11-jähriger Sachsler auf dem Sprung zum grossen Erfolg

Elias Laky ist verrückt nach Pferden. Auf seinem Weg nach oben sitzt er fest im Sattel.

Christian Tschümperlin
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Elias Laky trainiert in Oberkirch bei Sursee.

Elias Laky trainiert in Oberkirch bei Sursee.

Bild: PD

Er hat das Reiten im Blut: Der elfjährige Elias Laky sass schon als Kleinkind im Sattel. «Die Mama hat mich jeweils auf das Pferd gesetzt. Das war mit unserem ersten Pferd, der Lili», erzählt er, nachdem er von einem seiner jetzigen Pferde, Cherivel, abgestiegen ist. Trotz seiner jungen Jahre hat Elias schon ein gutes Gespür für Pferde entwickelt.

Jetzt will er ganz hoch hinaus: Seit Januar ist Elias als jüngstes Mitglied im Children’s-Kader des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport (SVPS) mit dabei. Qualifiziert hatte er sich in einem Sichtungsturnier, nachdem er sich an anderen Turnieren mehrfach klassifizieren konnte. Die Mitgliedschaft im Kader bringt viel Verantwortung aber auch einige Privilegien mit sich: So steht vom 13. bis 15. Mai sein erster Auslandstart in Lamprechtshausen (Österreich) vor der Tür.

Ganze Familie ist involviert

Eigentlich hatte sich Elias auf einen Auftritt in Italien gefreut, wegen des Corona-Virus wird dieses Turnier aber zu einem Ersatzturnier in der Westschweiz umgebaut. Jetzt sieht Elias dem Turnier in Lamprechtshausen mit einer gewissen Aufregung entgegen. Ihm helfen aber sein Motto «Sometimes you win, sometimes you learn.» Und eine Vernetzungsübung für die linke und rechte Gehirnhälfte. Demonstrativ spreizt Elias seine Finger und tippelt jene der linken und rechten Hand in schöner Reihenfolge aufeinander. «Mein Ziel ist ein Nullfehlerritt mit einer guten Zeit», sagt er. Seine Familie unterstützt Elias tatkräftig. Schwester Naemi schiesst an diesem Morgen Fotos von ihm und verwaltet seine Website, sein Vater filmt an Turnieren. Damit man im Reitsport nach oben kommt, müssen nämlich viele Faktoren stimmen. «Reiten ist ein Hochleistungssport, der sehr viel Fingerspitzengefühl, Konzentration, Disziplin und stetes Engagement erfordert», sagt seine Mutter Andrea Laky. Elias reitet pro Tag zwei bis drei Pferde. So kommt er bald einmal auf einen Einsatz von mehreren Stunden. Und wie geht das mit der Schule zusammen? «Die Schule fällt ihm glücklicherweise leicht», sagt Andrea Laky. Zudem habe die Lehrerin selber eine Tochter, die Hochleistungssport betreibt.

Elias Laky fest im Sattel.

Elias Laky fest im Sattel.

Bild: PD

Harmonie zwischen Pferd und Reiter ist gefragt

Im Umgang mit Pferden und Menschen gibt sich der Sachsler als echter Gentleman: «Elias ist ein flotter und anständiger Typ. Das ist wichtig, weil ein Sportler heute auch repräsentieren soll», schwärmt sein Trainer Josef Hellmüller vom Oberkircher Gestüt Von Hof.

An diesem Morgen bestreitet der junge Reiter ein Springtraining. Dabei bildet Elias seine Fähigkeiten aus, im richtigen Tempo das Hindernis anzureiten und einen guten Absprung zu finden. «Die grosse Herausforderung im Springsport ist das, was zwischen den Sprüngen passiert. Das fängt schon damit an, dass das Pferd in den Wendungen nicht abdriftet», erklärt Hellmüller. «Am rechten Bein das Pferd halten» ruft Josef Hellmüller während des Trainings Elias zu. «Für seine 11 Jahre ist er nicht der Grösste. Er kommt knapp unter das Sattelblatt mit seinen Beinen», sagt Andrea Laky. Trotzdem hat Elias eine starke Einwirkung auf das Pferd.

Hintergrund ist die Beziehungsarbeit, die ihm seine Mutter vermittelt. Sie ist von Beruf Reitpädagogin und Reittherapeutin. Eine wichtige Erfahrung, die sie ihm weitergibt, ist jene, dass Pferd, Reiter und ihre Interaktion gleichermassen wichtig sind. Die drei Bestandteile müssen harmonieren.

Nicht nur ein Sportgerät, sondern ein Lebewesen

Pferde sind Fluchttiere. Trotzdem muss man ihnen die Chefposition vermitteln. «Dies ist ein Balanceakt», so Hellmüller. Wichtig sei, dass man eine vertrauensvolle Beziehung zum Pferd aufbaut, indem man ihm Konsequenz und Korrektheit im Ablauf vermittelt. «Wenn man etwas immer gleich macht, lernt das Pferd verstehen.» Und man müsse dem Pferd zeigen, dass es ernst gemeint sei.

Bei einem Rundgang durch das Gestüt erzählt Andrea Laky, wie sie durch die Empfehlung einer Freundin auf Josef Hellmüller aufmerksam wurde. «Viele im Springsport haben Eltern mit Springställen. Wir sind keine Stallbesitzer», sagt sie. Daher seien sie auf gute Kontakte angewiesen. «An Josef Helmüller haben wir von Anfang an seine korrekte Art geschätzt.»

Nach dem Gespräch ist es für Elias Zeit, Cherivel in die Box zu führen. «Das Pferd ist nicht nur ein Sportgerät, sondern auch ein Lebewesen», sagt er. Und so wird Elias auch an diesem Morgen noch die Hufe pflegen, die Transportgamaschen entfernen und dem Pferd zur Belohnung des Tages ordentlich Futter reichen. Wie ein richtiger Gentleman eben.

Wer Elias Laky unterstützen möchte: Seine Familie hat für ihn ein Crowdfunding-Projekt gestartet.

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