstabs. Auch heute noch, wenn Josef Hess als Bafu-Vizedirektor im Fernsehen oder Radio spricht vorausgesetzt, es ist eine Dialektsendung –, tut er dies in breitester Engelberger Mundart. Erstaunlich: Immerhin verliess er seinen Heimatort bereits 1987, heute wohnt er mit seiner Frau und den beiden Kindern in Alpnach. Anfangs pendelte er noch täglich zwischen Bern und Obwalden, heute hat er in Bern ein Studio zum Übernachten und fährt etwa ein bis zwei Mal pro Woche zurück nach Alpnach.

Manchmal etwas «abgeschwächt»

Wie kommt es, dass er nach so langer Zeit den typischen Dialekt des Klosterdorfs nicht verloren hat? «Ich habe immer noch regen Kontakt mit Engelberg», sagt Hess. Viele seiner Kollegen und Bekannten leben noch dort. «Alle ein bis zwei Wochen bin ich sicher in Engelberg.»

Trotzdem: Hin und wieder müsse er schon darauf achten, dass er seinen Dialekt pflege. «Besonders, weil ich ein Typ bin, der relativ schnell versucht, sich sprachlich anzugleichen.» Gerade in Bern sei ihm selbst schon aufgefallen, dass er zuweilen in eine etwas «abgeschwächte» Version des Engelberger Dialekts abgleite dies aber unbewusst. Geniert habe er sich für seinen Dialekt noch nie, stellt Hess klar. Gerade in seiner Studienzeit an der ETH Zürich sei es allerdings schon vorgekommen, dass seine Mundart für Heiterkeit gesorgt habe.

Eigene kleine Sprachregion

«Es ist ja nicht so, dass uns die ‹Mittelländer› nicht verstehen würden.» Und die Ohren habe sich auch noch niemand zugehalten, sobald er zu sprechen beginne, sagt Hess schmunzelnd. Dass er aus der Innerschweiz sei, würden die meisten heraushören mehr allerdings nicht. Kein Wunder: Engelberg bildet eine eigene Sprachlandschaft auf kleinstem Raum. Nirgends sonst in der Schweiz werden «Leute» zu «Luit» und «Musik» zu «Möisig».

Gerade bei seiner Arbeit in Bern hat Josef Hess sehr viel Kontakt zu Menschen, deren Muttersprache Französisch, Italienisch oder Hochdeutsch ist. «Oft sagen die dann zu mir: ‹Du kannst schon Dialekt sprechen, ich verstehe das.› Und ich antworte dann: ‹Ja, aber ob du meinen Dialekt verstehst, ist eine andere Frage.›»

Wer nun glaubt, Josef Hess habe sich den Engelberger Dialekt bewahrt, weil er keine anderen Sprachen spricht, liegt komplett daneben. Der Mann kann Französisch, Englisch, Portugiesisch, er lernte auch Spanisch, Italienisch, Chinesisch und als Schüler «sogar Russisch bei Pater Augustin an der Klosterschule». Gut möglich, dass gerade die Vielsprachigkeit ihn davor bewahrt hat, den eigenen Dialekt abzulegen.

Dass sich ein Dialekt in einer fremden Welt über hundert Jahre erhalten kann, beeindruckte Hess auf seiner Reise nach Brasilien im Jahr 1992. In der im Jahr 1888 gegründeten Obwaldner Colônia Helvetia hörte er einem knapp 90-jährigen Mann beim Sprechen zu. «Ein ‹Ming› mit Vorfahren aus Giswil war das», erinnert sich Hess «dieser ‹altertümliche› Giswiler Dialekt war der reinste Ohrenschmaus».

Ein ganz besonderer Spruch ...

Obwohl ihn Studium und Beruf klar in Richtung Naturwissenschaft führten, interessiert er sich sehr für Fremdsprachen und auch für den eigenen Dialekt. Und so präsentiert Josef Hess ein besonderes Müsterchen der Engelberger Mundart – passend zu seiner heutigen Tätigkeit mit Wetter und Naturgefahren: «Wenn sich d Stanser Möisig inälaad, wird äs nu gärä föil füdlä n’urä.» Immerhin hat er vollstes Verständnis dafür, dass kaum jemand ausserhalb Engelberg in der Lage ist, diesen Satz zu übersetzen. Es sei eine Art Wetterregel, die er von seinem Vater gelernt habe. Mit «Stanser Möisig» ist der Nebel gemeint, der vom Unterland über den Talboden von Engelberg kriecht. Und wenn das Wetter «föil füdlä n’urä» ist, dann ist es wirklich übel. Die Wetterregel frei übersetzt: Wenn der Nebel von Stans heraufkommt, dann wird das Wetter oft sehr, sehr schlecht.

Hinweis

In unserer Sommerserie «Wie redsch dui?» treffen wir verschiedene Leute aus Ob- und Nidwalden, die den Dialekt ihrer Gemeinde mit Stolz und Freude pflegen. Bereits erschienen: Heidy Gasser aus Lungern (15. 7.). Abonnenten finden die Beiträge auch unter www.obwaldnerzeitung.ch/serien

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