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200-JAHR-JUBILÄUM: Geprägt vom «ewigen Talammann»

Kaum eine Einzelperson hat Engelberg derart geprägt wie Joseph Eugen Müller. 40 Jahre lang amtete er als Talammann. Unter anderem war er Wortführer und Wegbereiter des Anschlusses von Engelberg an Obwalden.
Andrea Hurschler
Dieses vom Engelberger Maler Josef Matter geschaffene Porträt (im Bild ein Ausschnitt davon) von Talammann Joseph Eugen Müller findet man im Sarner Rathaus. (Bild: pd)

Dieses vom Engelberger Maler Josef Matter geschaffene Porträt (im Bild ein Ausschnitt davon) von Talammann Joseph Eugen Müller findet man im Sarner Rathaus. (Bild: pd)

Eine Amtszeitbeschränkung von 16 Jahren, wie man sie heute in Obwalden kennt – das war Anfang des 19. Jahrhunderts ein Fremdwort: Der damalige Talammann Joseph Eugen Müller hatte das Amt – wenn auch nicht ganz freiwillig – 40 Jahre inne. Seine Amtszeit war geprägt von Trötzeleien und Kämpfen, die er als pflichtbewusster, engagierter und diplomatisch geschickter Talammann immer versuchte zu schlichten. «Es ist hauptsächlich seinem diplomatischen Geschick zu verdanken, dass Engelberg einen Sonderstatus innerhalb Obwaldens erhielt», sagt Mike Bacher, der dessen Lebensgeschichte zusammengetragen hat.

Kloster gibt Herrschaft ab

Doch nun der Reihe nach, wie es überhaupt zu dieser langen Amtszeit kam: Bis 1798 die Franzosen in die Eidgenossenschaft einmarschierten, hatte das Kloster die Herrschaft über Engelberg. Als die geistlichen Herrschaften durch den französischen Einmarsch abzulaufen schienen, stellte Joseph Eugen Müller, ehemaliger Talfürsprech (Anwalt), anlässlich einer Talgemeinde dem Kloster die Bitte, seine Untertanen freizugeben.

Abgelaufen war damals auch die Zeit der Eidgenossenschaft. Nach den Vorgaben Frankreichs entsteht die Helvetische Republik, Engelberg wird wie die restlichen ehemaligen Urschweizer Stände dem Kanton Waldstätte zugeteilt. Auch in Engelberg wurde nun eine Einwohnergemeinde eingerichtet – als deren Präsident amtete der Ingenieur Joachim Eugen Müller, als Oberagent Joseph Eugen Müller. Joseph Eugen Müller setzte sich in dieser für Engelberg finanziell schwierigen Zeit stark für das Tal ein. Er war häufig unterwegs, um besondere Bedingungen für Engelberg auszuhandeln – oftmals mit Erfolg.

Ein eigener Staat Engelberg?

Nachdem Napoleon Bonaparte nach diversen Streitereien rund um die Eidgenossenschaft Engelberg Nidwalden zugeschlagen hatte und die Engelberger diesen Anschluss akzeptierten, wählte das Volk Joseph Eugen Müller 1803 zum Talammann. «In der Folge bemühte er sich, Engelberg in ruhiges Fahrwasser zu führen», weiss Bacher.

Doch dies erwies sich als schwieriger als erhofft, denn Nidwaldens Sympathie zu Engelberg hielt sich stark in Grenzen. Anlässlich der Landratssitzung vom 3. März 1814 forderte der Stanser Ratsherr und Obervogt Remigius Zelger sogar den Ausschluss der Engelberger Landräte, da diese in seinen Augen nicht stimmberechtigt seien. Talammann Müller stand empört auf und verliess zusammen mit den anderen Engelberger Landräten den Saal.

Im Laufe des folgenden Frühjahrs begannen die Engelberger ernsthaft, die Errichtung eines eigenen Staatswesens anzustreben. Allerdings stellten die eidgenössischen Stände klar, dass Engelberg sich einem Kanton anschliessen müsse. Da sie in Nidwalden nicht mehr erwünscht waren, beginnt Engelberg mit Obwalden anzubandeln. «Für Engelberg war es dabei wichtig, seine historischen und geografischen Besonderheiten zu wahren und nicht mehr die gleichen Verhältnisse wie in den vergangenen zwölf Jahren erleben zu müssen.» Talammann Müller erreichte, dass sich Engelberg zwar einem Kanton anschliessen, aber dennoch eine gewisse Selbstständigkeit und umfassende Kompetenzen wahren konnte. «Meines Erachtens wird das Verdienst Talammann Müllers an der eigenständigen Entwicklung Engelbergs meist unterschätzt. Denn er war 1815 nicht nur die treibende Kraft für den Anschluss Engelbergs an Obwalden, sondern auch ein vehementer Verfechter der Engelberger Rechte und Gewohnheiten», resümiert Bacher.

Tod als Talammann

Doch auch nun kehrte noch keine Ruhe ein – denn Nidwalden war alles andere als erfreut über den Anschluss Engelbergs an Obwalden. Die Aufgabe wurde für Talammann Müller umso schwieriger, da sein Statthalter, Ingenieur Joachim Eugen Müller, mit den Nidwaldnern sympathisierte. Nachdem dieser 1816 die Unterschriften einer Petition beglaubigt hatte, welche den Wiederanschluss an Nidwalden forderte, wurde er als Statthalter abgesetzt. 1818 begnadigt, versöhnte er sich in der Folge mit Obwalden und erhielt 1822 gar eine Ehrenlandratsstelle zugesprochen.

Mit der einkehrenden Ruhe in Engelberg wurde Talammann Müller immer mehr amtsmüde. Die Engelberger hatten allerdings vollstes Vertrauen zu ihrem Talammann, der sie durch schwierige Zeiten manövriert hatte. Obwohl er sich bereits 1832 gegen die meist einstimmigen Wahlen aussprach, setzte ihn die Regierung zwangsweise wieder ein. 1836 kann er endlich durchatmen – sein Schwiegersohn Floridus Kuster wird gewählt. Der Ruhestand währt aber nur kurz, da Kuster schon ein halbes Jahr später überraschend stirbt. Die weiteren Rücktrittsversuche scheitern wiederum allesamt. Erst der Tod «erlöst» 1843 den 87-jährigen «ewigen Talammann», der für Engelberg unschätzbare Dienste geleistet hat.

Andrea Hurschler

200 Jahre: Alle Beiträge dieser Serie finden Sie unter www.obwaldnerzeitung.ch/engelberg Alle Informationen zum Jubiläum gibt es unter www.engelbergbeiobwalden.ch

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